Kanada: Mit dem Canadian und Rocky Mountaineer von Toronto am Ontario See nach Vancouver am Pazifik

Draußen läuft der Landschaftsfilm

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Die Landschaft ändert sich: Der Rocky Mountaineer in der Nähe von Kamloops, wo gelber Wüstensalbei blüht.

Tannen soweit das Auge reicht und das schon seit dem Aufstehen. Hin und wieder mischt sich ockerfarbenes Birkenlaub mit dem Immergrün der Douglasien, Fichten und Lärchen. Das gehe heute den ganzen Tag so, hatte Zugbegleiterin Bernadette gleich nach dem ersten kurzen Halt morgens um sechs in Capreol erwähnt.

Nun ist es Mittagszeit. Die Szenerie ist immer noch die gleiche. Und so bleibt sie bis zum Abend und noch die ganze Nacht hindurch.

Charlotte ist glücklich. Sie und ihr Mann Brian stammen aus Florida. Dort säumen nicht Tannen sondern Palmen die Straßen. Vor 14 Stunden haben sie mit 300 weiteren Passagieren in Toronto das Flaggschiff der kanadischen Bahngesellschaft VIA Rail, den Canadian, bestiegen, um auf rund 4600 Kilometern das Land zu durchfahren. Einmal von Ost nach West durch fünf Provinzen. Von Toronto am Ontario See nach Vancouver am Pazifik. In vier Nächten und drei Tagen.

Mit dem Flugzeug ist die Strecke in knapp sechs Stunden zurückzulegen. Doch die Passagiere an Bord des Canadian möchten die unterschiedliche Natur der Provinzen entspannt vom Panoramawagen aus erleben. Für alle ist der Weg das Ziel.

Der erste Morgen in Capreol ist frostig. Die 22 Grad von sind Toronto nur noch Erinnerung. Zum Frühstück im Restaurantwagen balanciert Oberkellner Jimmy gekonnt Omelett, Schinken und Haferflocken durch den ruckelnden Waggon. Kein Tropfen geht ihm beim Einschenken des Kaffees daneben.

Schneebedeckte Rocky Mountains

Regen klatscht gegen die Scheiben und Blitze flackern durch die Wolkendecke als der Zug durch die Prärien Saskatchewans rumpelt. Je weiter der Canadian gen Westen rollt, desto stärker ächzen die Betten, klappern Spiegel und Türen. Nach drei Nächten ist die Provinz Alberta erreicht. Ab Hinton beginnen sie endlich, die schneebedeckten Rocky Mountains. „Die Weite, das ist es, was Kanada von unserer engen Schweiz unterscheidet“, schwärmt Kurt aus Zürich.

Fast pünktlich trifft der Zug in Jasper ein. Charlotte und Brian und viele andere Touristen unterbrechen dort die Reise für einige Tage, um die Gletscher, Seen und Wasserfälle der Nationalparks etwas hautnaher als nur durchs Zugfenster zu erleben. Natürlich lassen sich die letzten tausend Kilometer mit dem Canadian bis Vancouver fortsetzen, aber wer die Strecke nur bei Tageslicht erleben möchte, ist mit dem Rocky Mountaineer besser beraten.

Fotos: Mit dem Zug von Toronto nach Vancouver

Mit dem Zug quer durchs Land: Von Toronto nach Vancouver

Charlotte und Brian entscheiden sich nach drei Tagen in den Rockies für den Rocky Mountaineer ab Banff. Nun lassen sie ihre Sinne im doppelstöckigen Panoramawagen verwöhnen. Im oberen Stockwerk läuft wieder der kanadische Landschaftsfilm vor den Fenstern ab, im unteren befindet sich das Restaurant. Dort kredenzen Ann und Tyler Wildlachs, Spareribs und Hähnchenbrust zu Chardonnay oder Merlot.

Irgendwann werden die Berge niedriger, die Rockies liegen längst zurück. Ab Kamloops bedeckt gelbblühender Wüstensalbei die Hänge. Schließlich schlängelt sich der Zug am Fluss Fraser entlang, der Heimat der größten Lachswanderung Britisch Columbias. Langsam kommt die Zivilisation näher. Häuser, Straßen und Autos nehmen zu. Die Skyline von Vancouver schält sich aus dem Nachmittagsdunst. Endstation.

Von Dagmar Krappe

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