In der Balagne im Nordwesten Korsikas finden Bergfreunde einsame Wanderwege und rassige Bike-Trails

Duftendes Gebirge im Meer

Das unverkennbare Aroma der Natur steigt jedem sofort in die Nase. Die kräftige Myrthe liegt in der Luft, dazu der markante Duft von Immortelle und Lavendel, auch der Eukalytpus ist „unüberriechbar“. Eukalyptus? „Der australische Baum wurde hier in der Balagne vor gut 100 Jahren angesiedelt“, erklärt Wanderführerin Sabine Hepperle.

Der Grund leuchtet ein. Der Eukalyptus entzieht dem Boden Wasser und vertreibt die Mücken. Die einstige Sumpflandschaft rund um das malerische Festungsstädtchen Calvi konnte so ohne große Eingriffe in die Landschaft trockengelegt werden, die früher allgegenwärtige Malaria ist hier längst kein Thema mehr.

Doch während andernorts derartigen Errungenschaften bald der zweifelhafte Segen des Massentourismus folgte, schafften es die Korsen, der Verlockung des Geldes zu widerstehen. Keine hässlichen Hotelburgen zieren die Küste im Nordwesten der Insel, das Landesinnere prägen bis heute verträumte Dörfer.

Die meisten Touristen kommen zu Fuß oder mit dem Rad. Als „Gebirge im Meer“, wie Korsika auch gerne genannt wird, zieht die Insel vor allem Naturliebhaber an. Über 50 Gipfel ragen mehr als 2000 Meter hoch in den zartblauen Himmel. Wanderer, Bergsteiger, Kletterer und Mountainbiker finden in der Balagne ihr noch meist unberührtes Eldorado, das für einen Nur-Strand-Urlaub viel zu schade ist.

Ein Meer von Farben

Die winzigsten Ritzen im Fels, der mal in sanftem Rosé, mal in fahlem Grau und dann wieder in zartem Grün schimmert, genügen dem blauen Mauerpfeffer als Lebensraum. Wie ein engmaschig gewebter Teppich überziehen die kleinen Blumen das Gestein mit ihrer bunten Pracht. Rund 2500 verschiedene Pflanzen beherbert Korsika, die Häfte davon finden nur hier ihren Lebensraum. „Nicht nur deshalb ist das Fangotal eine der beliebtesten Wanderrouten hier in der Region um Calvi“, sagt Sabine Hepperle.

Die gelb-violetten Farbkleckse, die als offizielle Wegmarkierung alle paar hundert Meter auf die Felsen gemalt sind, weisen den Wanderern eine Strecke, die schon vor Jahrhunderten begangen wurde. Hirten trieben im Frühsommer ihre Schafe, Ziegen und Rinder von den Küstendörfern hinauf in fruchtbare Bergregionen.

Erfrischung in den Gumpen

An Abwechslung mangelt es auf der knapp dreistündigen Tour wahrlich nicht. Das kristallklare Wasser des Fango begleitet jeden Schritt mal sanft glucksend, mal mächtig rauschend, und lädt in Gumpen, kleinen, natürlichen Bassins, auch zu einem erfrischenden Sprung ins gar nicht so kalte Nass ein.

Bergsteiger kommen zumeist vom Kontinent. Die Korsen selbst haben wenig Sinn für den Gipelsturm, entsprechend ruhig geht es zu zwischen Belgodère und Coré. Erst seit der österreichische Alpenverein vor 51 Jahren mit dem Feriendorf zum Störrischen Esel in Calvi einen „Stützpunkt“ errichtet hat, ziehen Seilschaften hinauf zum Paglia Orba (2525 Meter), oder zur A Muvrella (2148 m). Wer den knackigen Anstieg schafft, wird mit dem schönsten Blick auf die Bucht von Calvi belohnt. Nicht fehlen darf natürlich der Monte Cinto. Bis auf 2706 Meter schwingt sich der König der Inselberge in die Höhe und wartet mit reinrassigem hochalpinen Charakter auf.

Wo Berge rufen, sind Mountainbiker nicht weit. In der Balagne ist die Auswahl der Routen riesig. Echte „Wadlbeißer“ kommen ebenso auf ihre Kosten, wie Sightseeing-Radler, die einfach entlang der grandiosen Steilküste in die Pedale treten wollen und im Abstand weniger Kilometer ihre Stops einlegen, um zu den kuschligen Buchten hinunterzuklettern.

Von Stefan Gruber

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