Wer Sport mag, wird die Kanaren lieben – Auf Teneriffa warten Natur und Abenteuer auf die Besucher

Mit dem Rad durch die Wolken

Weit weg vom Massentourismus: Im Orotava-Tal kommen Mountainbiker und Wanderer auf ihre Kosten. Foto: Camrath

Es nieselt. Wald und Wolken werden dichter. In das Profil der Strecke mischen sich immer mehr Steigungen. Die Sonnenbrillen beschlagen, die Körper atmen, Jacken und Pullover werden ausgezogen und eingepackt. Unsere Räder wirbeln den braunen Staub am Boden auf und lassen sich kreuzende Spuren zurück. Die Natur umschlingt uns. Hier am Hang des Orotava-Tals, tausend Meter über dem Meeresspiegel, zeigt sich Teneriffa von seiner grünen Seite. Wegen der dichten Wolken beschränkt sich die Aussicht jedoch auf wenige Meter.

Das Orotava-Tal im Norden der Kanaren-Insel befindet sich in der Nähe der Küstenstadt Puerto de la Cruz. Während die zum Meer gelegenen Gebiete dicht besiedelt sind, finden sich weiter oben Bananenplantagen. Auch Wein und Gemüse wird ab einer Höhe von 400 Metern angebaut. Weil unterirdische Stollen das Wasser aus den Bergen hinabfließen lassen, ist die Vegetation sehr vielfältig und ausgeprägt. Schon Alexander von Humboldt, der 1799 auf Teneriffa war, zeigte sich von der Pflanzenvielfalt fasziniert.

Wasser aus dem Berg

An einem der Stollen legen wir nach etwa einer Stunde mit unseren Mountain-Bikes eine Pause ein. Ein Gitter versperrt den Eingang. Doch wer Durst hat, braucht nicht verzweifeln. Eine Plastikflasche liegt in einem provisorischen Becken, in das Wasser aus dem Berg hineinfließt. Wer will, kann sich bedienen.

Dann geht es auch schon weiter. Kanarische Kiefern fliegen an uns vorbei, der nasse Wind kühlt die verschwitzte Haut. Es ist angenehm, nicht zu warm und nicht zu kalt. Das Fahren auf dem staubigen Untergrund macht unglaublich viel Spaß. Erst als es schließlich steil bergauf geht, kommen die ersten in der Gruppe an ihre Grenzen. Weil der Boden sandig ist, drehen die Reifen durch und rutschen ab. Wem es gelingt, der bleibt im Sattel. Doch ein paar von uns müssen die letzten Meter über die Kuppe schieben.

Das Orotavo-Tal eignet sich wegen seiner guten Beschilderung und der zahlreichen Aussichtspunkte (Miradores) nicht nur für Rad-Touren. Die Natur lädt auch zu Wanderungen ein und unterwegs kann in Gaststätten, Hütten oder an Rastplätzen ausgeruht werden. Mit öffentlichen Bussen sind die Ausgangspunkte leicht zu erreichen.

An einer Bushaltestelle (Mataznos) an der Aussichtsplattform „Mirador Margarita Piedra“ kommen wir nach fast vier Kilometern in der Natur zurück in die Zivilisation. Auf Teer und der TF 21 geht es zweieinhalb Kilometer bergab zurück zum Ausgangspunkt. Die Straße ist nass und glatt. Die Geschwindigkeit steigt. Zwei Stunden nach der Abfahrt erreichen wir unseren Ausgangspunkt, die Bushaltestelle „La Caldera“ oberhalb von Aguamansa. Die Helme werden abgenommen und die Mountain-Bikes auf den Anhänger geladen. Auf unserer Haut mischen sich Staub und Schweiß. Ein Abenteuer liegt hinter uns. Und wer sich auf Teneriffa einlässt, der kann abseits vom Pauschaltourismus noch viele weitere entdecken.

Von Jörgen Camrath

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