Edler Tropfen und ein guter König

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An ihr kommt man nicht vorbei, will man ins Chateau des Vaults (links): Die Patronne, Evelyne Pontbriand (oben) begrüßt alle Gäste, die das Weingut besuchen möchten – und genießt sichtlich ihren Ruhestand.

Er wird aus Apfelsinen gemacht, aber ist nicht orange. Er ist süß und bitter zugleich. Der Cointreau hat Charakter – wie die eckige braune Flasche, aus der er fließt. Das war schon vor 160 Jahren so, als die Brüder Cointreau beschlossen, vom Bäcker- zum Spirituosenhandwerk zu wechseln.

Heute werden im beschaulichen Saint-Barthélemy-d’Anjou jährlich 30 Millionen Flaschen mit dem kristallklaren Destillat aus süßen und bitteren Orangenschalen gefüllt und in alle Welt verschickt. Das Rezept ist geheim. Nur so viel: Was ein echter Cointreau ist, wird trübe, wenn er auf Eis trifft. Das macht der hohe Anteil an Orangenöl.

Alles fließt in der alten Provinz Anjou: der Likör, die Maine und die Loire, die dem Département seinen Namen gaben – und der Wein. So ist Savennières eine gute Adresse für weißen Burgunder.

Gefühlvolle Weine

Auf dem Weingut Chateau des Vaults haben seit drei Generationen die Frauen das Sagen. Ihr „Chenin blanc“ wird (von den Männern...) ökologisch angebaut und trägt so sentimentale Namen wie „La Jalousie“ (Eifersucht) oder „Emotion“ (Gefühl). Die rührigen Damen ziehen auch seltene Pflanzen und laden zu Konzerten in ihr Schloss aus dem 15. Jahrhundert.

Lässt da der gute René grüßen? Im Jahr 1409 geboren, verdiente dieser politisch eher glücklose König sich durch sein kulturelles Engagement den Namen „bon roi“. Er gründete die erste öffentliche Bibliothek, ließ Aprikosen und Muskatellerwein kultivieren. Auf seinem Schloss traf man sich zu Turnieren und Mysterienspielen. Trotz der wehrhaften 17 runden Türme wurden hinter den dicken Mauern weniger Kriege als Feste angezettelt. Friedlich lustwandeln – dazu lädt der Garten auch heute ein.

Geheimnissen auf der Spur

Kann man im Freien mittelalterliche Pflanzen ausfindig machen, heißt es im Halbdunkel des Schlosses, noch älteren Geheimnissen nachzuspüren. Die apokalyptischen Visionen des Johannes wurden im 14. Jahrhundert zu einem riesigen Teppichzyklus verwebt. Nach der französischen Revolution auseinander gerissen und als Bettvorleger oder Rosenabdeckung zweckentfremdet, ist es ein Wunder, dass heute wieder rund 500 Quadratmeter dieses wollenen Kunstwerks zu bestaunen sind.

Spielerische Naturkunde

„In Angers kommen auf jeden Einwohner 40 Quadratmeter Park“, verkündet die Stadtführerin. Wir haben nicht nachgezählt, aber René, den Gartenfreund, hätte es gefreut. Ganz zu schweigen von der neuen Terra Botanica. Da gibt es nicht nur Natur pur (etwa die größte Hortensiensammlung der Welt): Das Zauberwort heißt Edutainment, spielerische Wissensvermittlung. Als Wassertropfen auf dem Weg zur Erde wird man im 4D-Kino kräftig durchgerüttelt. In einer Nussschale lässt es sich durch diverse Klimazonen schaukeln. Der romantische Wasserweg führt vorbei an Riesenspinnen, fauchenden Drachen, musizierenden Steinen und sprechenden Bäumen.

Ganze Tage könnte man hier zubringen, wenn – ja wenn da nicht noch ein Dutzend weiterer Parks, Schlösser und Weinproben zu bewältigen wären. Zu Fuß? Zu Pferd? Per Rad? Alles ist möglich an der Maine und der Loire.

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