Die Insulaner auf Noirmoutier leben von Salz, Kartoffeln, Austern und von dem Tourismus

Eiland mit salziger Geschichte

Traumhaft: Der mediterran anmutende Strand „Plage des Dames“ auf Noirmoutier. Fotos: Rohm

Schlichte, weiß getünchte Häuser mit blauen Fensterläden ducken sich unter gleißendem Licht entlang der Dorfstraße. Fast jedes Haus hat einen von hohen Mauern umfassten Garten, in dem Blumen leuchten und Obstbäume stehen. Hinter den Dünen brandet der kühle, grüngraue Atlantik an den Kilometer langen Weststrand von Noirmoutier. Bei Ebbe ist er fast dreihundert Meter breit, bei Flut keine fünfzig. Ein kräftiger Wind sorgt für schnell wechselnde Himmelskulissen. Es riecht nach Meer und Tang, Möwen kreischen.

„Ist es nicht wunderbar, dieses atlantische Licht?“, fragt Janine Gibet. Seit 63 Jahren lebt sie in dem kleinen Dorf Barbâtre, im südwestlichen Teil der Insel. Janine Gibet erinnert sich an die Zeiten, als noch keine mächtig geschwungene Brücke den Süden der Insel mit dem Festland verband. Bis 1971 tuckerte ein kleines Passagierschiff im Halbstundentakt die drei Kilometer lange Strecke. Autos konnten nur zweimal am Tag Richtung Festland und zurück fahren – über die Passage du Gois. Angeblich die einzige Straße Frankreichs, die unter dem Meeresspiegel liegt.

Nur bei Ebbe, wenn der Tidenhub etwa sechs Meter niedriger ist als bei Flut, können Autos für eineinhalb Stunden über den Damm rollen. Heute ist die Fahrt bei Ebbe ein Spektakel. Neben der Passage durch das Watt kommen Inselbewohner und Touristen noch aus einem weiteren Grund an die Passage du Gois. Im Schlick suchen sie nach Venusmuscheln und den begehrten grauen Krevetten.

Malerisches Kloster

Zwanzig Kilometer lang streckt sich das Eiland, an einigen Stellen ist es kaum fünfhundert Meter breit. Hauptort der Insel ist die Stadt Noirmoutier en l’Ile im Nordosten. Im neunten Jahrhundert gründete der Heilige Filibert hier ein Kloster. Reliquien des Benediktiner-Mönchs werden in der romanischen Krypta der Kirche zur Schau gestellt. Nebenan trutzt eine kleine Burg, deren Ursprünge auf eine Feste zum Schutz gegen die Wikinger zurückgehen.

Zur Hochsaison von Mitte Juli bis Mitte August, wenn auf der Insel fünfzehnmal mehr Touristen als Einwohner leben, füllen sich die kleinen, verträumten Gassen. Zahlreiche Restaurants bieten ausgezeichnete Gerichte der französischen Küche. Auf den Tischen in den Restaurants steht immer ein Fässchen mit Fleur de Sel. Das edle Salz wird seit Jahrhunderten in den sumpfigen Gärten vor der Stadt geerntet und ist ein beliebtes Mitbringsel der Touristen. Die meisten von ihnen bevölkern die drei großen Campingplätze der Insel. Wem ein Dach über dem Kopf lieber ist, der bucht eines der vielen Ferienhäuser.

Nördlich des Städtchens Noirmoutier liegt der Bois de la Chaise. Am nördlichen und östlichen Rand des kleinen Wäldchens mit Steineichen und Pinien befinden sich die beiden schönsten Strände der Insel, Plage des Dames und Plage des Sableaux. Ganz anders als an der rauhen Westseite genießt man hier ein fast mediterranes Klima mit goldgelbem Strand und tiefblauem Meer. Die kleinen Buchten und das unvergleichliche Licht inspirierten schon den Maler Auguste Renoir zu zahlreichen Gemälden.

Von Franz Michael Rohm

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