Liebhaber kunstvoller Weihnachtskrippen sollten nach München reisen

Eine Krippe soll leuchten

Seit vielen Jahren auf dem Kripperlmarkt: Wolfgang Gebauer ist Holzbildhauer und fertigt Krippenfiguren und Weihnachtsengel nach alter handwerklicher Kunst an. Foto: Traub

München ist ein Mekka für Krippen-Fans. Die weihnachtlichen Stillleben sind nach wie vor beliebt. Das bestätigt auch Nina Gockerell, die frühere Leiterin der berühmten Krippenabteilung des Bayerischen Nationalmuseums. „Das könnte mit der weitverbreiteten Sinnsuche in unserer Zeit zu tun haben“, vermutet die Wissenschaftlerin. „Die Krippe ist etwas Vertrautes, das Halt und Orientierung geben kann.“

Der Krippenschatz des Münchner Museums ist eine Einladung zum Staunen. Mit Krippen aus Bayern, dem Alpenraum sowie den italienischen Hochburgen Neapel und Sizilien ist die mehr als 100 Krippen umfassende Ausstellung die bedeutendste weltweit. Mehrere Jahrhunderte Krippenbaukunst, beginnend mit Werken aus dem 17. Jahrhundert, haben hier ein Zuhause gefunden.

Krippen in allen Variationen

In München gibt es neben den Weihnachtsmärkten sogar einen eigenen Kripperlmarkt – er ist ein Einkaufsparadies für Krippenfans. „Eigentlich ist eine Krippe ja nie fertig, man muss nur genug Fantasie haben“, weiß eine Marktbeschickerin. Wer hier nicht fündig wird, den wird allein das große Angebot überfordert haben: Landschafts- und Stallkrippen, Wurzel- und Bretterkrippen, Krippen mit bayerischen oder mit orientalischen Motiven, alles in groß und klein und dazu jede Menge Zubehör helfen der Fantasie auf die Sprünge.

Wolfgang Gebauer kommt seit vielen Jahren auf den Markt. Stolz zeigt der Holz-bildhauer einige seiner eigenen Schnitzarbeiten. Zum Vergleich legt er maschinell gefertigte Figuren daneben. „Be-trachten Sie nur die Gesichtszüge.“ Ein individueller Ausdruck ließe sich eben nur durch Handarbeit erzielen. Auch der Verein der Krippenfreunde kämpft für die Aufrechterhaltung der Tradition. Eigene Schnitzer lehren die Kunst des Krippenbaus, aber mit dem Nachwuchs hapert es, hört man. Der Verein hat zudem den Münchner Krippenweg ausgearbeitet. Von der großen Stadtkrippe im Innenhof des Rathauses, in deren Figuren sich Orient und Alpenland begegnen, über die aus Isar-Kieseln gefertigte Krippe im Rathaus zum protzenden Barock der Asamkirche und zu den ständig wechselnden Miniaturkrippen in der Theatinerkirche führt der Weg zurück zum Bayerischen Nationalmuseum.

„Aus einer Krippe soll es herausleuchten“, formuliert Nina Gockerell. Der umgebende Raum des Museums ist nahezu unbeleuchtet. Auf diese Weise ziehen die Inszenierungen den Besucher magisch an.

Fasziniert steht man vor der rein fiktiven Stadtkulisse Jerusalems, durch die die Heiligen Drei Könige reiten, sieht sich mit Fabelwesen und exotischen Pflanzen konfrontiert oder entdeckt den Vesuv als Kulisse einer Anbetung der Hirten. Der Reichtum an Gestaltungsideen, der die Künstler bei ihrer Arbeit geleitet hat, regt auch Jahrhunderte später immer noch zum Inne-halten und Nachdenken an.

Von Ulrich Traub

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