Eine Oase für Hollywood-Stars

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Architekturliebhaber: Robert Imber, hier vor dem berühmten Desert House, führt Touristen durch Palm Springs.

Wie eine Riesenkrake überragt der Erker das Anwesen. An den Seiten von abgespreizten Pfeilern gestützt, verheißt es mehr zu sein als ein raffiniert gebautes Haus. Es ist das „House of Tomorrow“, Elvis’ Honeymoon Hideaway, erbaut 1962 vom Architekten William Krisel. Dort verbrachte Elvis mit seiner frisch angetrauten Priscilla seine Flitterwochen im Jahre 1963. Heute ist es Wallfahrtsort für alle Elvis-Fans oder für solche, die sich für die einzigartige Wüstenarchitektur von Palms Springs interessieren.

„Es ist das Mekka des Modernismus“, sagt Robert Imber, ein Kenner der Architektur-Szene, der auf einer zweieinhalbstündigen Tour die herausragendsten Bauwerke jener Epoche zeigt. Zwar habe sich die Architektur dieser Zeit auch in andere Gebiete verbreitet, aber nirgends sei seine Konzentration so groß wie in der Wüstenstadt von Palm Springs.

„Im Jahr 1923 war Palm Springs noch ein kleines Dorf irgendwo in der Wüste“, erzählt Robert Imber. 350 Sonnentage im Jahr, ein Meer von Palmen und dahinter der Schutz der schroffen Santa Rosa Berge. In den 1930er-Jahren wurde der Ort in der kalifornischen Wüste als idealer Rückzugsort von Hollywood-Stars entdeckt. Zur selben Zeit nutzten bedeutende Architekten wie der gebürtige Österreicher Richard Neutra, John Porter Clark, William F. Cody, E. Stewart Williams und der Schweizer Albert Frey die Wüstenstadt als Experimentierfeld und drückten ihm in den 30er-, 40er, und 50er-Jahren ihren architektonischen Stempel auf. Desert Modernism, bei dem Wüsten-Gestein, Beton und Metall unter dem Einfluss der Sonne eine besondere Bauform schaffen. Innen- und Außenbereich verschmelzen miteinander, riesige Schiebefenster zum Garten und Pool erlauben einen gleitenden Übergang. Die Front ist hingegen eher verschlossen und schottet sich zur Wüste hin mit Mauern ab.

Besonderes Licht

Für Robert Imber liegt die Schönheit der Architektur vor allem im sich stündlich verändernden Wüstenlicht. Seine Leidenschaft für die Wüstenoase überträgt sich unweigerlich auf den Besucher. Vor allem, wenn er vor dem „Desert House“ steht, das Stararchitekt Richard Neutra für Edgar J. Kaufmann entwarf und das als eines der bekanntesten Wohnhäuser des 20. Jahrhunderts gilt. Im Jahr 1946 in einsamer Wüstenlandschaft aus einer Kombination aus Naturstein, Glas, Stahl und weißen Putzflächen errichtet, habe es der Schöpfer selbst als eine Art „Mond-Erde-Shuttle-Station“ bezeichnet, verkündet der Architekturbegeisterte. Unumstrittenen Kultstatus habe auch das Arthur Elrod House erlangt, in dem der James Bond-Streifen „Diamonds are forever“ gedreht wurde.

Mancher Besucher wolle den Stars ganz nahe sein, meint Robert. Drei Nächte im Haus von Frank Sinatra lassen sie sich stolze 7800 Dollar kosten. Doch auch bei einem Cocktail am Pool im Hotel „Orbit In“ spürt man den Hauch des Jet-Set. Mehr noch: Beim Anblick des nahen Mount San Jacinto und zweier Meisterwerke von Albert Frey nehmen die schwärmerischen Worte von Robert deutliche Konturen an.

Informationen:

Auskunft:
Fremdenverkehrsbüro Palm Springs, Tel.: 0 69 / 2 56 28 88 86, www.palm-springs.de
Anreise:
Mit American Airlines von Frankfurt/Main über Dallas nach Palm Springs und zurück für etwa 600 Euro einschließlich Steuern und Gebühren.
Architektur:
Das Palm Springs Modern Committee (PSMODCOM) setzt sich für den Erhalt des architektonischen Erbes des Desert Modernism ein und ist zugleich Herausgeber eines Faltblatts, auf dem die wichtigsten 75 von bis zu 200 denkmalgeschützten Gebäuden verzeichnet sind. www.psmodcom.com

Von Markus Howest

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