Bei einem Städtetrip nach Aleppo im Norden Syriens lernt man die schönsten Seiten des Orients kennen

Eine Welt aus Düften und Farben

Mitten in der Stadt: Die Zitadelle von Aleppo thront auf einem rund sechzig Meter hohen Felsplateau. Fotos: Baumann

Steil verläuft die Treppe nach unten. Sie führt hinab in den Hammam Al Nahaseen mitten im größten Basar der Welt, dem Suq von Aleppo im Norden Syriens. Verschleierte Frauen mit quengelnden Kindern an der Hand bleiben genauso wie Touristengruppen immer wieder auf der obersten Treppenstufe stehen und starren gebannt in das hell erleuchtete Kellergewölbe.

Im vorderen Teil des hohen Raumes – dem Umkleide- und Ruheraum des orientalischen Dampfbades – biegt sich ein riesiger Tisch unter Massen von rot- und blau-karierten Laken. In Tücher eingemummelte Gestalten dösen in kleinen Nischen vor sich hin oder beleben sich mit einer Tasse Schwarztee.

Ein Labyrinth aus Gassen

Alle verwinkelten Straßen zusammen gezählt, ist der Suq elf Kilometer lang. Es riecht betörend. Düfte von Kardamom, Pfeffer, Minze, Kamille, Rosenöl und Olivenseifen durchströmen die Nase. Mahmood ist Gewürzhändler im Suq. Er betreibt das Geschäft in der dritten Generation. „Jeden Tag habe ich zwölf Stunden lang geöffnet“, berichtet er: „Die meisten Kunden sind Einheimische, aber auch der eine oder andere Tourist nimmt schon mal ein Stück Olivenseife mit nach Hause.“ In seinem wenige Quadratmeter großen Verkaufsraum bietet er neben Gewürzen und Tees pflanzliche Kosmetik und Arzneimittel an. Aufdringlich ist keiner der Händler. Man kann ganz unbekümmert durch das Labyrinth von Gassen schlendern.

Aleppo, die über 5000 Jahre alte Stadt, war immer ein Zentrum des Handels. Sie liegt am Schnittpunkt uralter Karawanenwege und war Haltepunkt der zwischen 1904 und 1940 errichteten Bagdad-Bahn, die von Konstantinopel (heute Istanbul) bis Bagdad verlief. Die Altstadt, die zum Weltkulturerbe der Unesco zählt, wird seit den 1990er-Jahren mit Hilfe der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) restauriert.

Wer in einem Boutique-Hotel, einem umgebauten Mehrfamilienbürgerhaus im christlichen Viertel, übernachtet, ist sofort mittendrin in der Welt der Düfte und Farben. Der Basar ist nur wenige Schritte entfernt.

Zum Pflichtprogramm gehört auch die mächtige Zitadelle, die über der Altstadt thront. Der Panorama-Blick über die Metropole entschädigt für den steilen Aufstieg bei dreißig Grad im Schatten. Die Luft flirrt. Von überall her schallt der Gesang der Muezzine, die die Gläubigen zum Gebet rufen. Auch die Omaijaden-Moschee, einem Ort der Toleranz und Herzlichkeit, an dem sich Muslime und Andersgläubige drängen, sollte man nicht auslassen. Von der Dachterrasse des Restaurants „Martini Dar Zarmaria“ kann man dem nächtlichen Treiben in den Altstadtgassen zusehen und den Blick auf die beleuchtete Zitadelle genießen.

Ruinen des Simeons-Klosters

Etwa eine Autostunde von Aleppos Zentrum entfernt, befindet sich das Simeons-Kloster. Auf einem mit Oliven, Eukalyptus und Zypressen bewachsenen Plateau ruhen seine Ruinen. Dort soll der Säulenheilige Simeon vor mehr als 1500 Jahren viele Jahrzehnte lang von einer 18 Meter hohen Säule gepredigt haben. Heute ist nur noch ein Stumpf der Säule zu sehen.

Allein bei der Vorstellung, mehrere Jahrzehnte auf einer Säule zu verbringen, sehnt sich mancher Besucher ganz schnell noch einmal zurück in den entspannenden Hammam.

Von Dagmar Krappe

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