Costa Rica: Bei einem Ausritt am Rio Nosara lernen Urlauber ein Urwaldparadies kennen

Mit einem PS im Dschungel

Beate Klossek hält ihren Hengst Adonis einen Moment lang zurück, um den Blick über das bewaldete Ufer des Rio Nosara schweifen zu lassen. „Manchmal verbergen sich dort Krokodile“, sagt die 49-Jährige, bevor sie langsam durch das flache Wasser des Urwaldflusses reitet.

Die deutsche Auswanderin kennt sich am Rio Nosara sehr gut aus: Denn sie betreibt dort, an der nördlichen Pazifikküste Costa Ricas, seit dem Jahr 2002 einen Reitstall mit acht Pferden. „Das könnte ich mir in Deutschland gar nicht leisten“, gesteht die ehemalige Bahnassistentin bei einem dreieinhalbstündigen Ausritt in den Dschungel.

Jeden Tag führt Beate Klossek einige Reiter durch den schwülwarmen Tropenwald Nosaras. Sie zeigt ihnen die Ceiba- und Kautschukbäume, Würgefeigen, Orchideen und Bromelien. Meistens lassen sich sogar Brüllaffen in den Bäumen beobachten.

„Hier fühlen sich mehr als 270 verschiedene Vögel zuhause – vom braunen Pelikan bis zum Elfenbeinsittich“, schwärmt sie am Rande der Nosara Biological Reserve. Das 35 Hektar große Waldschutzgebiet am Rio Nosara wird von sanften Hügeln, Mangroven und einem Strand flankiert. Mehrere Pfade laden dort zu einer Erkundung des Urwaldes ein.

„Seht ihr die blühende Bromelie dort oben auf dem Ast?“, fragt die Reitführerin unterwegs. „Das ist eine Aufsitzerpflanze, die ohne Bodenkontakt in der Baumkrone lebt. Ihre Samen werden durch Vogelkot verbreitet und keimen darin“, erklärt sie auf dem Weg zur Playa Nosara. Der kilometerlange Pazifikstrand liegt menschenleer und unberührt an der Küste Costa Ricas.

Gleichgewicht von Natur und Besiedelung

„An manchen Abenden glüht hier der ganze Himmel in leuchtendem Orange“, berichtet Beate Klossek beim Ritt über den dunklen Sand. Die Playa Nosara gehört zum Ostional Wildlife Refuge – einem 15 Kilometer langen Küstenschutzgebiet, in dem jährlich Tausende von Meeresschildkröten ihre Eier ablegen. Von Juli bis Dezember lassen sich die meisten Tiere am Strand der nördlich angrenzenden Playa Ostional beobachten.

Aber auch die südlich des Rio Nosara liegende Playa Guiones ist geschützt: Das sechs Kilometer lange Pazifikufer verwöhnt Surfer ganzjährig mit hohen Brandungswellen. Die benachbarte Playa Pelada ist als Badestrand beliebt. Und im angrenzenden Küstenwald verbergen sich mehrere Cafés, Restaurants, Surfschulen und Pensionen. Ihre niedrigen Gebäude sind vom Strand aus nicht zu sehen. „Eine Bürgervereinigung sorgt hier seit Jahren für das Gleichgewicht von Natur und Besiedlung“, erklärt Beate Klossek vor einem langen Galopp am Strand.

Im sechs Kilometer entfernten Urwalddorf Nosara gibt es nicht einmal geteerte Straßen. Ganz verschlafen wirkt der Ort – trotz Einkaufszentrum, Diskothek und Flugpiste.

„Reich werde ich hier nicht“, sagt Beate Klossek lächelnd. „Aber ich bin glücklich und zufrieden.“

Von Martin Seger

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