Ein Streifzug durch Leitmeritze und das „Böhmische Paradies“ lohnt sich – ob zu Fuß, per Bahn oder Schiff

Einfach böhmisch, diese Dörfer

Treppauf, treppab: Zwischen Oberstadt und Unterstadt von Leitmeritz blicken Besucher auf den Dom (Stephanskathedrale), das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt. Foto: Steimle

Im glatten aufgestauten Elbwasser spiegelt sich der Leitmeritzer Hausberg Lobosch wieder. Im Westen des „Böhmischen Paradieses“ steht die Sonne zwischen hohen Uferbäumen, gegenüber ragt der Domturm in den Abendhimmel. Rechter Hand am Brückenkopf wacht die barocke Jesuitenkirche über alles. Dornröschengärten, Stiegen, enge Gassen ziehen sich hinauf zum Balkon der Stadt mit Theater, Residenz, dem Bischofssitz und, auf dem höchsten Punkt, der Stephanskathedrale mit einer unverwechselbaren Silhouette, die in den letzten Jahren frischen Glanz bekommen hat.

26 000 Menschen leben in der Stadt, die auf Tschechisch Litomerice heißt, ein kleines Oberzentrum in Nordböhmen, wo die Eger in die Elbe mündet. Welchen Weg man dort von der Flussseite aus auch einschlägt, ob direkt in die engen Gassen oder unten an der Elbinsel entlang, früher oder später wird man auf dem großen Marktplatz landen. Es ist einer der weitläufigsten in Böhmen, das Wohnzimmer von Leitmeritz. Dort reihen sich Häuser aus Gotik, Renaissance, Barock und Jugendstil in einem vielversprechenden Mix aneinander, aufpoliert, verspielt, fast liebevoll chaotisch und doch ein großes Ganzes gebend.

Ein Wahrzeichen der Stadt ist der pompöse Kelch auf dem Dach des Bürgermeisterhauses, der bestiegen werden kann und einen schönen Rundblick bietet: auf den weißen Stadtturm in der Ecke mit der Dekanalkirche, gegenüber das Renaissance-Rathaus von 1536, das älteste in Böhmen, und in der Platzmitte die Pestsäule mit den beiden Marktbrunnen.

Jenseits des Mauergürtels liegt die „Neustadt“ aus der Kaiserzeit: Nach Wiener Vorbild entstand eine Ringstraße mit Prachtbauten der Donaumonarchie, darunter Post, Kreisamt und Gericht. Bergan, im nächsten „Zwiebelring“, scharen sich die stolzen Stadthäuser und noblen Villen, ebenfalls geprägt von Wiener Secession und Gründerzeit.

Unterwegs mit der Eisenbahn

Die Nebenbahn nach Ceska Lípa (Böhmisch Leipa) schließt das alte Leitmeritz nach Osten ab. Nicht nur wer Eisenbahnromantik mag, kann von hier mit dem Schienenbus zu einer kleinen Tour durch „Böhmens Hain und Flur“ aufbrechen. Das Örtchen Ploskovice (Ploschkowitz) mit dem kaiserlichen Sommerschloss lockt schon nach der ersten Haltstation zu einem Zwischenstopp: Um 1720 wurde die dreiflügelige Anlage mit ihrem Park vom Leitmeritzer Barockbaumeister Octavio Broggio erbaut. Während das nächste Schlösschen auf der Strecke, Libesice (Libeschitz), noch auf einen Prinzen wartet, überrascht das Städtchen Ustek (Auscha) mit einem Ortskern aus dem Mittelalter. Rechts und links des ansteigenden Marktplatzes, der von einem schmucken Kirchlein abgeschlossen wird, reihen sich kleine Giebelhäuser im Stil der Gotik und Renaissance.

Fruchtbar und reich ist das „Böhmische Paradies“, wo die Elbe auf die Berge trifft, Weinbau prägt die Südlagen, vulkanischer Basalt sorgt für den Ertrag der Böden. Wiesen, Wälder, Hopfenanbau und vor allem Abertausende von Streuobstbäumen ziehen sich bis weit hinein ins Mittelgebirge und tauchen die Höhenzüge im Frühjahr und im Herbst in verschwenderische Farbenpracht.

Böhmische Dörfer wollen hier erkundet werden: die kleinen und versteckten, wo die Zeit ein bisschen stehen geblieben ist, genau so wie die stolzen mit Burg, Kirche oder gepflegtem Landhotel.

Weite Blicke in das Land kann man sich auch erwandern, etwa bei einem Streifzug über die Elbhöhen bei Kamyk (Kamaik), auf den Lóvos (Lobosch), auf die Hazmburk (Hasenburg) bei Libochovice (im Städtchen steht ein sehenswertes Schloss mit Landschaftspark) oder auf den 836 Meter hohen Milleschauer (Milesovka), dem höchsten Gipfel des Gebirges.

Von Lothar Steimle

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