Malerische Städte im Nordosten Andalusiens: Auf Entdeckungstour zwischen Córdoba und Granada

Eintauchen in die Renaissance

Lichtermeer: Von der Parador-Burg aus hat man einen tollen Blick auf die Stadt Jaén; dort ist eine der schönsten Renaissancekirche Andalusiens zu sehen.

Die meisten Reisenden lassen sie links liegen auf dem Weg zu den berühmten Touristenmagneten Córdoba und Granada: die Kleinstädte Baeza und Ubeda. Und dies, obwohl auch sie seit 2003 zum Weltkulturerbe gehören.

Heißgeliebte Region

Die Andalusierin Carmen Segovia, die in Köln Deutsch gelernt hat, führt gern durch ihre heißgeliebte Region. Im Minibus rollen wir mit ihr auf der Autobahn durch die Pro-vinz Jaén. Links und rechts, soweit das Auge reicht, endlose Olivenplantagen, die sich über die sanften Hügel ziehen. Laut Carmen das größte Anbaugebiet der Welt. Zigtausend Ölbäume warten, schnurgerade in regelmäßigen Abständen aufgereiht, auf die Rüttelmaschinen zur Erntezeit im Winter. Vor der schroff aufsteigenden Sierra de Jabalcuz kommt die „Olivenhauptstadt“ Jaén in Sicht.

Von weitem schon sieht man das über der weißen Stadt thronende monumentale Castillo de Santa Catalina aus dem 13. Jahrhundert. Die hochragenden Wehrtürme aus maurischer Zeit dominieren den cerro, den Burgberg.

Im Zentrum von Jaén steht eine der schönsten Renaissancekirche Andalusiens. Die reich mit Figuren geschmückte Fassade der riesigen Kathedrale leuchtet in der Abendsonne. Etwas abseits öffnet sich das ara-bisch enge Gassengewirr zu einem Platz, auf dem der prunkvolle Palacio de Villardompardo aus dem 16. Jahrhundert steht. Carmen verrät uns das unterirdische Geheimnis dieser Palastes, das erst vor hundert Jahren entdeckt wurde: arabische Badeanlagen aus dem 11. Jahrhundert, die größten in Spanien.

Einmalige Stadtbilder

Nur gut 50 Kilometer nordöstlich von Jaén liegen Baeza und gleich nebenan Ubeda. In den beiden Kleinstädten tauchen wir voll in die Renaissance ein, schwärmt unsere Andalusierin. Beide Orte hatten im 16. Jahrhundert eine wichtige Funktion auf der Handelsroute an der Grenze zu Kastilien.

Hoch über dem Tal des Guadalquivir liegt das 16000-Einwohner-Städtchen Baeza. Die von historischen Bauten umrahmte Plaza del Pópulo mit ihrem römischen Löwenbrunnen ist das Schmuckstück der Stadt. Den Reichtum jener Zeit verrät allein schon die Fleischhalle, ein aufwendiger Renaissancebau mit Galerie und großem Wappen von Kaiser Karl V. an der Fassade. Viel größer ist gleich nebenan der Paseo de la Constitución, der lang gestreckte, von Arkaden gesäumte zentrale Platz, wo sich alle treffen.

Im acht Kilometer entfernten Renaissancestädtchen Ubeda gibt es einen Ort, wo Einheimische besonders gern ihr Süßgebäck kaufen. Es ist das Kloster Santa Clara. der Pforte drückt Carmen einen Klingelknopf, grüßt die hinter der Drehlade nicht sichtbare Schwester wie hier üblich mit „Ave Maria Purissima“ und verlangt sechs „Roscos de S. Clara“. Sie legt das Geld auf die Drehlade und bekommt wenig später auf demselben Weg dieses typisch andalusische Dessertgebäck: in Olivenöl ausgebackene Anis-Kringel. Wir probieren und genießen.

Kühle Eleganz

Das ruhige Städtchen Ubeda ähnelt Baeza in Anlage und Stil, übertrifft es aber in Zahl und Pracht der Paläste und Kirchen. Am eindrucksvollsten zeigt sich die einstige Macht und Größe des Adels auf der Plaza de Vázques de Molina. Ein Renaissancebau von kühler Eleganz ist auf dem Molina-Platz der zweistöckige Palacio del Deán Ortega. Er beherbergt heute einen Parador mit luxuriösen Innenräumen und einem Restaurant mit regionalen Spezialitäten.

Auf der Speisekarte finden sich geschmortes Zicklein mit Pinienkernen und mit Rebhuhn gefüllte grüne Paprika. Für eine Rast empfiehlt Carmen den mit Palmen und Kübelpflanzen begrünten atmo-sphärischen Patio des Hotels. Dort, im kühlen Innenhof, sitzen wir an Bistrotischen, gönnen uns einen Granatapfelsalat mit Anis und trinken dazu einen Torreperogil, einen spritzigen Landwein der Region.

So lässt sich das Lebensgefühl der Renaissance-Adeligen genussvoll ein wenig nachvollziehen.

Von Norbert Linz

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