Familienferien auf dem Peloponnes

Endlich Zeit

Einfach einmal tun, wozu man Lust hat: Jakob (6), Nora (9) und Tim (12) genießen die ungezwungenen Ferien in Stoupa auf dem Peloponnes. Fotos: Amme

Wunderbar“, stellt mein Mann Micha zufrieden fest und wendet seinen Blick vom Thermometer, „24 Grad.“ Wir sinken auf das Sofa, das auf der Terrasse steht, eine hauchzarte Brise streicht über die Haut. Es ist kurz vor Mitternacht. Der Duft des rosa blühenden Oleanders wabert durch die Luft, vermischt sich mit Rosmarin und einem Hauch von Weihrauch. „Warum waren wir eigentlich seit Jahren nicht mehr hier?“ fragt Micha.

Vielleicht, weil Griechenland so weit entfernt liegt. Vielleicht, weil wir nicht fliegen und in der Ferne ohne Auto sein wollten. Vielleicht, weil wir nicht ahnten, wie schön es ist, mit der Fähre zu fahren. Von Venedig nach Patras in eineinhalb Tagen. Hin und wieder die Küste in Sicht, ansonsten nichts als Meer und jede Menge Zeit – zum Lesen und Uno spielen und für viele, viele Sprünge in den Meerwasserpool auf dem Sonnendeck.

Wir haben uns in einem Ferienhäuschen am Hang und mit Blick aufs Meer einquartiert, sehen das Land hier und da arielweiß und sandig ins Meer gleiten, können Kalamata, das quirlige Zentrum des Peloponnes, im milchigen Morgendunst erahnen. Dahinter fruchtbares, grünes Land. Und überall kleine Buchten, Dörfer, Kirchen. „Vielleicht fahren wir sogar nach Olympia“, sage ich zu Nora (9) und Jakob (6), während sie versuchen, eine griechische Riesenheuschrecke zu fangen. Vielleicht tun wir aber auch nichts außer faulenzen, füge ich im Stillen an.

Kirchen im Spielzeugformat

Der Peloponnes ist ein Morgenmuffel, stellen wir bald fest. Vor elf schlafen die kleinen Dörfer noch, da kläffen nur ein paar Hunde, und alte Frauen in schwarzen Blusen und dunklen, knielangen Röcken schlurfen durch die Wärme, tragen Kerzen zu den kleinen Gebetsstätten, die an jeder Wegbiegung stehen und wie Kirchen im Spielzeugformat aussehen. Erst gegen Mittag wacht das Leben auf, füllen sich die Strände ein wenig.

Nur ein paar Kilometer entfernt von unserem Feriendomizil liegt der kleine Ort Stoupa im Halbrund um eine postkartenschöne Bucht herum. Die kleinen Häuser schauen alle aufs Meer, in erster Reihe ein paar Tavernen und Cafes. „Du glaubst nicht, wie viele Fische es hier gibt“, begeistern sich Tim und Nora, als sie vom Schnorcheln zurückkehren. Das türkisblaue Wasser des Ionischen Meeres schwappt badewannenwarm um meine Füße, Fische stieben auseinander.

In Stoupa könnte man Tage bleiben oder Wochen. Ein kleiner Ort, typisch griechisch, dazu eine Taverne ganz nach unserem Geschmack. Ein Strand wie aus einem Urlaubsprospekt, an dem man mit den Kindern Backgammon oder Beachball spielen kann. Und ein kleiner Hafen, an dem man abends sitzen und seine Gedanken auf Reisen schicken kann.

Olympia oder faulenzen?

„Vielleicht sollten wir mal einen kulturellen Programmpunkt einstreuen?“, frage ich nach ein paar Tagen. Wir könnten Olympia ansteuern, den Ort, der tausend Jahre lang Austragungsort der Olympiade war. „Ruinen?“, fragen Tim, Nora und Jakob und legen ihre Nasen missbilligend in Falten. Ich gebe leichten Herzens nach. Strecke meine Füße im Sand aus. Und schlage stattdessen immer mal wieder einen griechischen Ort vor. Agios Nikólaos zum Beispiel. Grob gepflasterte Gassen führen hinunter zum Meer, vorbei an handgeknüpften Teppichen, griechischem Schmuck, Orangen und Melonen.

„Wisst ihr, dass die Kinder hier im Sommer drei Monate Ferien haben?“, frage ich am letzten Abend in die Runde. „Dann ziehen wir hierher“, fordert Jakob, „hier ist es sowieso viel schöner als zu Hause.“ . Ja, vielleicht sollten wir hierher ziehen, denke ich still, hier ist der Himmel jeden Morgen blau poliert, hier wachsen Orangen, Feigen, Mandeln. Und vor allem: Hier haben wir endlich mal Zeit im Überfluss.

Von Karen Amme

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