Das Land der Royals

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Royale Pause: In den Grafschaften rund um London können viele Ziele mit einem Bezug zum Königshaus besichtigt werden.

Alle Welt schaut am 29. April nach London, wo sich Kate und William das Jawort geben. Das Land der Royals aber zieht sich weit über die Stadtgrenzen hinaus in die Grafschaften Berkshire, Surrey und Kent.

Unsere Autorin Katrin Basaran reiste auf königlichen Spuren zu Traumschlössern und Paradiesgärten.

Blühende Gärten in Kent: In Hever Castle wuchs anne Boleyn bis 1513 auf.

Hoch zu Ross kam er daher, aristokratisch aufrecht sitzend, im schmucken Reitdress. Die Morgensonne blendete Amanda Bryett etwas, so dass sie den Reiter, der da durch den Royal Garden in Windsor trabte, nicht sofort erkannte. Ihr Hund, ein Cockerspaniel, schien dagegen gleich zu ahnen, wer da seine Gassirunde kreuzte: Er blieb stehen, setzte sich voller Respekt. Der Reiter hielt an – und Amanda blieb fast das Herz stehen. Es war Prinz Philipp höchstpersönlich! „Er begann tatsächlich ein Gespräch – aber nicht mit mir!“, erzählt die schlanke Brünette, die seit 15 Jahren als Stadtführerin in Windsor arbeitet, schmunzelnd. „Prinz Philipp beugte sich zu meinem Hund herab und sagte in seiner trockenen Art: ,Na, du bist aber ein ganz Braver!‘“

Es sind Anekdoten wie diese, die einen Rundgang durch Windsor mit Amanda so unterhaltsam machen. Seit mehr als 20 Jahren wohnt die 48-Jährige in der schmucken 28 300-Einwohner- StadtinderGrafschaft Berkshire, die zugleich „Home of Her Majesty“, also Heimat Ihrer Majestät ist. „In den letzten fünf Jahren ist die Queen immer öfter hier“, sagt Amanda und zeigt auf die englische Flagge, die über Schloss Windsor weht und damit die Anwesenheit von Queen Elizabeth verkündet.

Dann verrät sie noch den neuesten Klatsch: Elizabeth warte derzeit auf eine Knieoperation, die ihr endlich auch das Reiten wieder möglich machen soll. „Man kann die Queen tatsächlich oft in Windsor treffen.“ Meist im grünen Jaguar, den sie gern mal stoppt, um sich mit den Untertanen zu unterhalten. Oder in einer kleinen zweispännigen Kutsche. Dann sollte man den stregen Regeln der Hofetikette entsprechend die Augen sittsam gen Boden richten, einen kleinen Knicks machen und sie korrekt mit „Her Majesty, Ma’m“ ansprechen, empfiehlt Amanda.

über 20 Jahren in Wondsor lebt, hat die Agentur Windsor Tourist guides gegründet und bietet führungen in Windsor und eton an. Kontakt: Tel. 00 44/17 53/ 85 05 80 oder im Internet unter www.windsortouristguides. co.uk.

Windsor Castle, das gewaltig über der Stadt thront, ist ohne Zweifel die Sehenswürdigkeit, welche die meisten Touristen anzieht. Nirgends kommt man den Royals so nah, Besichtigungen sind möglich. Hinter einem Zaun kann man den Eingang zu den Privatgemächern erspähen. „Die Queen mag es gern, gemütlich am Kamin zu sitzen, dann steigt Rauch auf“, erzählt Amanda, bevor sie uns in jenen Saal führt, in dem Prinz William im Jahr 2003 seinen 21. Geburtstag mit einer wilden Dschungelparty feierte. „Wenn Sie hier einen Rembrandt oder Rubens sehen, dann sind das Originale. Alles hier ist original und wird auch noch benutzt“, erklärt einer der 300 Museumsaufseher in blauer Livree voller Stolz.

Aufmerksame Royal-Fans und treue Leser der Regenbogenpostillen erkennen sicher das eine oder andere Detail im Innern des prachtvollen Schlosses wieder: wie den Bankettsaal, in dem die Queen ihre Empfänge gibt. Dann wird eine 160 Meter lange Tafel zusammengestellt. Ein Platz an ihr ist hoch begehrt: „Wenn du hier bist, bist du wichtig“, raunt der Wärter noch, bevor man von den Besuchermassen weitergeschoben wird. Windsor hat außerhalb der Schlossmauern noch mehr Royales zu bieten: Das Standesamt etwa, in dem Prinz Charles seiner Camilla am 9. April 2005 das Jawort gab – übrigens taten dies hier auch Elton John und David Furnish. Des Weiteren gibt es den für die Öffentlichkeit geöffneten weitläufigen Royal Garden sowie den sehenswerten historischen Bahnhof, in dem Reisende aus London ankommen. Er wurde im 19. Jahrhundert von einem privaten Eisenbahnunternehmen gebaut, um Queen Victoria die Möglichkeit zu geben, bequem per Zug nach Windsor zu fahren.

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Grafschaft Berkshire: Bei Kate daheim

Auf der anderen Seite der Themse, nur wenige Minuten Fußmarsch entfernt, liegt die Stadt Eton. Im gleichnamigen Elite-College drückten Prinz William und sein Bruder Harry auf Lady Dianas Wunsch hin die Schulbank – gegen eine Gebühr von 30 000 Pfund pro Jahr (rund 34 000 Euro). „Unser Premier David Cameron und 18 weitere Premierminister übrigens auch“, fügt Amanda hinzu. Wer durch Eton wandert, ist fasziniert vom typischen englischen Baustil: Backsteinhäuser mit hohen Schornsteinen und sauberen weiß eingefassten Fenstern. Windsor dagegen hat ein weit weniger steifes Stadtzentrum mit liebevoll gestalteten, oftmals recht bunten Pubs, Cafés und Shops.„DahatWilliamgewohnt“, sagt Amanda bei unserem Rundgang durch Eton und zeigt auf ein eher unauffälliges zweistöckiges Backsteinhaus. Rund um Eton herum, dessen Zentrum fast nur aus dem College zu bestehen scheint, liegen sattgrüne Wiesen, auf denen Teenager Rugby spielen, während Reiter gemächlich unter blühenden Kirschbäumen dahintraben. Überhaupt: Briten lieben die Natur. In Savill Garden, nur sechs Kilometer von Windsor Castle entfernt, wird dies wieder deutlich: Familien mit Kind und Kegel tummeln sich entspannt in dieser großzügigen Parkanlage, die einheimische Pflanzen gekonnt mit Exoten kombiniert – ein besonders auffälliges Exemplar letzterer ist die Stinktier-Pflanze, die ihren Namen wahrlich zu recht trägt. Oberster „Ranger“ dieses Parks ist übrigens Prinz Philipp.

Liebhabern einer Kombination aus Naturerlebnis und englischer Geschichte sei noch ein Abstecher nach Kent empfohlen: Im Dorf Hever, eingebettet in eine sanfte Hügellandschaft, liegt Hever Castle. In dem kleinen Schloss mit Park, Irrgarten und See (einst von 800 Männern per Hand ausgeschaufelt) wuchs Anne Boleyn auf. Jene Frau, die Heinrich VIII. erst den Kopf verdrehte und ihren später durch den Henker verlor. Ein weiteres Ziel auf der royalen Rundreise findet man in der Grafschaft Surrey, in Great Bookham. Dort steht Polesdan Lacey, ein romantisches Herrenhaus aus der Regency-Zeit. Auch hier ist der Besucher den Royals ganz nah: Queen Mum und George VI. verbrachten hier nach ihrer Trauung am 26. April 1923 in der Westminster Abbey unbeschwerte Flitterwochen, als sie noch nicht wussten, dass sie dereinst Englands Thron besteigen würden … Wohin die Hochzeitsreise von Kate und William geht, steht noch nicht fest. Die Gerüchteküche nennt zwei Ziele: die Isles of Scilly am südwestlichsten Zipfel Englands oder Neuseeland.

REISE-INFOS FÜRR ENGLAND

REISEZIEL England ist der größte (130 000 Quadratkilometer) und am dichtest besiedelte (rund 50 Millionen Einwohner) Teil im United Kingdom. Größte Stadt ist London mit über sieben Millionen Einwohnern. Bereist hat die Autorin die Grafschaften Berkshire, Eurrey und Kent.

ANREISE Von München aus gibt es täglich mehrere Flugverbindungen nach London zu den Flughäfen City, Gatwick, Heathrow und Stansted. Für Reisen in den Süden und Westen empfiehlt sich der Flughafen Heathrow, der am westlichen Stadtrand Londons liegt.

RUNDFAHRT Bei Dertour kann die siebentägige Busrundreise „Gärten und historische Bauwerke Südenglands“ gebucht werden. Dabei werden u.a. Windsor Castle, Sissinghurst Castle und Leeds Castle besucht. Preis ab/bis London: ab 866 Euro mit Ü/F (pro Person im DZ). Im Reisebüro.

SEHENSWERT WINDSOR CASTLE: Geöffnet März bis Oktober täglich von 9.45 Uhr bis 17.15 Uhr, November bis Februar täglich bis 16.15 Uhr. Eintritt: 16.50 Pfund (rund 18,50 Euro). Ticketbestellung unter Tel. 00 44/20/77 66 73 00 oder www.royalcollection. org.uk.

HEVER CASTLE: geöffnet Februar bis 24. Dezember täglich ab 12 Uhr (Gärten ab 10.30 Uhr). Eintritt: Schloss und Garten 11,50 Pfund (rund 13 Euro). Infos unter Tel. 00 44/17 32/86 17 01 oder www.hevercastle.co.uk.

POLESDEN LACEY: geöffnet März bis Oktober von Mi. bis So. 11 Uhr bis 17 Uhr, November bis Februar Sa. und So. von 11 Uhr bis 16 Uhr. Eintritt: 12 Pfund (rund 13,50 Euro). Infos unter Tel. 00 44/13 72/45 82 03, Mail: polesdenlacey@nationaltrust. org.uk.

REISETYP Für Fans der Königsfamilie von einst und heute sowie Liebhaber englischer Gartenkultur.

AUSKUNFT Das britische Fremdenverkehrsamt Visit Britain ist nur übers Internet erreichbar: www.visitbritain.de.

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