Herausgeputzt zum 250. Geburtstag: Die Eremitage in St. Petersburg glänzt wie nie zuvor

Prunkvoller Rückzugsort

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Wer im Winter kommt, steht nicht so lange in der Schlange: In der Eremitage sind 65 000 Ausstellungsstücke zu sehen. Allein die Räume lohnen einen Besuch – nicht nur, weil es hier im Winter schön warm ist.

Herausgeputzt zum 250. Geburtstag: Die Eremitage in St. Petersburg glänzt wie nie zuvor.

Es ist ein Wintervormittag, wie er typisch ist für St. Petersburg: Ein fahles Tageslicht quält sich gegen halb elf durch die dichte Wolkendecke, aber vom Schnee, der in der Luft liegt, ist noch nichts zu sehen. Am Westeingang der Eremitage, parallel zur Newa, hat sich eine lange Schlange gebildet. Die Menschen stehen an, um eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt zu sehen.

In diesen Tagen dauert es selten mehr als zwanzig Minuten, bis die Besucher die Sicherheitskontrollen überstanden haben und den Atem anhalten im wohl prächtigsten Treppenhaus, das Russland zu bieten hat. Sie haben gelesen und Bilder gesehen, die Reiseleiterin hat sie womöglich schon im Bus vorbereitet. Aber vor Ort, zum Beispiel auf der Paradetreppe, will dann doch so viel Gold, soviel Glanz, soviel Schönheit auf einmal „verdaut“ werden.

Was für ein Palast, was für ein Gesamtkunstwerk, verteilt auf über tausend Zimmer, auf unzählige und unschätzbare Kunstwerke aus nahezu allen Epochen der Weltgeschichte. Selbst wer einen ganzen Tag durch die Säle und Korridore streift, wird höchstens eine Ahnung von der schier unglaublichen Vielfalt bekommen.

Keine Sonderausstellungen

Der 250. Geburtstag der Eremitage, den St Petersburg für dieses Jahr ausgerufen hat, ist mehr oder weniger ein künstliches Datum. Vielleicht stehen deshalb keine nennenswerten Sonderaustellungen auf dem Programm. Ursprung der mächtigen Anlage ist der Winterpalast im Herzen des imperialen St. Petersburgs. Er wurde von Zarin Elisabeth beim italienischen Hofarchitekten Rastrelli in Auftrag gegeben und zwischen 1754 und 1762 errichtet. Das Gebäude, das als erstes den heute weltberühmten Namen Eremitage führte, war das Refugium, der Rückzugsort, die Einsiedelei der Zarin Katharina II., der Großen. Baubeginn dieser seit Anfang an so genannten „Kleine Eremitage“ war im Jahr 1764 – und auf dieses Jahr führen die Stadtväter nun das Jubiläum zurück.

Herausragende Sehenswürdigkeiten in der Kleinen Eremitage, deren klassizistische Fassade aufs Feinste mit der Barockfront des Winterpalastes harmonisiert, sind die Galerien entlang der „Hängenden Gärten“ zwischen den privaten Gemächern der Zarin und jenem Pavillon, den sie dem Grafen Orlow, einem ihrer vielen Günstlinge, einrichtete. Porträts der Romanow-Dynastie, Bilder aus dem alten Petersburg und Gemälde niederländischer Meister des 15. und 16. Jahrhunderts schmücken die Säle und Kabinette der Kleinen Eremitage. Weil die Sammlungen der Zaren immer größer wurden, ließ Nikolaus I. den bayerischen Baumeister Leo von Klenze um die Mitte des 19. Jahrhunderts zusätzlich die Neue Eremitage bauen.

Impressionen aus St. Petersburg

Impressionen aus St. Petersburg

Müde vom Schauen und Laufen gönnen sich viele Besucher in der Cafeteria einen russischen Pausensnack, zum Beispiel eine mit Kaninchen gefüllt Pirogge. Oder man setzt sich ins traditionsreiche Grandhotel Europe nahe des Newski-Prospekts, wo schon die Romanows und Rasputin, Gorki und Tschaikowski den Tee eingenommen haben. Dort summt der Samowar, alte Herren spielen Schach, junge Pärchen wärmen sich bei einem Soljanka-Süppchen auf. Und draußen beginnt es plötzlich zu schneien.

Service: St. Petersburg und die Eremitage

Anreise:  Nonstop z.B. mit Air Berlin ab Berlin oder mit Lufthansa ab Frankfurt.

Reiseveranstalter:  Ein vielfältiges Angebot an Pauschalreisen mit kundiger Leitung vor Ort hat zum Beispiel Studiosus-Reisen in München, T 0 89 / 50 06 00, nächste Termine im März und April, fünf Tage ab ca. 1000 Euro pro Person, www.studiosus.com

Übernachten:  Stadthotel in idealer Lage: Petro Palace, www.petropalacehotel.com

Nicht verpassen: Zumindest auf einen Tee oder Kaffe oder ein stilvolles Abendessen sollte man eines der traditionsreichen Luxushotels besuchen: z.B. das Astoria (gegenüber der Isaaks-Kathedrale, www.thehotelastoria.com,) oder das legendäre Grandhotel Europe am Prachtboulevard Newski-Prospekt, www.grandhoteleurope.com.

Reiseführer:  Dumont-Taschenbuch „St. Petersburg“, 16,99 Euro; Internet: www.visit-petersburg.com www.petersburger.info

Von Bernd Schiller

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