Auf den Liparischen Inseln frönt die Zeit dem Müßiggang

Fauchender Riese im Meer

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Trauminseln im blauen Meer: Die Liparischen Inseln liegt weit ab von den großen Touristenströmen. Hier geben die grandiose Natur und italienische Lebensfreude den Ton an.

Wir fahren immer“, verspricht Lorenzo. Das gelte aber nur, wenn Wind und Wellen die Schiffe von Lipari zu den benachbarten sizilianischen Inseln durchlassen, rudert er zurück. Weil von Frühjahr bis Herbst eine leichte Brise weht, kommen Lorenzo und seine Gäste meistens ans Ziel.

Auf den Liparischen Inseln frönt die Zeit dem Müßiggang. Inmitten einer prächtigen Naturkulisse aus Vulkan, Meer und Pflanzen beschränkt sich Liparis Nachtleben auf wenige Musikbars. Kein Glamour – dafür einsame tief liegende Kies-strände, die mit einem Boot oder mit dem Geschick einer Bergziege über Kletterpfade erreichbar sind: Verwunschene Winkel voll herber Schönheit die Erika, Rosmarin und Myrte mit ihren Düften erfüllen und die entdeckt und erwandert sein wollen.

Schönster Ausgangspunkt, das hügelige Lipari-Stadt zu erkunden, ist der kleine Hafen Martina Corta. Vom Hafen steigen Gassen zur Festung hinauf. Liebhaber hoher Kochkünste kehren am Fuße der Anlage im Ristorante „Filippino“ ein. Die täglich wechselnde Speisekarte orientiert sich an der nächtlichen Ausbeute der Fischer. Freilich, die stolzen Preise für die kulinarischen Extravaganzen und das stilvolle mediterrane Ambiente passen sich dem Niveau dieses Traditionsrestaurants an.

„Kennt Ihr den heißesten Platz der Liparischen Inseln?“, fragen die Juniorchefs des Lokals. Antonio und Odette lächeln vielsagend: „Der befindet sich auf dem Meer, über dem ständig aktiven Vulkan-krater des Stromboli.“ Antonio sei mit ihr im Helikopter in den Himmel geflogen. Dort habe er ihr über dem brodelnden Feuerschlund den bestimmt feurigsten Heiratsantrag auf den Liparischen Inseln gemacht, lächelt die 34-Jährige. Das sei dramatisch und so kitschig schön gewe-sen wie in einem Liebesfilm.

Wer dem fauchenden Berg auf der gleichnamigen Insel „Auge in Auge“ gegenüber stehen möchte, schließt sich ei-ner Bergtour über steile Pfade an. Doch der Aufstieg sei kein Spaziergang, warnt Antonio. Weniger trittfesten Entdeckern empfiehlt er eine Schif-fahrt zur Feuerstraße „Sciara del Fuoco“. Dabei sollten Passagiere Versprechen wie „der Vulkan arbeitet immer“ nicht missdeuten. Zwar verrichtet der Stromboli als „Leuchtturm“ im Mittelmeer einen wichtigen Job, beim Feuerspucken gönnt sich der Riese aber Pausen – oder dicke graue Wolken über dem Gipfel verschlucken seine leuchtende Glut.

Aber wenn er Feuer spuckt, dann gewaltig: So wie 1950 in Rossellinis Melodram „Stromboli“, das Ingrid Bergmann weltberühmt machte und im richtigen Leben mit dem Regisseur eine skandalumwitterte Affäre eingehen ließ. Ein Schild an dem restaurierten Liebesnest in der Via Vittorio Emanuele erinnert an den Film. Ist einmal kein Feuer-werk über dem 2400 Meter hohen Vulkan in Sicht, hat Stromboli auch am Boden seine Reize: Weiße Dörfer an pechschwarzen Stränden, versteckte Buchten, sauberes Wasser und garantiert keine hupenden Autos.

Wenn erste Strahlen der Morgensonne über das Meer tanzen, klingeln auf Lipari am Piccolo Porta die Schiffsglocken für Ausflüge nach Stromboli und Salina. Ein laues Lüftchen weht. Ein paar Wolken hängen steif und träge am Himmel. „Si, wir fahren“, sagt Lorenzo.

Reisetipps: Bei hohem Wellengang fährt kein Schiff

• Allgemeine Auskünfte erteilt die Italienische Zentrale für Tourismus ENIT. www.enit.de T 0 69 / 25 91 26

• Reisezeit: März bis Mai stehen die grünen Inseln in voller Blüte, gutes Klima für Wanderungen und Entdeckungen. Der Juni und September sind angenehm warm. Im Juli / August strömen Sommergäste vom italienischen Festland auf die Inseln, das Preisniveau ist am höchsten.

• Anreise: Die schnellste und preiswerteste Anreise ist ein Charterflug bis/ab Cantania. Weiter ab Flughafen mit dem Anschlussbus um zum 100 Kilometer entfernten Hafen Mi-lazzo. Von dort fahren mehrmals täglich Schnellboote zu den Liparischen Inseln. Regelmäßiger Schiffsverkehr von Frühjahr bis September. Bei starkem Südwind und hohem Wellengang kann es zu Ausfällen kommen, Zeitpuffer für eine Übernachtung in Milazzo einplanen.

• Vor Ort: Alle Orte auf Lipari sind mit der Busgesellschaft URSO ab dem Hafen Marina Lunga erreichbar.

Von Manfred Lädtke

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