Der Soonwald ist ein Wanderparadies oberhalb des Nahetals; dort wächst Wein auf uraltem Boden

Feiner Wein und bunte Steine

Wer beim Spaziergang stets mit einem Fuß durchs Tertiär läuft, hat wohl keine andere Wahl, als Geologie zu studieren. Bei Karin Ochel-Spies vereinen sich Beruf und Hobby: Gelegentlich sieht man sie, Glas und Flasche balancierend, durchs Nahetal streifen. Als Kultur- und Weinbotschafterin ist sie quasi offiziell dem Wein verfallen. Denn wie lässt sich eine bis zu 400 Millionen Jahre alte Gesteinsgeschichte besser veranschaulichen als am leckeren Produkt? Dieser Riesling sei besonders herzhaft, erklärt sie beim Einschenken. Er wächst auf Grünschiefer: ,,Den gibt es sonst nirgendwo.“ Gleich nebenan gedeiht auf rotem Gestein ein fruchtigerer Tropfen. In den Weinbergen von Wallhausen erschmecken wir den Unterschied.

Kleinstes Anbaugebiet in Deutschland

So vielfarbig wie die Steine, so variantenreich sind die Weine, und das, obwohl das Nahetal eines der kleinsten deutschen Weinanbaugebiete ist. Aber auch ohne Wein kommt man in Schwung. Rauf auf die Weinbergschaukel, das Glas in der Hand – und völlig losgelöst genießen wir den Blick auf den weitläufigen Soonwald. Im 18. Jahrhundert sorgte hier der Hunsrücker Förster Friedrich Wilhelm Utsch für Ordnung. Als Jäger aus Kurpfalz ging er in die Geschichte ein.

Ohne Wein, aber über Stock und Stein geht es durch den Felsengarten, einen Teilabschnitt des insgesamt 83 Kilometer langen Soonwaldsteigs zwischen Bingen und Kirn. Rabenkanzel, Uhuwarte, Falkenstein heißen die Aussichtspunkte.

Doch diese Vögel residieren hier nicht allein; über hundert Nistkästen warten auf weitere gefiederte Mieter. Im trockenen, sehr warmen Boden fühlen sich Eichen wohl, aber auch mediterrane Pflanzen. Mit etwas Glück hüpft sogar die im tiefen Süden heimische Steppensattelschrecke vorbei. In der Ferne thront Schloss Dhaun über den Wiesen, hinter den Bäumen lugt die Burgruine Brunkenstein hervor.

Beschaulich schlängelt sich die Nahe durchs Tal

Beschaulich schlängelt sich die Nahe durchs Tal. Nur ihr keltischer Name „wilder Fluss“ erinnert daran, dass sie vor Jahrtausenden den Rotenfels kräftig auswusch. So wurde er zur höchsten Steilwand zwischen Norwegen und den Alpen.

Bad Münster-Ebernburg liegt am Fuß des Rotenfels – und im doppelten Sinn ,,am Stein“: Seit zwei Jahren gibt es hier das weltweit erste Museum für moderne Steinskulpturen. Die Bildhauerin Anna Kubach-Wilmsen und ihr verstorbener Mann Wolfgang bearbeiteten Steine aus aller Welt zu Bücherstapeln, ja, einer ganzen Bibliothek. Den – überraschend streichelzarten – Beton hat der japanische Architekt Tadao Ando mit verglastem Fachwerk und einem Wasserbassin kombiniert.

Beziehungskisten soll man pflegen

Gefüllte Weingläser und Edelsteine funkeln in Idar-Oberstein um die Wette. ,,Hochkarätig und geistreich“ – so der Name ihrer Führung – erzählen Anette Fuhr und Susanne Bollenbacher im Edelsteinmuseum Geschichten über Steine und Weine. Dazu servieren die Museumsleiterin und die Weinexpertin selbstgemachte Häppchen. Die offiziellen SooNahe-Produkte gibt’s nett verpackt in einer „Beziehungskiste“.

Beziehungen soll man pflegen. Und so bleiben wir beim Wein sitzen, bis dass der Kuckuck kuckuck schreit.

Von Cornelia Raupach

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.