Man sagt, zu Ostern fliegen die Glocken nach Rom – so manche stammt aus der Eifel

Feuer, Wasser und Erde

Ehrensache, dass der Klang stimmt: Cornelia Mark-Maas ist die einzige Glockengießermeisterin Deutschlands. Foto: Raupach

Festgemauert in der Erden“ und „aus Lehm gebrannt“: Wie zu Schillers Zeiten stehen Glockenformen noch heute in der Gießerei. „Allerdings hat er Rinderhaare und Pferdemist vergessen – poetisch nicht verwertbar, aber praktisch, weil dadurch die Tonform beim Trocknen nicht reißt“, erzählt Cornelia Mark-Maas aus Brockscheid in der Vulkaneifel. Sie ist die einzige Glockengießermeisterin Deutschlands.

Ihr Meisterstück läutet auf dem eingestrichenen „D“. Glocken zu gießen ist eine Kunst – wie sie den gewünschten Klang bekommen, bleibt Familiengeheimnis.

Glockengießerei ist Hand-, aber vor allem Körperarbeit. Da rinnt, wie bei Schiller, viel Schweiß. Sechs bis acht Wochen dauert die Prozedur. Schicht für Schicht wird mit Hilfe einer Schablone Lehm auf einen Aufbau aus Ziegelsteinen aufgetragen, bis das Innere der Glocke ausgeformt ist. Zwischen diesen Glockenkern und den Mantel kommt, ebenfalls aus Lehm geschichtet, die so genannte „falsche Glocke“. Nach dem Brennen und Erkalten der tönernen Form löst man die falsche Glocke heraus und gießt den Hohlraum mit Bronze – der „Glockenspeise“ – aus. Das Angießen ist ein Ereignis, denn dabei entweichen mit lodernder Flamme Gase aus dem über 1000 Grad heißen Metall.

Etwas „Segen von oben“ kann da nicht schaden. Darum stehen beim Gießen „ihrer“ Glocke auch die Auftraggeber der Kirche in der Werkstatt, um für gutes Gelingen zu beten.

In ihrem archaischen, von Mythen umrankten Herstellungsprozess, in den alle vier Elemente einbezogen sind, passt die Glockengießerei perfekt in die Vulkaneifel. Was vor 30 000 Jahren dort geschah, ließ Erde und Menschen erzittern: explodierende Vulkane, glühende Lavaströme, die die Steppe in Brand setzten, herabstürzende Lavabomben von der Größe eines Mittelklassewagens. Heute schaukeln Boote über die Maarseen, die sich in den Kratern bildeten. Die kristallklaren „Augen der Eifel“ sind Ruhezonen zum Baden und Angeln, auf den erloschenen Vulkanen lässt es sich prima herumkraxeln, aus den Kohlensäurequellen Gesundheit schlürfen. Wer an vulkanischen Gasen schnuppern, Lavasteine befühlen oder Kristallen beim Wachsen zuschauen will, ist im Vulkanhaus in Strohn gut aufgehoben.

Naturwunder im Blick

Feuer, Wasser und Erde formten die Vulkaneifel. Den besten Überblick aber verschafft man sich aus der Luft. Bei einem Rundflug über das Gebiet von Daun hat man gleich drei Naturwunder im Blick: das Gemündener, das Weinfelder und das Schalkenmehrener Maar.

Seit 1620 sind die Marks Glockengießer. Von Köln bis Potsdam hört man Ostern wieder ihre Glocken läuten. Und die Tradition wird fortgeführt: „Julius, unserer Ältester, hat beim Bundeswettbewerb der Glockengießer den Ersten gemacht.“ Mögen die Eifel-Vulkane ruhen – in Brockscheid wird noch lange Bronze zum Kochen gebracht werden.

Von Cornelia Raupach

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