Ausgezeichnete Küche, Welterbestätten, spektakuläre Natur: Sichuan im Südwesten Chinas hat viel zu bieten

Wo der Feuertopf leise brodelt

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Entspannung im Volkspark: Mitten in Chengdu üben sich Chinesen am Vormittag in der Kunst des Tai Chi. Ältere Einwohner vertreiben sich die Zeit auch gern mit Paartanz zu chinesischen Schnulzen aus der Konserve. 

Ausgezeichnete Küche, Welterbestätten, spektakuläre Natur: Sichuan im Südwesten Chinas hat viel zu bieten

Impressionen aus Sichuan

Fondue nach Sichuan-Art: Der Feuertopf ist eine Spezialität und erfreut sich großer Beliebtheit.

Im Shu Jiu Xiang („Sieben Köstlichkeiten“) herrscht chinesische Fröhlichkeit. Die Gäste, die sich nach Feierabend mit Freunden in dem angesagten Restaurant in Chengdu treffen, plaudern munter. In der Mitte des Tisches brodelt der Feuertopf, eine Spezialität der Provinz Sichuan im Südwesten Chinas. Ein feurig-scharfes Fondue, bei dem Nudeln, Gemüse und Fleisch in einer würzigen Brühe gegart werden. Die Einwohner der bevölkerungsreichen Provinz – 80 Millionen Menschen leben hier – schätzen gutes Essen über alles. Vielleicht sind sie deshalb so lebensfroh und gastfreundlich.

Die Küche Sichuans, die schon von den Dichtern der Han-Zeit vor 2000 Jahren gerühmt wurde, ist so vielfältig und anregend wie das rote Becken um die Provinzhauptstadt Chengdu. Die Menschen in dieser von Bergen umgebenen Region nahe Tibet entwickelten früh eine Kochkultur, die ihren Rang bis heute behauptet. Chili, Knoblauch, Sternanis, Ingwer, frischer Koriander und der berühmte Sichuan-Pfeffer, der wie Brausepulver „mala“ (feurig-scharf) im Gaumen und auf den Lippen prickelt – die fein abgestimmten Aromen sind eine kulinarische Entdeckung.

Alles gedeiht gut im Warenhaus des Himmels

Auch die Namen der Gerichte lassen Europäer staunen. „Ameisen klettern auf den Baum“ zum Beispiel (Glasnudeln mit feinem Hackfleisch) – ein schönes Bild, wenn man es nicht allzu wörtlich nimmt. Fleisch, Gemüse, Nüsse, Bambussprossen, Früchte und Wasserkastanien – im „Warenhaus des Himmels“, wie die Einheimischen die fruchtbare Region nennen, wächst und gedeiht alles prächtig.

Die Märkte betören mit ihrer Fülle. Bei den Chinesen landet viel mehr im Kochtopf als bei uns. Schweinehaut zum Beispiel, die den Porzellanteint der Chinesinnen noch schöner machen soll.

Junggesellen hatten keinen Zutritt

Dabei gelten die Frauen in Sichuan von jeher als derart attraktiv, erzählen die Männer stolz, dass junge Burschen erst dorthin reisen durften, wenn sie verheiratet waren. Die fein gewürzte Schweinehaut schmeckt erstaunlich gut, ein Schönheitsmittel, das der Zunge schmeichelt und auch von Xiao Zhuyan geschätzt wird. Die junge Chinesin hat in Schanghai Deutsch studiert. Nun zeigt sie Reisegruppen aus Deutschland die Schönheit ihrer Heimat. Die hat selbst in der aufstrebenden 14 Millionen-Metropole Chengdu stille Oasen zu bieten wie den Park zu Ehren des Dichters Du Fu, in China so bekannt wie hierzulande Friedrich Schiller, und das buddhistische Kloster Qingyanggong.

Mit Tai Chi in den Tag

Im Volkspark geht es munterer zu. Dort tanzen die Senioren schon morgens unter Palmen und Kampferbäumen zu chinesischer Herz-Schmerz-Musik, üben sich anmutig in der Kunst des Tai Chi und treffen sich zum Schwatz im Teehaus. Draußen braust der Verkehr vorbei. Zwischen den Wolkenkratzern staut sich die Hitze. Im Stadtzentrum sind amerikanische Fast-Food-Ketten ebenso zu Hause wie europäische Luxusmarken. Die Läden sind edel, die Fassaden glamouröser als am Berliner Kudamm. Mao Zedong, der als Statue überlebensgroß vor dem Museum für Wissenschaft und Technik wacht, verblasst dagegen.

Heimat der Panda-Bären

Werden gehegt und gepflegt: Die Pandas sind auch eine Attraktion für Touristen.

Er ist ein Einzelgänger, hat Verdauungsprobleme und ist doch der unangefochtene Star des Landes: der Panda. Die Chinesen hegen ihr Nationaltier mit Hingabe. Schließlich locken die putzigen Gesellen, die einst Fleischfresser waren, die Touristen in Scharen an. Auch im 1987 eröffneten, weitläufigen und schön angelegten Panda-Park von Chengdu genießen die schwarz-weißen Pelztiere einen First-Class-Service: Jeden Tag gibt’s kiloweise frischen Bambus – gewaschen, um die anfälligen Pandas vor Parasiten zu schützen. Zum Naschen gibt es Äpfel, frische Bambussprossen und Panda-Brot. Um an die begehrte Leckerei zu kommen, muss sich der Panda auf die Hinterbeine stellen. So trainiert er seine Beinmuskeln für den Liebesakt, erzählt uns Führerin Xiao Zhuyan. Mit Erfolg, wie die jungen Pandas zeigen, die den vielen chinesischen Besuchern kleine Schreie der Entzückung entlocken. 1600 wilde Pandas gibt es in China, die meisten in Sichuan. In der Aufzuchtstation in Chengdu leben 60 Panda-Bären. (els)

Tipp: Mit der Seilbahn auf den Berg Emei

Über 2000 Jahre alte Bewässerungsanlage: Eine Hängebrücke bringt die Besucher in Dujiangyan ans andere Ufer (siehe Tipp).

Sichuan vereint spannende Gegengsätze: Neben Chengdu, einst Zentrum der Seidenbrokatweberei und nun Sitz von Industrie- und Hightech-Unternehmen, bietet die Provinz jahrtausendealte Geschichte, buddhistische Klöster sowie spektakuläre Berglandschaften, Wasserfälle und Bambuswälder. Sie beherbergt Welterbestätten wie den in einen Felsen am Min-Fluss gehauenen, über 70 Meter hohen Buddha von Leshan und den heiligen Berg Emei, auf dessen Gipfel in 3000 Meter Höhe eine riesige buddhistische Statue thront. Eine Seilbahn bringt Besucher hinauf auf 2500 Meter, Treppenstufen führen zum Gipfel. Zu den Attraktionen zählt auch die über 2000 Jahre alte Bewässerungsanlage Dujiangyan.

Information: Rundreise durch Sichuan

Anreise: Air China fliegt dreimal wöchentlich nonstop von Frankfurt nach Chengdu. www.airchina.de

Rundreise: Ikarus-Tours aus Königstein zum Beispiel bietet eine achttägige Sichuan-Rundreise ein. Kosten inklusive Flug, Übernachtungen, Besichtigungen und deutschsprachiger Reiseleitung: 1596 Euro pro Person, als Privatreise für zwei bis 9 Personen ab 1998 Euro p.P. Verlängerung inklusive 2-tägigem Kochkurs auf Anfrage möglich. www.ikarus.com

Beste Reisezeit: April/Mai und September/Oktober.

Von Ellen Schwaab

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