Mondän und maritim: Bei einer Radtour lernt man die Insel Usedom von ihrer schönsten Seite kennen

Flanieren mit dem Fahrrad

Die schneeweißen Sandstrände an der Ostsee entlang, vorbei an sanften Dünen mit Blick auf Strandkörbe und Möwen, durch elegante Kaiserbäder, ruhige Inseldörfer oder einfach durch Wälder: Usedom, die zweitgrößte Insel Deutschlands, ist von mehr als 180 Kilometern Radwegen durchzogen und bietet für jeden Radfahrergeschmack etwas.

Der Küsten-Radweg führt über die längste Strandpromenade Europas mit ihren fast 200 Jahre alten Bäumen durch die drei Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Prächtig ist die Architektur aus der Gründerzeit, herrschaftliche Villen umgeben von parkähnlichen Flächen und elegante Strandbrücken säumen die Route. Das ist Flanieren per Fahrrad.

Wenn die Villen ihre Geschichte erzählen könnten

So mondän war es auf dem Rad noch nie. Und was haben die Villen hier nicht alles zu erzählen. Die wohl schönste Jugendstilvilla, „Oasis“ genannt und 1896 erbaut, war zunächst in Privatbesitz, während der NS-Zeit Kindererholungsheim, dann ein Sanatorium der Sowjetarmee, schließlich Erholungsheim der Gesellschaft der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft, und jetzt wird sie wieder als Hotel und Restaurant privat geführt. Warum können Häuser nicht sprechen? Man hörte gerne zu. Frau John, die Gäste auf einem Rundgang führt, ist ihr Sprachrohr und weiß einiges zu berichten.

Sogar steile Anstiege gibt es auf der Insel

Auf sandigen Pisten geht es nun Richtung Nordwesten durch Wälder und an Binnenseen vorbei, in denen auch einige steile Anstiege und Abfahrten zu bewältigen sind. Das ist ganz ungewohnt auf dieser meist flach verlaufenden Radroute, auf der man nun noch bis nach Zinnowitz und Peenemünde radelt. Dort kann man das Historisch-Technische-Informationszentrum und ein sowjetisches U-Boot im Hafen besichtigen. Ein Backfischbrötchen an einem Kiosk kommt danach gerade recht. Am Stehtisch nebenan diskutieren „Seemänner“ ihren Törn durch das Stettiner Haff.

Für Kunstfreunde führt der 56 Kilometer lange Feininger-Radweg zu den Plätzen, an denen der deutsch-amerikanische Maler von 1908 bis 1912 auf Usedom arbeitete.

Es gibt also viele Gründe, warum man ausgerechnet hier Rad fahren sollte. Angela Serold von der Mecklenburger Radtour GmbH in Stralsund mag Usedom besonders und sagt: „Auf der Insel können wir uns wunderbar erholen. Grundsätzlich haben wir stets gutes Wetter, wenn wir auf Usedom sind, deswegen ist es für mich die Sonneninsel.“

Nirgends in Deutschland sind Einheimische und Touristen öfter mit dem Rad unterwegs als auf Usedom: Der Online-Radroutenplaner Naviki hat Usedom 2012 als „fahrradaktivste Region“ Deutschlands ausgezeichnet.

Und zwischendurch ein Bad in der Ostsee

Immer wieder locken die weißen Badestrände an der glitzernden Ostsee. Also runter vom dem Sattel, hineingesprungen und abgetaucht oder sich einfach die frische Brise um die Nase wehen und die müden Waden im Wasser baumeln lassen. Auf dem Rücken im Ostseewasser liegen und gen Himmel starren, sich im Strandkorb verkriechen. Das Rad liegt im Sand, und ein Gedanke zieht durch den Sinn: Dort drüben liegt doch Rügen? Inselhopping per Rad und Fähren in der Ostsee, so kann es weiter gehen.

Von Judith Weibrecht

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