Billigflieger: Warum die besten Schnäppchenzeiten vorbei sind

Flugtickets immer teurer

+

Für zehn Euro nach London, für keine zwanzig Euro nach Venedig, für dreißig Euro nach Zürich, fast umsonst durch Europa: In besten Zeiten des Billigflieger-Booms waren solche Schnäppchen an der Tagesordnung. Wer heute die Internet-Portale der Airlines nach günstigen Tickets durchforstet, landet nur noch selten solche Treffer und wird oft ganz anders zur Kasse gebeten. Da kommt gerne mal das Fünffache der Werbepreise von einst zusammen – pro Strecke. Dass die Sparglanzzeiten vorbei sind, hat eine Reihe von Gründen:

Aus Konkurrenten sind Partner geworden

Insgesamt hat sich der Markt bereinigt: Fusionen, Allianzen und Pleiten sind daran Schuld. Und wo weniger Rivalen gegeneinander antreten, steigen die Preise. Air Berlin zum Beispiel hat dba und LTU geschluckt, ist dann ein Bündnis mit Hapag-Lloyd-Express (HLX) eingegangen und hat einen Teil von deren Strecken übernommen.

Gestiegene Nebenkosten

Die Erfindung immer neuer Gebühren – bei Ryanair zum Beispiel erst fürs aufzugebende Gepäck (mindestens 15 Euro) und inzwischen sogar für den Online-Check-In (6 Euro) – hat die Endpreise spürbar klettern lassen. Gleichzeitig sind die Kerosinpreise in den Himmel geschnellt, und auch die zum Jahreswechsel eingeführte neue deutsche Abflugsteuer macht sich in der Gesamtrechnung deutlich bemerkbar. Sie allein schlägt abhängig von der Länge der Flugstrecke bereits mit acht, 25 oder 45 Euro zusätzlich zu Buche.

Erfolgsdruck

Neue Unternehmen kalkulieren für die ersten Monate – manchmal Jahre – mit roten Zahlen und subventionieren so ihre Tickets, um sich damit die Bekanntheit als Preisbrecher zu erkaufen. Irgendwann geht das nicht mehr, und um das Minus nicht weiter durchzuschleppen, müssen die Preise auf realistisches Niveau steigen. Börsennotierte Fluggesellschaften unterliegen dabei besonderer Beobachtung. Investoren wollen Gewinne sehen – oder strafen die Aktie ab. Wer bestehen will, muss mittelfristig auskömmliche Preise verlangen – und die liegen deutlich oberhalb der Schnäppchentarife aus der Werbung.

Sättigung des Marktes

Viele Routen, die in den Boom-Jahren aufgelegt wurden, sind längst wieder eingestellt, weil Tickets auf diesen Strecken nur zu Dumpingpreisen abzusetzen waren. Selbst etablierte Billigflieger stoßen zudem inzwischen an Wachstumsgrenzen. Es gibt kaum noch neue Strecken, die sich innerhalb der Billigflieger-Logik (relativ kurze Flugzeiten, dazu kurze „Umkehrzeiten“ am Boden) rechnen oder nicht bereits von der Konkurrenz bedient werden. Das hat etwa zur Folge, dass allein Marktführer Ryanair Branchenberichten zufolge im kommenden Winter 80 Maschinen aus dem Verkehr nehmen und erst im Frühjahr nach und nach wieder einsetzten wird. In der nachfrageschwächeren Zeit nehmen solche Maßnahmen Angebote aus dem Markt und befreien die Fluggesellschaften davon, allzu viele leere Sitze zu Tiefpreisen anbieten zu müssen, um ihre Flieger zu füllen.

Wahrnehmung in der Öffentlichkeit

Es war niemals so, dass Fluggesellschaften alle Sitze zum Schnäppchenpreis hergegeben haben – auch wenn die massive Werbung diesen Eindruck erweckte. Tatsächlich sieht das Geschäftsmodell einen Mix aus sehr billigen Flugscheinen und welchen zu gewöhnlichen Preisen ungefähr auf dem Niveau einer herkömmlichen Linienfluggesellschaft vor. Je kurzfristiger gebucht wurde und je flexibler das Ticket umbuchbar war, desto teurer wurde es auch. Das gilt noch immer – mit dem Unterschied, dass inzwischen von Vornherein oft spürbar weniger Tickets zum Schnäppchenpreis als zu Zeiten des schlimmsten Konkurrenzkampfs freigeschaltet werden.

Von Helge Sobik

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.