Bad Windsheim

Am fränkischen Meer

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Beweisbild mit Zeitungstest: Wie am Toten Meer kann man sich auf dem fränkischen Salzsee bewegungslos treiben lassen. Das Wasser trägt wegen des hohen Salzgehalts von 26,9 Prozent.

Kurorte haben es schwer in Zeiten drastischer Sparmaßnahmen im deutschen Gesundheitswesen. Für die fränkische Kleinstadt Bad Windsheim...

...führte der Ausweg aus der Krise direkt ans Meer. Christine Hinkofer über einen inzwischen preisgekrönten Kurbad- Coup.

Der Franke ist an und für sich ein Gemütsmensch, mit einer Sprache, die so sanft ist wie ein Sofakissen. Die das T zum D macht, und das K zum G und durch Anhängsel Großes verniedlicht. So, nur so, entstehen besondere Wort- Spezialitäten wie die „frenggischen Bradwerschdle“.

Der Hopfenstadel aus Thalheim wurde 1982 abgebaut und auf dem Museumsgelände originalgetreu wieder errichtet.

Aber in emotionalen Ausnahmefällen, wenn der Franke sich etwa einmal so richtig diebisch freut, dann kann er auch betont kantig klingen. Ja, sagt Hubert Seewald, die Franken hätten das einzige Binnenmeer in ganz Deutschland, warm wie die Adria im August, salzig wie das Tote Meer vor der Küste Israels. Ja, bestätigt er, in Bad Reichenhall hätten sie sowas natürlich auch hinkriegen können. „Haben sie aber nicht!“ Und das sagt der Geschäftsführer der Franken-Therme von Bad Windsheim ganz unfränkisch präzise, beinhart wie ein James Bond in geheimer Kur-Mission – weil er darauf einfach mächtig stolz ist.

Schließlich bescherte dieser Salzsee Bad Windsheim nicht nur die Alleinstellung, wie man in der Bäder-Branche ein Exklusivangebot nennt, sondern auch einen rasanten Besucheranstieg von 250 0000 auf 350 000 Gäste pro Jahr, und damit eine krisensichere Auslastung zwischen 75 und 80 Prozent. Und den bayerischen Innovationspreis im Tourismus hat die Therme der Kleinstadt 80 Kilometer westlich von Nürnberg für ihren Salzsee und die von einem Hautarzt dazu entwickelte Photosole-Therapie obendrein gerade eingeheimst.

Urlaubsflair ans fränkische Meer: Blick von einem Weinberg auf die Burg Hoheneck bei Bad Windsheim.

Es ist später Vormittag, ein heisser Sommertag. Die Sonne steht hoch über den sanften Hügeln und Weinbergen, die die Landschaft hier im Herzen Frankens in einen Hauch von Toskana tauchen. Der kleine See in den Außenanlagen der Therme ist gut besucht, Wasser-sport kann man das allerdings nicht nennen, was sie hier betreiben. Die Menschen lassen sich an der Oberfläche treiben, regungslos, wie faule Wale, manche lesen dabei sogar Zeitung, die sie in Kinnhöhe über dem Bauch halten. „Das Wasser trägt, wie am Toten Meer. Wir haben denselben Salzgehalt, 26,9 Prozent“, sagt Hubert Seewald. Und erklärt, wie sie das hingekriegt haben: „Wir pumpen das Thermalwasser aus 1000 Metern hoch und schicken es dann durch einen Salzstollen in 300 Meter Tiefe zurück.“ Hätten die in Bad Reichenhall auch haben können, aber wie gesagt... Freilich: Was die Natur in Israel umsonst liefert, kostet die Franken Geld, viel Geld. 500 000 Euro Unterhalt versenken sie pro Jahr in ihrem 750 Quadratmeter kleinen Meer – und da sind die nichtrostenden Spezialpumpen noch der geringere Faktor. Deshalb kostet das Bad im Salzsee auch 2,50 Euro zusätzlich zum Eintritt in die Therme (ab 8,50 Euro).

Den Gästen ist’s, wie eine kürzliche Umfrage ergab, das Vergnügen wert. Und immer wieder wird auch „das besondere Urlaubsflair“ der Franken- Therme gelobt.

Das ist allerdings kein Zufall, sondern das Ergebnis harter Arbeit. Um wegzukommen vom Kurort-Mief der früheren Jahre ziehen sie in Bad Windsheim alle Register. Holen sich das Karibikfeeling durch eine Cocktailbar am Poolrand ins Haus (Pina Colada für 5,80 Euro), stellen reihenweise weißblaue Strandkörbe wie an der Nordsee auf (Nutzung kostenlos) und pflanzen um den Salzsee Kakteen und Palmen (zum Teil sind sie sogar winterhart).

Wer eine Massage in der Wellnessabteilung der Therme bucht, kann zwischen Malediven, Afrika und Neuschwanstein wählen, zumindest was Kulisse und Ausstattung der Behandlungsräume betrifft. Und um das Altersniveau des Publikums einmal im Jahr auf unter 55 zu drücken, steigt um das fränkische Meer im Sommer die große Salsa- Party. Ferienlaune made in Franken.

Nur in einer Beziehung , da sind sie in der nordbayerischen Ferienregion zwischen den Naturparks Steigerwald und Frankenhöhe mit der Anpassung an die internationalen Urlaubsziele dann doch ein wenig zu weit gegangen: Als sie ihr Totes Meer analog zu Israel an den Rand einer (Beton-)Wüste gesetzt haben. Den diskreten Charme gepflasterter Anlagengestaltung mit konsequentem Grün- Verzicht kriegt der Gast im Kurhotel Pyramide auf der vollen Breitseite ab. Konkret hat er die Qual der Wahl zwischen Parkplatz- oder Straßenblick. Grau sind beide.

Dabei haben sie das mit der Gestaltung mediterraner Plätze hier durchaus drauf, wie die Altstadt von Bad Windsheim, keine fünf Autominuten entfernt, so eindrucksvoll zeigt. Alles da, was eine italienische Piazza so lebendig macht: Rathaus und Kirche mit prächtigem Barockzierat, venezianischer Putz in kräftigen Terrakotta-Ton, Taubengurren und Blumenpracht. Und wenn der nette Chef vom Cafe Rialto dann noch seinen Eisbecher molto grande mit ganz vielen Früchten serviert, dann ist einfach alles dolce am fränkischen Meer. Dolce mit einem ganz weichen D...

DIE REISE-INFOS ZU BAD WINDSHEIM

REISEZIEL Bad Windsheim liegt in Mittelfranken, 80 Kilometer westlich von Nürnberg an der aisch, genau zwischen den beiden Naturparks Steigerwald und Frankenhöhe. Der Quellort einiger Mineralwasserfirmen feiert heuer sein 50-jähriges Jubiläum als Heilbad.

ANREISE Von München auf der Nürnberger Autobahn. Am Autobahndreieck Nürnberg auf die A73 nach Fürth, und dann auf der B8 bis Bad Windsheim. Insgesamt 220 Kilometer, zweieinhalb Stunden Fahrzeit.

Fränkischen Freilandmuseum

SEHENSWERT Nicht nur mit dem Salzsee, sondern auch mit ihrem Fränkischen Freilandmuseum haben die Bad Windsheimer etwas ziemlich einmaliges hingekriegt. Während andere Urlaubsregionen alte Häuser reihenweise der Abrissbirne überlassen, werden sie hier sorgfältig abgetragen und auf dem Areal des Freilandmuseums originalgetreu wieder aufgebaut. 100 Gebäude aus sieben Jahrhunderten hat das neue alte Dorf schon und es ist so idyllisch, dass man sofort einziehen möchte – auch ohne Heizung und mit Plumpsklo auf dem Hof. Geöffnet täglich von 9 bis 18 Uhr, im Winter von 10 bis 16 Uhr. Tel. 09841/66800, im Internet: www.freilandmuseum.de. Tipp: Gute fränkische Wirtschaft mit Biergarten am Eingang.

FRANKEN-THERME Die Frankentherme Bad Windsheim hat vier Thermal-Sole- Becken im Innen- und Außenbereich mit insgesamt 1750 Quadratmetern Wasserfläche, unterschiedlichen Salz-Konzentrationen von 1,5 bis 12 Prozent und Temperaturen zwischen 32 und 36 Grad.

SALZSEE Der deutschlandweit einzigartige Salzsee – ein beheizter Freiluftsee mit 26,9 Prozent Salzgehalt – liegt im Außenbereich der Thermal-Badelandschaft und ist zirka 750 Quadratmeter groß. Er ist ganzjährig beheizt.

PHOTOSOLE-THERAPIE Wie ein Aufenthalt am toten Meer wirkt die Photosoletherapie, die der Hautarzt Dr. Wulf-Rüdiger Herzog eigens für den fränkischen Salzsee entwickelt hat. Sie ist eine Kombination aus täglichem Bad im Salzsee und Ganzkörperbestrahlungen mit UVB-Schmalspekturm. Leistungspaket mit 19 Behandlungen: 570 Euro, inklusive 20 Übernachtungen mit Frühstück im Kurhotel: 1150 Euro.

WELLNESS Korrespondierend zu einem Thermalaufenthalt bietet die Franken-Therme verschiedene Massagen und Kosmetikbehandlungen an.

WOHNEN Direkt neben der Frankentherme im Kurhotel Pyramide, ab 64 Euro pro Person mit Frühstück und 2,5 Stunden Eintritt in die Therme. Tel. 09841/68200. Oder in der Altstadt in gemütlichen Zimmern hinter historischer Fassade: Flair Hotel zum Storchen, Weinmarkt 6, Tel. 09841/66989-0, www.zumstorchen.de, ab 80 Euro.

WEITERE INFO/BUCHUNG In der Frankentherme Bad Windsheim, Erkenbrechtallee 10, Bad Windsheim, Tel. 09841/40300, www.franken-therme.net, geöffnet täglich von 9 bis 22 Uhr.

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