Hotel: „Öko? – logisch!“

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Voll cool: Mit ihrer Solaranlage auf dem Hoteldach erzeugen Astrid und Bertram Späth ökologisch korrekten Strom.

Wie schläft es sich im umweltfreundlichsten Hotel der Stadt? Kann man dort nur als Öko absteigen? Gibt’s zum Frühstück nur Müsli und Malzkaffee?

Reiseredakteur Volker Pfau ist im Best Western Premier Hotel Victoria in Freiburg abgestiegen. Es gilt derzeit in der Branche als das umweltfreundlichste Hotel der Welt.

Das kann es nur in Freiburg im Breisgau geben. Der Stadt am Rande des Schwarzwaldes, die mit Dieter Salomon seit acht Jahren den ersten grünen Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt hat und die so gerne ihr Image als Öko-Hauptstadt pflegt. Logisch, dass das umweltfreundlichste Hotel der Welt nur hier in Deutschlands sonnenreichster Großstadt stehen kann. Genauer gesagt: in der Eisenbahnstraße, Haus Nummer 54.

Best Western Premier Hotel Victoria in Freiburg

Das ist mitten in der Stadt. Auf halbem Weg zwischen Hauptbahnhof und der Fußgängerzone der Altstadt – der Autoverkehr braust vierspurig auf dem Rotteckring vorbei, umrahmt vom Investment- und Finanzcenter der Deutschen Bank, der Hauptpost und dem Polizeirevier Freiburg-Nord – steht das Best Western Premier Hotel Victoria. Auf den ersten Blick ein ganz normales Vier-Sterne-Stadthotel. Auf den zweiten Blick, also wenn man die sechs Stufen zum Eingang hochgestiegen ist, immer noch ein völlig normales Haus dieser Kategorie: freundlich, einladend, ordentlich, sympathisch – aber öko?

„Wir reden nicht so viel darüber“, sagt Astrid Späth, die gemeinsam mit ihrem Mann Bertram seit 1985 das Victoria führt. Sie sagen, dass sie lieber im Hintergrund die Weichen stellen, das große Tamtam ist nicht ihr Ding. Deswegen werden die Gäste nicht mit dem Holzhammer auf das Öko im Hotel hingewiesen. Der dezente Hinweis aufs umweltfreundlichste Privat-Hotel der Welt – verliehen von der International Hotel Association IHRA – an der Wand hinter der Rezeption sticht nicht ins Auge.

Best Western Premier Hotel Victoria in Freiburg

Im Frühstücksraum steht ein liebevoll hergerichtetes Büffet mit vielen Köstlichkeiten – die man zwar in dieser Hotel-Kategorie erwartet, denen man aber die biologische Erzeugung und ihre regionale Herkunft nicht ansieht. Dass es keine Portionspackungen gibt, ist schon ein Teil der Öko-Strategie der Späths. Das vermeidet Müll, senkt die Kosten, unterstützt heimische Produzenten, „außerdem haben uns diese Tischmülleimer nie gefallen“, sagt Bertram Späth.

An solchen vermeintlichen Kleinigkeiten lässt sich das umweltfreundliche Konzept des Hotels sehr gut nachvollziehen. „Mit phosphatfreiem Waschmittel hat alles angefangen“, sagt Bertram Späth. Das war der erste Schritt zum umweltfreundlichen Hotel. Überzeugt, dass dieser Weg der Richtige ist, sind beide spätestens seit ihrem Studium in München. „Da haben wir in einem Haus mit Sonnenkollektoren gewohnt und gesehen, dass das gut funktioniert.“ So war es nur logisch, dass sie im Jahr 1999, als in Freiburg die Energieagentur gegründet wurde, die allerersten Kunden waren.

Nach und nach wurde im Hotel Victoria gebaut, investiert, verbessert. Heute zeigen Astrid und Bertram Späth stolz die Solaranlage auf dem Dach des aus dem Jahr 1981 stammenden Rückgebäudes, die immerhin rund zehn Prozent des Energiebedarfs deckt. Der Rest ist zugekaufter Ökostrom. Dann geht’s abwärts, hinunter in den Keller. Im ersten Stock stoppt Astrid Späth jedoch erst einmal den Aufzug und bittet zur Zimmerbesichtigung.

Dank eines ausgeklügelten Belüftungssystems wird hier viel Energie gespart: Frische Luft strömt durch ein kleines Gitter an der Außenwand ins Innere des Raums und wird im Bad wieder abgesaugt, ohne dass der Gast durch Zugluft beeinträchtigt wird. Eine energieeffiziente Minibar, stromsparende LED-Leseleuchten, wassersparende Duschköpfe und die Verwendung von umweltschonenden Materialien sorgen in der Summe für eine gute Öko-Bilanz. Außerdem achtet beispielsweise das Personal darauf, dass in unbenutzten Zimmern Fernseher ganz ausgeschaltet sind. Kleinvieh macht auch Mist, kleine Maßnahmen sparen viel Energie.

Freiburg im Breisgau pflegt sein Image als Öko- Hauptstadt

Bei der Aufzählung der ganzen Sparmaßnahmen darf Astrid Späth natürlich die Klimaanlage nicht vergessen, die in den extrem heißen Sommertagen im Juli eine echte Bewährungsprobe bestehen musste: „Die hat wunderbar funktioniert.“ Das Besondere daran ist, dass diese mit 10 bis 13 Grad kühlem Wasser aus dem hoteleigenen Brunnen aus rund 20 Metern Tiefe gespeist wird, das in einem Wärmetauschersystem für angenehme Temperaturen sorgt, aber 50 Mal weniger Strom braucht als eine konventionelle Anlage. „Zu uns sind Gäste aus anderen Hotels umgezogen“, sagt Astrid Späth, das Victoria war ausgebucht.

Zum Schluss stehen wir dann noch im Keller vor der Holzpellets-Heizung. Seit 2002 wird hier mit nachwachsenden Rohstoffen geheizt. „Das war damals noch total neu in Hotels“, sagt Bertram Späth. Rund 100 Tonnen Holz werden jetzt statt der 50 000 Liter Heizöl pro Jahr verfeuert, die Pellets kommen aus einem Sägewerk in sieben Kilometer Entfernung.

Die Hotel-Gäste sollen von all dem Umweltengagement jedoch nicht überfahren werden. „Wir haben keinen erhobenen Zeigefinger“, sagt Astrid Späth, „und auch nicht fünf Mülleinmer im Zimmer.“ Agiert wird eher hinter den Kulissen. Der Gast darf es aber ruhig spüren, dass das Victoria ein etwas anderes Haus ist. Für die Dauer des Aufenthaltes erhält er beispielsweise eine kostenlose Fahrkarte für den Busse und Stadtbahnen und kann Fahrräder ausleihen – damit kommt man in der Stadt, in der es doppelt so viele Drahtesel wie Autos gibt, sowieso besser voran. Das ist halt nur in Freiburg möglich.

DIE REISE-INFOS ZU FREIBURG

REISEZIEL Freiburg im Breisgau liegt im Südwesten Baden-Württembergs und ist mit rund 220.000 Einwohnern die südlichste Großstadt Deutschlands.

ANREISE Mit der Bahn ist Freiburg von München aus mit einmaligem Umsteigen in rund viereinhalb Stunden erreichbar. Preis: Sparangebote ab 29 Euro (einfache Fahrt). Mit dem Auto von München über die A8 bis Ulm, von dort auf der B10 und B311 bis Geisingen und dann auf der B31 bis Freiburg. Entfernung rund 380 Kilometer.

HOTEL Das 1875 erbaute Hotel Victoria hat heute 63 Zimmer und ist seit 2004 Mitglied der internationalen Hotelmarke Best Western Premier. Zum Hotel gehören auch die Cocktailbar „Hemingway“ sowie die Smoker Lounge im Gewölbekeller. Preis für ein Doppelzimmer: ab 108 Euro/Nacht. Best Western Premier Hotel Victoria, Eisenbahnstraße 54, 79098 Freiburg im Breisgau, Tel. 0761/20 73 40, im Internet: www.victoria.bestwestern.de.

PAUSCHALE Von November bis März gibt es im Hotel Victoria das Arrangement „50 Stunden Freiburg“, bei dem 2 Ü/F, ein Drei-Gänge-Abendessen, Stadtführung, Museumseintritt und kulinarische Schmankerl pro Person ab 199 Euro kosten (im DZ). Info und Buchung im Hotel Victoria (Adresse siehe oben).

SEHENSWERT MÜNSTER Die römisch-katholische Stadtkirche gilt als Meisterwerk der Gotik, der 116 Meter hohe Turm kann bestiegen werden. Rund um die Kirche ist täglich (außer Sonntag) Markt, der Freiburger isst dort traditionell eine gegrillte Rote Wurst.

SCHLOSSBERG Nördlich der Altstadt erhebt sich dieser beliebte Aussichtsberg, auf dem im 17. und 18. Jahrhundert eine Festung war. Vom 35 Meter hohen Aussichtsturm (Eintritt frei) auf der Salzbüchslekuppe hat man einen tollen Blick auf den Schwarzwald (Feldberg) und das Rheintal (Kaiserstuhl).

MUNDENHOF Hier haben die Viecherl viel Platz, denn mit 38 Hektar ist der Mundenhof das größte Tiergehege in Baden-Württemberg, in dem vor allem Haus- und Nutztierrassen aus aller Welt in artgerechten Gehegen leben. Täglich außer freitags sind um 14.30 Uhr Schaufütterungen, beim Programm „Kontiki“ lernen Kinder den richtigen Umgang mit Tieren. Eintritt frei, Parkgebühr für Autos 5 Euro. Naturerlebnispark Mundenhof, Mundenhof Haus 37, 79111 Freiburg im Breisgau, Tel 07 61/201 65 80, www.mundenhof.freiburg.de.

GERBERAU Die Öko-Gasse in der Altstadt. Besonders empfehlenswert: Sich in eines der Cafés (z.B. Altstadt-Café, Haus Nr. 12) oder Restaurants setzen – perfektes mediterranes Flair.

FISCHERAU Dieser Teil der Oberstadt wird wegen der vielen Kanäle, Cafés und Brücken auch „Klein-Venedig“ genannt. Sehenswert vor allem für Kinder: Im Gewerbekanal, der von der Dreisam gespeist wird, existiert ein Krokodil (aus Granit), gestiftet von einem anliegenden Gewerbebetrieb.

AUSKUNFT Tourist Information, Rathausplatz 2-4, 79098 Freiburg, Tel. 07 61/ 388 18 80, Internet: www.fwtm.freiburg.de.

 

 

 

 

 

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