Fußball vereinigt ein Land

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Südafrika im Fußballfieber: Die Regenbogennation will der ganzen Welt zeigen, dass sie die Arpartheid überwinden kann.

Fußball ist in Südafrika traditionell der Sport der schwarzen Bevölkerung. Weiße Spieler und Zuschauer suchte man lange vergebens – deren Lieblingssportarten sind Rugby und Cricket. Doch durch die Fußballweltmeisterschaft setzt ein Wandel ein: Fußball wird mehr und mehr zu einem Mittel der Verständigung zwischen den Rassen.

Die Menge tobt, wenn Matthew Booth auf den Platz läuft. Booth ist Fußballer und der einzige weiße Spieler der südafrikanischen Nationalmannschaft. Deren Fans wiederum sind mehrheitlich schwarz. Da ist es schon etwas besonderes, dass Booth Held der Massen ist.  Die Apartheidpolitik hat über Jahrzehnte Grenzen zwischen Schwarz und Weiß gezogen. Die Regierung bestimmte, wer sich wo aufhalten und wer mit wem Sport treiben durfte. Mannschaften, in denen Schwarze und Weiße zusammenspielten, gab es nicht. Die Schranken sind auch heute, mehr als 15 Jahre nach dem Ende des Unrechtssystems, noch nicht aufgehoben. Auch wenn sich vieles verbessert hat, existiert – gerade im Sport – die Trennung noch in den Köpfen der Menschen.

Erhöhte Polizeipräsenz

Durch Fußball beginnt sich dies nun zu verändern. Weiße Sportfans entdecken den Fußball und damit die Spieler der Fußballnationalmannschaft als Lieblinge für sich. Trotzdem kann der Fußball keine heile Welt zaubern. Die Probleme Südafrikas sind gleichzeitig die Probleme des südafrikanischen Fußballs. Die weltweit höchste Kriminalitätsrate wird auch über die Weltmeisterschaft hinaus ein Thema bleiben. Strenge Kontrollen und erhöhte Polizeipräsenz werden während der Fußball-WM den Besuch der Stadien sicherer machen.

Neunzig Minuten Party

Ganz sicher ist jedoch, dass die Stimmung zur WM fantastisch sein wird. Jedes Fußballspiel in Südafrika ist eine eineinhalbstündige Dauerparty. Die Begeisterung ist aber nicht nur eine Mentalitätsfrage. Für viele Fans sind die neunzig Minuten im Stadion eine Flucht aus der Armut und ein Ausflug in eine bessere Welt, in der auch Underdogs gewinnen können. Als die Tickets in den freien Verkauf gingen, standen die Menschen stundenlang für Karten an. Das im Vorfeld gezeichnete Horrorszenarium, dass die Spiele in halbleeren Stadien ausgetragen werden, wird nicht eintreten. Zwar kommen weniger Ausländer als erwartet zu den Spielen, dafür aber umso mehr Südafrikaner.

Schon als sich die südafrikanische Nationalmannschaft beim Confederations Cup im Sommer 2009 überraschend den vierten Platz sicherte, herrschte ausgelassene Partystimmung. Mit Vuvuzelas – langen Trötröhren aus Plastik oder Blech – sorgten die Fans für ohrenbetäubenden Lärm. Manchen europäischen Spielern und Trainern war der Lärmpegel schlichtweg zu hoch. Sie forderten für die Weltmeisterschaft ein Verbot der Vuvuzelas.

Die Vuvuzelas gehören dazu

Südafrikas Fußballfans waren entsetzt. Mangelnden Respekt vor afrikanischen Fußballtraditionen warfen sie den Europäern vor. Schließlich gehören die lärmenden Tröten unverzichtbar zum Fußball am Kap. Und sogar der Vorwurf des Rassismus kam in Spiel.

Bevor sich das Wortgefecht um die Vuvuzelas ausweiten konnte, schaltete sich die FIFA ein und sprach ein Machtwort: Selbstverständlich seien die Vuvuzelas erlaubt, hieß es vom internationalen Fußballverband, und jeder könne in den Weltmeisterschaftsstadien so viel Lärm machen wie er wolle.

Das ist gut für Matthew Booth. Denn so kann er sicher sein, dass das Stadion auch während der Weltmeisterschaft 2010 toben wird, wenn er das Spielfeld betritt.

Sicherheit geht vor

Die Sicherheitslage in Südafrika beschäftigte im Vorfeld der Fußball-WM viele Fans. Südafrika hat eine der weltweit höchsten Kriminalitätsraten, und das wird sich auch bis zur Fußballweltmeisterschaft nicht ändern. Vor allem in den Großstädten und ihren Randgebieten sei die Kriminalitätsrate hoch. Trotzdem sollte das kein Grund sein, das Land am Kap nicht zur bereisen. Die meisten Gewaltverbrechen werden in den Townships begangen. Eine Delegation des Deutschen Bundestages kam bei einem Südafrika-Besuch im April zu dem Ergebnis, dass die Sicherheitsvorkehrungen zur WM höchsten Ansprüchen genügten. Zur WM wurden mehr als 55 000 zusätzliche Polizisten eingestellt. Insgesamt werden fast 200 000 Polizisten während der Weltmeisterschaft für Sicherheit sorgen. Und Unterstützung aus Deutschland wird es ebenfalls geben. Immer wenn die Nationalmannschaft spielt, werden fünf deutsche Beamte vor Ort Dienst tun. Als helfende Engel für deutsche Touristen, aber auch zur Abschreckung für deutsche Hooligans. http://dpaq.de/Sicherheit_ Suedafrika

 So schützen sich Fußball-Fans in Südafrika
• Die Innenstädte von Johannesburg, Pretoria, Durban und Kapstadt nach Geschäftsschluss meiden. Dort auch keine Vorortzüge nutzen.
• Bei Ausflügen in Nationalparks und zu bekannten Sehenswürdigkeiten keine einsam gelegenen Wanderwege benutzen.
• In der Öffentlichkeit keinen Schmuck tragen, Wertvolles im Hotelsafe lassen.
•Nur in Gruppen ausgehen.
• Mit geschlossenen Fenstern und verschlossenen Türen Auto fahren.
• Townships nur im Rahmen geführter Ausflüge besuchen.
• Alkoholkonsum beschränken. Wer betrunken ist, wird leichter das Opfer einer Straftat.
• Keine Kameras oder andere wertvolle Gegenstände im Auto liegen lassen.
• Taxis nur bei zuverlässigen, bekannten Unternehmen reservieren. Nicht per Anhalter oder mit Minibustaxis fahren.
• Nach Möglichkeit keine Überlandfahrten nach Einbruch der Dunkelheit unternehmen.
• Nicht an Aussichtspunkten oder Rastplätzen Halt zu machen, wenn keine anderen Touristen in Sichtweite sind.
• An Geldautomaten besonders vorsichtig sein.
• Wird man trotz aller Vorsicht doch überfallen, keinesfalls Gegenwehr leisten!

Spielorte der Nationalmannschaft

Durban:  Durban ist ein beliebter Ferienort mit wunderbarem Strand. Baden sollte man wegen der Haigefahr aber nur an überwachten Abschnitten.
Port Elizabeth: Die Stadt selbst bietet kaum Sehenswertes. In der Nähe der Stadt liegen allerdings einige private „Game Reserves“ – private Naturparks – in denen man auf Safari gehen kann. Spektakulär, wenn auch nicht ganz billig, ist ein Urlaub im Shamwari Game Reserve. In den Übernachtungspreisen von 350 bis 800 Euro por Person für die Edellogdes sind alle Mahlzeiten und Ausfahrten zu den Tierbeobachtungen inbegriffen.  www.shamwari.com
Johannesburg: Das Apartheidmuseum in Johannesburg gehört zu den interessantesten Museen des Landes und dokumentiert auf eindringliche Weise die Zeit der Rassentrennung in Südafrika.  Apartheidmuseum, Northern Parkway/Gold Reef Road, Ormonde, Johannesburg, Tel.: 00 27 / (0)11 309 4700, Di – So 10 -17 Uhr, www.apartheidmuseum.org
Geführte Radtour durch Soweto: Die mit Sicherheit intensivste Art Südafrikas bekanntestes Township kennenzulernen. † Soweto Backpackers, 10823A Pooe Street, Orlando West, Soweto, Tel.: 00 27 / (0)11 936 34 44, www.sowetobackpackers.com

Gesundheit

Impfungen sind nicht vorgeschrieben Bei der Einreise aus Deutschland sind keine Pflichtimpfungen vorgeschrieben. Südafrika ist Malariagebiet, allerdings ist das Risiko je nach Region unterschiedlich hoch. Als Risikogebiete gelten das Tiefland im Norden und Osten der Nord-Provinz und im Osten von Mpumalanga (inkl. Nationalparks), sowie die Region KwaZulu-Natal, in der auch der Krüger Nationalpark liegt. Im südafrikanischen Winter, also der Zeit der Fußball-WM, ist das Malariarisiko generell stark vermindert. Reisende sollten sich bewusst sein, dass die Rate der HIV-Infizierten bzw. der AIDS-Kranken extrem hoch ist. Etwa zwanzig Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Das Niveau der medizinischen Versorgung in Südafrika ist insgesamt gut. Die privaten Krankenhäuser in den großen Städten haben europäisches Niveau. Für ärztliche Leistungen und Krankenhausbehandlung muss grundsätzlich Vorauskasse geleistet werden.

Allgemeine Infos

Adressen: South African Tourism, Friedensstraße 6 -10, 60311 Frankfurt, Tel.: 08 00 / 11 89 1 18 (kostenfrei), www.dein-suedafrika.de www.southafrica.net
Anreise: Die südafrikanische Fluglinie South African Airways (www.flysaa.com) fliegt täglich von Frankfurt nach Johannesburg.
Südafrikanischer Fußballverband: www.safagoal.net
Offizielle Homepage der FIFA zur Fußballweltmeisterschaft: http://de.fifa.com/worldcup

Von Rasso Knoller

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