Klöster bieten himmlische Ruhe – und manchmal auch Aquafitness und Hanteltraining

Geborgenheit statt Luxus

Mein Reisewecker fühlt sie zuerst, die Entschleunigung. Um zehn nach sieben bleibt er stehen. Da sind die „Laudes“ schon vorbei. Zum Tautreten aber reicht es noch vor dem Frühstück. Ja, wir sind in einem Kloster – das lange auch Kneipp-Sanatorium war. Vor zehn Jahren haben die Dominikanerinnen von Arenberg bei Koblenz sich umorientiert und bieten ihren Gästen ganzheitliche Fürsorge unter dem Motto „Erholen, begegnen, heilen“. Um Bedürftige kümmern Nonnen sich von jeher, aber „heute ist die Armut eine andere“, sagt Schwester Beatrix, die das Gästehaus leitet: „Viele Menschen sind ausgebrannt“. Und kommen, um herauszufinden: Was tut mir wirklich gut?

Bedeutet das, hinter dicken Mauern in kalten, dunklen Zellen zu schweigen? Nein. Schon das Foyer vermittelt Helligkeit und Weite durch viel Glas und freundliche Farben. Verschiedene Ebenen ermöglichen ungestörte Gespräche. Die Zimmer sind modern eingerichtet, das Büffet dreimal am Tag gut und lecker bestückt. Wer will, kann in einem Schweigeraum sich ganz aufs Essen konzentrieren.

Im Vitalzentrum massieren Physiotherapeutinnen mit warmen Kräutersäckchen das Gesicht, bereiten Farblicht-Bäder und Kneipp-Güsse vor. Geistige Ruhe findet der eine in der gemeinsamen Meditation, der andere beim Schlendern durch den weitläufigen Park.

Esoterik ist tabu

Wenn in Arenberg „Spirituelle Impulse“ gegeben werden, sind die natürlich christlich geprägt. Aber: „Wir schauen nicht auf die Konfession und missionieren auch nicht“, betont Schwester Beatrix. Nur Esoterik sei tabu.

Dass Kloster Arenberg einen neuen Weg wagte und nicht wie andere wegen Insolvenz schließen musste, ist einer Unternehmensberatung zu verdanken – vor allem aber dem Pioniergeist der Schwestern. Der Altersdurchschnitt ist hoch. Aber spielt das eine Rolle, dort, wo 90-Jährige noch Excel lernen?

„Der Abt ist mein Chef“, sagt Steffen Melzow. Ungewohnte Worte aus dem Mund eines Vier-Sterne-Hoteldirektors. Tatsächlich ist das Seehotel ein Betrieb der Benediktinerabtei Maria Laach. Wie Begrüßungscocktail und Psalmengesang miteinander harmonieren, erfährt man beim Hotelangebot namens „Laacher Einsichten“. Wer es besinnlicher mag, kann sich direkt im Kloster einmieten.

Mit 200 Mitarbeitern in zwölf Betrieben ist Maria Laach – auch – Wirtschaftsunternehmen. Schon immer waren die Werkstätten ein Schwerpunkt, denn „Glaube und Kunst befruchten einander“, weiß Pater Johannes. In der Töpferei kann man das selbst erproben – und ein tönernes Kunstwerk mit nach Hause nehmen. Oder zumindest ein Stück Lebensweisheit. „Nach einem Misserfolg“, so Bruder Kilian, „macht man einen Klumpen und fängt von vorn an.“

Von Cornelia Raupach

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.