Hier haben auch Anfängerinnen Anglerglück

Fliegenfischen in der norwegischen Provinz: Geduld und der richtige Wurf

Snorre hat Geduld. Viel Geduld. „Geraldine, du musst den Arm fest am Körper halten. Nur den Unteram vor- und zurückbewegen und dir eine Uhr vorstellen. Dann nimmst du die Angelrute bei acht Uhr auf, schwingst sie auf ein Uhr zurück und wirfst sie auf halb elf nach vorne“, ruft er gegen den Wind, während Geraldine sich abmüht, beim Hin- und Herschwingen keinen Knoten in die Schnur zu bekommen.

Claudia, Geraldine, Karen und Alexandra, vier Frauen aus Deutschland, üben auf einer grünen Wiese am Ufer der Trysileva die richtige Wurftechnik fürs Fliegenfischen. Trysil, drei Autostunden von Oslo entfernt, ist ein gutes Angelrevier für Forellen, Äschen, Felchen und Hechte. Snorre Grønnæss ist Lehrer und seit zwölf Jahren auch Fliegenfischer-Guide. Zum ersten Mal gefischt haben soll er bereits mit drei Jahren. An diesem Wochenende setzt er alles daran, die vier Lernwilligen in die hohe Kunst des Fliegenfischens einzuweihen.

Eine Weltmeisterin im Fluss

Vor der Hütte mit Blick auf die Trysilelva erwartet der Guide die vier Frauen am nächsten Vormittag. Er verteilt Wathosen, Schirmmützen und Polarisationsbrillen. „Um sich vor Verletzungen beim Werfen der Fliege zu schützen, sollte man immer eine Brille und eine Mütze tragen“, rät er. Fertig ausgestattet traben die angehenden Fliegenfischerinnen hinunter zum Fluss. Langsam tasten sie sich auf den glitschigen Steinen weiter ins Wasser hinein. Nacheinander werfen sie ihre Angelruten aus, wie sie es am Tag zuvor gelernt haben.

Einige hundert Meter stromaufwärts versucht noch eine Frau ihr Glück. Es ist Torill Kolbu, die erste Norwegerin, die schon vor vielen Jahren die Männerdomäne Fliegenfischen eroberte. Richtig bekannt wurde das Fliegenfischen in Europa 1992 durch Robert Redfords Film „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“. Er erzählt die Geschichte zweier charakterlich ungleicher Brüder, die nur die Liebe zum Fliegenfischen verbindet. Zu diesem Zeitpunkt ist Torill längst Weltmeisterin im Fliegenbinden. Vier Jahre später gewinnt die heute 45-Jährige die norwegische Meisterschaft im Fliegenfischen.

Auf den Fisch zugehen

„Ihr müsst aufs Wasser und nicht in die Luft schauen“, ruft Snorre vom Ufer aus den noch erfolglosen Frauen zu: „Ihr müsst auf den Fisch zugehen. Der Fisch kommt nicht zu euch.“ Geduldig lassen die vier immer wieder die Schnur um ihren Kopf schwirren und auf dem Wasser tanzen.

Fliegenfischen in Norwegen

„Hier zappelt etwas“, kreischt es plötzlich von der Mitte des Flusses. Snorre greift zur Kamera und zum Watstock und eilt der Fischerin zur Hilfe. Es ruckt an der Schnur. Tatsächlich. Bei Claudia hat eine kleine Äsche angebissen. „Bitte kurz fürs Erinnerungsfoto in die Luft halten.“ Und schon schwimmt der Fisch wieder im Wasser und wartet auf die nächste Fliege.

Von Dagmar Krappe

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