Gefahren werden statt fliegen

Gefragt: Busreisen liegen im Trend. Foto: dpa

Busreisen gelten oft als angestaubte Seniorenveranstaltung von vorgestern. Doch inzwischen nehmen viele Reisende wieder den Bus – und schonen dabei nicht nur ihr Konto, sondern auch das Klima.

„Die Leute sind während der Wirtschaftskrise eher in Deutschland geblieben“, sagt Ulrike Münzner, Touristik-Referentin beim Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (BDO) in Berlin. „Und bei Kurzreisen hat der Bus eher die Nase vorn im Vergleich etwa zum Billigflieger.“

Dieter Gauf vom Internationalen Bustouristik Verband RDA in Köln teilt diese Einschätzung: „Was funktioniert, sind Themen- und Eventreisen“, sagt der RDA-Sprecher. Auch das Reiseziel England laufe gut – hier seien etwa die „Rosamunde Pilcher“-Themenreisen ein Renner. Gut gebucht würden darüber hinaus kombinierte Flug-Busreisen, bei denen die Teilnehmer mit dem Flieger anreisen und dann im Bus die Urlaubsregion erkunden.

Schwer tun sich laut Gauf dagegen Busunternehmen, die weiter traditionelle Busreisen anbieten. Möglicherweise liegt das mit daran, dass die beliebtesten Ziele von Busreisenden inzwischen andere sind als die der übrigen Urlauber. Denn während etwa bei Last-Minute-Anbietern nach wie vor die Mittelmeerziele stark nachgefragt sind, zieht es Bustouristen inzwischen eher gen Osten. „Die östlichen Länder sind im Vormarsch“, sagt Ulrike Münzner. Hier lägen Polen und Tschechien vorn. Busreisen ans Mittelmeer gingen dagegen zurück.

Busurlauber achteten inzwischen verstärkt auf das Programmangebot am Urlaubsort, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Freizeit und Gruppenaktivitäten und eine gute Reiseorganisation und -leitung des Veranstalters. Auch der Service im Bus und die Qualität der Fahrzeuge seien den Reisenden wichtig, so die Gütegemeinschaft Buskomfort (gbk). Den Markt dominierten „anspruchsvolle Verbraucher“.

Auf diesem Markt spielen junge Menschen laut der gbk eine immer größere Rolle. Zwar seien Ältere bei Busreisen noch immer überproportional vertreten – 74 Prozent der Buskunden seien älter als 50 Jahre, und 50 Prozent mache allein die Generation 60plus aus. „Doch daneben zeichnet sich ein neuer Trend ab: Der Bus wird zum Kultfahrzeug der Teenager“, heißt es. Immer mehr junge Menschen begeisterten sich für das Verkehrsmittel, fast ein Drittel aller Urlaubsfahrten seien inzwischen Kinder- und Jugendreisen.

Nicht zuletzt deshalb ist Dieter Gauf vom RDA überzeugt, dass sich in Zukunft bei den Event-Busreisen noch viel tun wird. „Das kommt dem Trend zu kürzeren Reisen entgegen.“ Hier sei der Bus flexibler als das Flugzeug.

Neue Impulse für den Markt verspricht er sich auch von der geplanten Einrichtung neuer Fernbuslinien: „Der Fernlinienverkehr ist für Verbraucher sicher interessant.“ Schließlich belebe Konkurrenz zur Bahn das Geschäft. Gerade die Vernetzung mittelgroßer Städte, die über keine guten Zugverbindungen verfügen, sei „eine Chance für den Bus“, so Gauf. „Es könnte sein, dass Verbraucher öfter auf den Bus umsteigen.“ (tmn)

Freizeittipps und Busreisen.pdf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.