Alle Flüge überraschend anulliert

Streik in Tunesien: Was Urlauber wissen müssen

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Urlaubsort Sousse in Tunesien.

In Tunesien hat ein Generalstreik den Flugverkehr lahmgelegt. Das dürfte manchem Urlauber den Start in die Ferien vermiest haben. Andere sitzen jetzt in dem Land fest. Welche Rechte haben Betroffene?

Wegen des Generalstreiks in Tunesien mussten am Freitag fast alle Flüge von und nach Tunesien annulliert werden. Wer seinen Flug bei einer europäischen Airline gebucht hat, bekommt entweder den Flugpreis zurückerstattet oder kann von der Fluggesellschaft eine Ersatzbeförderung verlangen - zum Beispiel mit einem späteren Flug. Das erklärte Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg. In diesem Fall muss die Airline auch für eine eventuell nötige Unterbringung der Reisenden und Verpflegung sorgen. Eine Ausgleichszahlung steht ihnen jedoch nicht zu, da es sich bei einem Generalstreik um höhere Gewalt handelt.

Pauschalurlauber, die in Tunesien festsitzen, weil ihr Rückflug gestrichen wurde, müssen sich laut Fischer-Volk an ihren Reiseveranstalter wenden. In diesem Fall müssen Kunden allerdings Kosten für weitere Übernachtungen selber tragen. Eventuelle Mehrkosten für den Rücktransport teilen sich Urlauber und Reiseveranstalter. Wer aufgrund des Streiks den Urlaub in Tunesien erst später antreten kann, könne beim Veranstalter einen Reisemangel geltend machen. Falle die komplette Reise aus, bekomme der Urlauber den Reisepreis zurück. Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden könne er jedoch nicht verlangen.

Tunis Air hat sämtliche Flüge nach Tunesien am Freitag annulliert. „Nach aktuellen Informationen starten die Flieger am Samstag wieder normal“, sagt eine Sprecherin. Am Airport in Hamburg wurden ein Flug nach Tunis um 11.00 Uhr und ein Flug nach Djerba um 11.30 Uhr gestrichen. Zwei Maschinen aus den beiden Städten, die eigentlich um 10.05 Uhr und um 10.40 Uhr in Hamburg hätten landen sollen, flogen ebenfalls nicht. „Das kam für uns überraschend“, sagte eine Flughafensprecherin.

Auch am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main kam am Freitag zunächst kein Flieger aus Tunesien an, keiner hob ab. Insgesamt vier Flüge fielen wegen des Streiks am Donnerstagabend und am Freitag aus. Freitagmittag war nach Lufthansa-Angaben noch unklar, ob auch die Maschine, die um 22.15 Uhr nach Tunis fliegen sollte, am Boden bleibt. „Das entscheiden wir im Laufe des Tages“, sagte eine Mitarbeiterin.

Hintergrund für den Generalstreik ist der Mord am tunesischen Oppositionspolitikers Mohamed Brahmi. Mehrere Gewerkschaften haben zu einem eintägigen Generalstreik aufgerufen.

Das Auswärtige Amt in Berlin rät Reisenden, Menschenansammlungen und öffentliche Plätze in den großen Städten zu meiden. Zudem sollten Urlauber besonders wachsam sein und die lokale Medienberichterstattung verfolgen.

Bei Streik: Ihre Rechte als Passagier

Es ist eine Horrorvorstellung für Passagiere: Ein Streik am Flughafen legt den ganzen Betrieb lahm. Der Start in den Urlaub verzögert sich, oder die Rückreise. Das sollten Betroffene wissen: © dpa
Fällt ein Flug wegen eines Streiks aus, muss die Airline schnellstmöglich eine Ersatzbeförderung organisieren. Außerdem ist sie verpflichtet, gestrandete Passagiere bei längeren Verspätungen mit Essen und Getränken zu versorgen. © dpa
Was passiert, wenn ich am Flughafen gestrandet bin? Der Veranstalter oder die Fluggesellschaft muss gestrandete Kunden betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. © dpa
Passagiere haben Anspruch auf Essen und Getränke, meist erhalten sie dafür Gutscheine. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline oder der Veranstalter die Übernachtung in einem Hotel übernehmen. © dpa
Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel? Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen fordern. Urlauber sollten aber nicht aus Verärgerung ohne Rücksprache einfach ein Zugticket buchen. © dpa
Ab der fünften Verspätungsstunde hat der Fluggast außerdem das Recht, das Ticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen. © dpa
Was bedeutet Ersatzbeförderung genau? Die Fluggesellschaft oder der Reiseveranstalter müssen ihre Passagiere schnellstmöglich ans Ziel bringen. Bei kürzeren Streiks ist ein Abwarten üblich. Bei längerer Störung des Flugbetriebes müssen die Airlines und Reiseversanstalter die Kunden mit der Bahn oder Bussen zu anderen Flughäfen bringen und von dort aus zum gewünschten Ziel.  © dpa
Habe ich bei Streik Anspruch auf eine Entschädigung? Nein. Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter sind nicht dafür verantwortlich, wenn wegen eines Streiks vom Sicherheitspersonal oder der Fluglotsen Flüge ausfallen. © dpa
Es handle sich um einen Fall höherer Gewalt. (wie auch bei einer Aschewolke) Denn Sicherheitspersonal ist weder bei einer Fluggesellschaft noch bei einem Veranstalter angestellt. Bei einem solchen “Drittstreik“ steht Urlaubern daher keine Entschädigung zu, wie sie eine EU-Verordnung zu Flugausfällen vorsieht. © dpa
Wie sieht es bei einer Pauschalreise aus? Fraglich ist, ob der Veranstalter seine Leistungspflichten erfüllt hat. Die Gründe für ein Nichterfüllen spielen keine Rolle. Sitzen Reisende zum Beispiel zwei Tage am Flughafen fest, statt am Strand zu liegen, können sie den Reisepreis entsprechend mindern. © dpa
Handelt es sich um eine Kurzreise, können sie sogar von der Reise kostenlos zurücktreten. Schadenersatz wegen vertaner Urlaubszeit gibt es jedoch nicht. © dpa

dpa

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