Der Loire-Radweg ist komplett – 800 Kilometer entlang des letzten wilden Flusses in Europa

Genuss auf zwei Rädern

Frisch, fruchtig, lecker. Wie gut der berühmte Sancerre-Weißwein wirklich schmeckt, weiß man erst, wenn man ihn auf einer Uferwiese der Loire trinkt und dazu ein Stück herzhaften Ziegenkäse aus der Hand isst.

Kunststück, der Käse wird in der Region der westlichen Loire hergestellt, der Wein natürlich rings um das kleine, namensgebende Örtchen hoch oben auf einem Berg angebaut. Wie diverse andere, ebenso gute Weißweine, aber auch ein würziger Pinot Noir und ein spritziger Rosé. Seit diesem Frühjahr kann man das Genusserlebnis perfekt machen, indem man die Gegend per Fahrrad erkundet. Nach zehnjähriger Bauzeit ist der Loire-Radweg nun komplett.

Kein Autoverkehr. Rechts Weinhänge, Felder und Wiesen, links Europas letzter wilder Fluss; flach mit vielen Sandbänken, die immer neue Inseln formen. Weil der Strom hier, im Naturreservat zwischen La Charité-sur-Loire und Tracy-sur-Loire, nie eingedeicht oder begradigt wurde, führt der Radweg mitunter auch weiter vom Wasser weg – was jedoch nicht stört, da die Landschaft überall wunderschön ist.

Seit dem Jahr 1926 wird die Loire nicht mehr beschifft und man hat es aufgegeben, sie ständig neu auszubaggern. Im Naturreservat bedeutet das einen großartigen Reichtum an Flora und Fauna. Dort setzen den Bäumen nur die Biber zu, den nistenden Kleinvögel nur ihre raubenden Artgenossen.

„Ist das ein Luxus.“ Guillaume Martins verbringt seine Arbeitstage am Steuer eines Kleinbusses und man sieht ihm an, wieviel lieber ihm die frische Luft am Fluss ist, die Fortbewegung nur mithilfe der eigenen Muskelkraft. Das Freizeitradeln wird von den meisten Franzosen gerade erst entdeckt, bislang betrieb man eher ehrgeizig Sport mit schnellen Rennrädern.

Keine Steigungen, aber Wind

Die flache Strecke entlang des Flusses stellt auch Rad-Ungeübte vor keine zu großen Herausforderungen. Der Wind allerdings scheint ständig von vorn zu kommen. Yvan Thibaudat, unser Guide, lacht: „Wer dem entkommen will, sollte die Strecke von West nach Ost fahren, wie die Seefahrer früher mit dem Wind.“

Aha-Erlebnis zwei Tage später im Schifffahrtsmuseum im Châteauneuf-sur-Loire, wo es um die Geschichte des ehemals wichtigen Verkehrsweges geht. Waren aus aller Welt wurden vom Atlantik kommend über die Loire und ihre Seitenwege und -kanäle ins reiche Orléans gebracht.

Die Stadt mit dem klangvollen Namen, die in diesem Jahr stolz den 600. Geburtstag der Jeanne d’Arc begeht, war durch die Jahrhunderte hinweg stets bedeutend. Das sieht man nicht nur an der imposanten Kathedrale, sondern auch an den breiten Boulevards, den Plätzen und der ausgedehnten Altstadt, die seit 2002 zum Unesco-Weltkulturerbe zählt. Hier gibt es noch eine Kirche aus dem 12. Jahrhundert und Häuser aus dem 14., 15. und 16. Jahrhundert. Größtenteils behutsam saniert, schmiegen sie sich eng aneinander. Viele von ihnen beherbergen Geschäfte, Galerien, Cafés, Restaurants, Weinstuben. Auch hier kann der Sancerre wunderbar munden. Wenngleich natürlich nicht ganz so phänomenal wie am Ufer der Loire.

Von Beate Baum

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