Auf den rheinischen Spuren des Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné

Der gerahmte Blick

Hier flanierten Könige und Präsidenten: Blumenpracht im Barockgarten von Schloss Augustusburg in Brühl. Fotos: Raupach

Wohnen am Wasser ist angesagt. Und am romantischen Rhein geht man besonders gern vor Anker. So dachte nicht nur Thomas Gottschalk, als er ein Schloss hoch über Remagen kaufte. Auch der junge Kronprinz Friedrich Wilhelm verliebte sich 1815 auf einer Rheinfahrt in eine Immobilie mit Blick auf den Fluss: ,,O dio, dies ist die schönste Gegend von allen deutschen Landen“, soll er gerufen haben. Allerdings bekam Friedrich Wilhelm, im Gegensatz zu Gottschalk, der Millionen investierte, sein Traumobjekt von der Stadt Koblenz geschenkt: die Burgruine Stolzenfels. Als König von Preußen, der Vierte seines Namens, ließ er sie von Architekt Schinkel zum Schloss umbauen.

Blickachsen und Sichtfenster

Stolzenfels ist ein guter Startpunkt zur Erkundung der mittelrheinischen Gärten und Parkanlagen. Sie sind Weltkulturerbe – und eng mit dem Namen Peter Joseph Lenné verbunden. Quasi Regisseur der Landschaft, behielt der Gartenkünstler stets das Gesamtbild aus Natur und Architektur im Blick, fühlte sich als Maler und Bildhauer, der mit Licht und Schatten, Farben und Formen spielte.

Lenné steht für ,Blickachsen und Sichtfenster. An jeder Wegbiegung des Aufstiegs nach Stolzenfels, von den Rheinauen durchs dunkle Tal zu blühenden Schlossgärten, wird der Spaziergänger überrascht von unterschiedlichen Perspektiven auf Schloss, Park, Fluss, Burg Lahneck und die Marksburg am anderen Rheinufer.

Rheinabwärts Richtung Bonn, der Geburtsstadt von Peter Lenné, fällt am Ziel, Schloss Augustusburg in Brühl, die Entscheidung schwer: das prächtige Rokoko-Treppenhaus von Balthasar Neumann bestaunen oder gleich hinaus in den Garten mit seiner filigranen Architektur? Für die Staatsgäste der Bonner Republik wurde hier, im ehemaligen Schloss der Kölner Kurfürsten, der rote Teppich ausgerollt. Gartenkünstler Lenné hat in Brühl mitgestaltet und – wie überall, wo er wirkte – das, was er vorfand, respektiert und Barockes in die Pläne integriert. Rings ums Schloss verwandelte er den einstigen Wild- in einen englischen Landschaftspark – für alle.

Austellung in Koblenz

So sehr Parkpflegewerke sich um Rekonstruktion bemühen: Vieles bleibt der Vorstellungskraft überlassen. Doch in der Koblenzer Ausstellung ,,Peter Joseph Lennéf– Eine Gartenreise im Rheinland“ rundet sich das Bild, wird Peter Lennés Geist lebendig. Gartenfreund Goethe bringt’s auf den Punkt: ,,Ich möchte wohl mit einem solchen Mann das Feld durchwandern.“

Von Cornelia Raupach

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