Der Bahnhof hat mit einer modernen Verkehrsstation nicht viel gemein

Bahnhof Bebra: Glanzvoll – das war einmal

Gestern und heute: Der alte Lokschuppen mit seiner Drehscheibe erinnnert an das historische Erbe des Bebraer Bahnhofs. Am Gleis gegenüber fahren die Intercity-Züge ab. Alle Fotos:  Gottbehüt

Bebra. Du bist keine Schönheit, vor Arbeit ganz grau – so textete einst Herbert Grönemeyer in seiner liebevollen Hommage an seine Heimatstadt Bochum. Mit dem Bebraer Bahnhof sieht das ganz ähnlich aus.

Er hat wahrlich bessere Zeiten erlebt – und das ist auf dem riesigen Bahnhofsgelände, das mitten im Herzen der Bebraer Innenstadt liegt, vielerorts noch spürbar.

Doch das ist auch schon das Positivste, was Reisende und Pendler erfahren, wenn sie am Bebraer Bahnhof ein-, aus- oder umsteigen. Denn die Deutsche Bahn AG hat es bislang ganz offensichtlich versäumt, den Glanz vergangener Tage dort wieder aufzupolieren. Von einem, an den Maßstäben einer modernen Verkehrsstation gemessenen Zustand, ist der Bebraer Bahnhof in vielen Bereichen weit entfernt.

Nicht eine Toilette

Das fängt bei den nicht barrierefreien Zugängen zu den Bahnsteigen an – Rollstuhlfahrer finden dort keinerlei Behindertenfreundlichkeit vor – und gipfelt in dem Umstand, dass es nicht eine einzige öffentliche Toilette im gesamten Bahnhofsbereich gibt. Dass daher gelegentlich die Notdurft in der Unterführung verrichtet wird, bleibt nicht aus und gibt dieser – neben ihrem an vielen Stellen baufälligen Charme – zudem eine besondere (Duft-) Note.

Treppab, treppauf

Für Reisende mit großem Gepäck beginnt die Fahrt in Bebra beschwerlich: Treppab und treppauf müssen sie ihre Koffer wuchten, um zu den Zügen zu gelangen. Weder ein Fahrstuhl, noch eine Rampe gibt es zur Erleichterung. Die dafür grundsätzlich vorhandenen Kofferbänder stehen seit Jahren still. „Gepäckband außer Betrieb“ steht schlicht auf Zetteln über den Schildern, die erklären, wie sie eigentlich zu benutzen sind.

Auch Schließfächer oder abschließbare Fahrradboxen gibt es nicht. Zwei überdachte Fahrradständer bieten links neben dem Haupteingang zumindest Wetterschutz für Zweiräder. Beim Diebstahlschutz: Fehlanzeige. „Keine Haftung bei Diebstahl oder Beschädigung“, steht auf einem verblassten Schild an den Ständern, die insgesamt äußerst marode wirken.

Traurig ist auch der Zustand des zentralen Bahnhofsgebäudes. Komplett leer und verlassen steht der imposante Bau, dessen Hauptteil aus dem Jahr 1856 stammt. Angebote jedweder Art darin – Fehlanzeige. Kein Wartesaal, keine Bahnhofsgaststätte stehen dort für Fahrgäste bereit – das Gebäude ist verschlossen.

Die Grundversorgung für Speisen, Getränke oder Zeitungen sichert in Bebra allerdings ein Bahnhofskiosk. Eine heiße Bockwurst mit Senf und Brötchen gibt es dort für 1,50 Euro – die Tasse Kaffee kostet 80 Cent. Direkt gegenüber liegt der Fahrkarten- und Informationsschalter, der nach dreimonatiger Pause seit Mitte Juli inzwischen wieder geöffnet hat. Davor befindet sich ein kleiner Wartebereich.

24 Stunden geöffnet

Zudem gibt es einen Fahrkartenautomaten, der am Bahnhofseingang an der Westseite Fahrgäste mit Tickets versorgt. Mülleimer sind – wenn auch nicht gerade in großer Zahl – vorhanden. Doch das scheint auszureichen, denn der Bahnhof, der rund um die Uhr geöffnet ist, wirkt zwar in die Jahre gekommen, ist aber sauber und nicht zugemüllt. Auch die Uhren an den Bahnsteigen gehen genau. Eine freundliche Stimme sagt per Lautsprecherdurchsage Verspätungen an und auch Anzeigetafeln über den Bahnsteigen informieren die Reisenden über die Ankunft der Züge.

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