Das Glück am Gipfel

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Geschafft: Die Gruppe am Gipfel des Rosskopfes, der zweite Berg der Tour in 2300 Metern Höhe. Auf dem Wetterkreuz wurde vor lauter Glückseligkeit das Gruppenfoto am Gipfelkreuz vergessen.  

Bergführer Franzl muntert uns auf. „Ihr müsst Euren Rhythmus finden, dann geht’s wie von allein“, erklärt er den unerfahrenen Bergwanderen, deren Pulsfrequenz bei Anstiegen bis zu 17 Prozent Steigung beachtliche Höhen erreicht. „Macht kleine Schritte im langsamen Tempo und versucht, gleichmäßig zu atmen. Durch die Nase ein, durch den Mund aus.“ Leicht gesagt, wenn schon die Schnappatmung eingesetzt hat und der Weg zum Gipfelkreuz noch lang ist. Wir sind im vorderen Ötztal unterwegs. In Oetz gestartet ist unser Ziel ist das Wetterkreuz in 2591 Metern Höhe.

Nach anfänglicher Skepsis, ob Franzls Tipps tatsächlich etwas bringen, kommt die Erkenntnis: Es funktioniert! Im hochalpinen Gelände, auf schmalen Geröllpfaden kommt auf einmal die Entspannung. Der Puls fährt von der Obergrenze auf ein erträgliches Maß hinunter. Der Schweiß rinnt in Strömen – was nicht wirklich stört. Schließlich ist es ein heißer Tag, im Tal hat’s dreißig Grad. Und dann auf einmal öffnet sich der Geist und das Erlebnis Berg ist perfekt.

Aktivurlauber finden im Ötztal ideale Bedingungen. Gut ausgeschilderte Wege, geologische Lehrpfade und verschiedene Themenrouten lassen keine Wünsche offen. In bewirteten Hütten können Wanderer einkehren und sich für den nächsten Streckenabschnitt stärken.

Auf dem Knappenweg

Motivator: Franzl Gstrein ist topfit und bringt selbst unerfahrene Bergwanderer sicher auf den Gipfel.

Wir sind auf einem Teilstück des Knappenweges unterwegs. Der ausgedehnte Rundweg bietet acht verschiedene Routen mit unterschiedlichen Streckenprofilen und Schwierigkeitsgraden. Er folgt in weiten Teilen den Wegen der Bergleute, die dort ab dem 15. Jahrhundert Silber, Erze und Mineralien abgebaut und ihre Funde zu den Handelsplätzen ins Tal gebracht haben. Wegziele wie etwa das Wetterkreuz (2591 m), der Rosskopf (2300 m) oder das Knappenhaus mit Pochwerk und Museum am Puchersee (2002m), erreicht man von Oetz, Ochsengarten, Mareil oder Kühtai aus. Alle Touren führen in den hochalpinen Lebensraum verschiedener Tiere und Pflanzen. Allgegenwärtig sind die Zirben, die mit ihrem würzigen Duft die Luft erfüllen. Mit etwas Glück sieht man Gämsen, Murmeltiere und den Zirbenhäher. Ganz sicher begegnen einem Schafe, die für die Pflege der hohen Alpenwiesen eingesetzt werden und vorbeikommende Wanderer um Leckereien aus Rucksäcken und Taschen anbetteln.

Schritt für Schritt erklimmen wir den Gipfel. Auf dem Weg erfahren wir Interessantes über Flora und Fauna, denn Franzl ist nicht nur ein hervorragender Motivator, sondern kennt sich auch bestens in seiner Bergheimat aus.

Dann ist der Gipfel zum Greifen nah. Nur noch ein kleines Schneefeld und ein letzter Aufstieg trennen uns vom Ziel. Schließlich ist das Gipfelkreuz erreicht, das Glück am Berg perfekt. Das Gefühl ist unbeschreiblich. Geschafft! Körperlich erschöpft aber mental gestärkt und entspannt. So werden Flachlandtiroler zu echten Bergfexen.

Alpen, Action, Adrenalin: Die Area 47 ist eine spektakuläre Abenteuer-Spielwiese

Alle, denen die Adrenalinausschüttung bei einer Bergtour nicht genügt, können im Tal bleiben und stattdessen die Area 47 besuchen. Die im Mai dieses Jahres eröffnete Erlebniswelt bietet jede Menge Action mit Alpenpanorama. Doch Vorsicht: Auch jene, die von sich denken, schwindelfrei und auch sonst hart im Nehmen zu sein, können dort schnell an ihre Grenzen stoßen.
In der Area, deren Name sich von ihrer Lage am 47. Breitengrad ableitet, jagt ein Rekord den anderen. An der Achbrücke schraubt sich die höchste Kletterwand des Landes nach oben und Österreichs höchster Springturm bringt es auf stolze 27,5 Meter. Wer nicht springen möchte, kommt auf der steilsten Wasserrutsche wieder nach unten. Ihr Gefälle beträgt immerhin sechzig Prozent. Das sind nur einige der rund 35 Sportarten und Attraktionen, die in dem 66 000 Quadratmeter großen Park geboten werden. Rund 14 Millionen Euro haben sich die Investoren das neuartige Projekt am Zusammenfluss von Inn und Ötztaler Ache kosten lassen.

Auf Baumstämmen hoch über dem Tal

Die beiden Flüsse sind die Reviere für wilde oder ein wening sanftere Raftingtouren. Im Hochseilgarten der Climbing Area balanciert man über schwankende Baumstämme und Affenschaukeln. Das dünne Drahtseil, an dem man sich einhängt, garantiert Sicherheit, hilft aber nicht wirklich gegen weiche Knie und das flaue Gefühl im Magen. Schließlich schwebt der Kletterparcours unter einer Straßenbrücke, die in 27 Metern Höhe die Ötztaler Ache überquert. Auch für einen eindrucksvollen Abgang ist gesorgt: Mutige schwingen sich an der Liane quer über den Fluss oder betrachten vom 400 Meter langen Flying Fox aus die Area 47 aus der Vogelperspektive.
„Wir sind Europas trendigste, verrückteste und sportlichste Spielwiese für Besucher jeder Altersgruppe“, beschreibt Geschäftsführer und Initiator Hans Neuner den Park.
Übringens: Wer nicht auf Adrenalinschübe und zittrige Beine aus ist, kann in der Area 47 auch einfach nur am Badesee liegen und nebenbei den Tollkühnen zuschauen, die sich mit BMX-Rädern, Trickskiern oder Snowboards die Wasserschanze hinab ins kühle Nass stürzen. Oder man besucht eines der Konzerte, die in der Event Area veranstaltet werden.

Reisetipps und Informationen

Bergwandern: Unerfahrene sollten nicht ohne einen Bergführer aufbrechen. Dieser sorgt nicht nur für Sicherheit und den richtigen Weg, sondern erzählt auf der Tour auch noch viele interessante Geschichten. Feste Wanderschuhe, Funktionskleidung nach dem Zwiebelprinzip, ausreichender Sonnenschutz, eine Kopfbedeckung und Verpflegung sowie Wasser für unterwegs sind nötig.
Wanderführer: Franzl Gstrein, Landhaus Gstrein (direkt an der Talstation in Oetz), Angerweg 1, A-6433 Oetz, Tel.: 00 43 / 52 52 / 68 02 30,
www.landhausgstrein.at
Wellness und Entspannung: Aqua Dome, Tirol Therme Längenfeld, www.aqua-dome.at
Einkehren: Neue Bielerfelder Hütte, Hochoetz, Tel.: 00 43 / 52 52 / 69 26,
Allgemeine Auskünfte: Ötztal Tourismus, Gemeindestraße 4, A-6450 Sölden, Tel.: 00 43 / 5 72 00, www.oetztal.com
Almenregion Hochoetz, Angerweg 13, A-6433 Oetz, Tel.: 00 43 / 52 52 / 63 85, www.hochoetz.at
Area 47

Anfahrt: Die Area 47 liegt am Eingang des Ötztals zwischen Haiming, Sautens und Roppen. Mit dem Auto fährt man auf der Inntal-Atuobahn bis zur Abfahrt Ötztal, dann auf die Ötztal-Bundestraße B 186. Mit dem Zug fährt man bis zum Ötztal-Bahnhof und von dort mit dem kostenlosen Shuttlebus in drei Minuten zum Gelände. Der Flughafen Innsbruck ist etwa 30 Autominuten entfernt.
Preise: Die Attraktionen werden einzeln gebucht. Der Hochseilgarten kostet für Erwachsene 43 Euro, für Jugendliche ab 12 jahren 35 Euro. Die Fahrt mit dem Flying Fox gibt es für 22 Euro (18 Euro), die Tageskarte für die Kletterwand kostet 8 Euro (6 Euro). In der Badesaison ist der Eintritt zur Water Area (Badesee, Sprungturm, Rutschen) im Preis inbegriffen. Wer nur dorthin möchte, zahlt 18 Euro (10 Euro) pro Tag.
Adresse: Area 47, Ötztaler Achstraße1, A-6430 Ötztal-Bahnhof, Tel.: 00 43 / 52 66 / 8 76 76, www.area47.at

Von Jutta Kneissler

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