Goldene Strände, schroffe Felsen – Urlaub im walisischen Küstennationalpark Pembrokeshire

Vom Golfstrom verwöhnt

Blüten bis zum Horizont: Ab März schwelgt das ganze Land, wie hier auf der Vogelinsel Skomer, in einem Meer aus Düften und Farben. Fotos: Willenberg

Tief hat sich das Meer über Jahrmillionen in das Land hineingefressen. Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies bei Govan´s Head, dem südlichsten Punkt von Pembrokeshire. Die Brandung des Ozeans formte finstere Gewölbe, haushohe Steinsäulen und Kamine, aus denen die Gischt empor spritzt. Immer wieder brechen Tonnen schwere Brocken aus den Felswänden heraus. Wie gestrandete Schiffswracks liegen sie zu Füßen der 100 Meter hohen Steilküste. Eingequetscht in einer Felsspalte duckt sich eine winzige Kapelle, die im 11. Jahrhundert zu Ehren des Heiligen St. Govan erbaut wurde. Der soll sich einst vor Piraten an diesen unwirtlichen Ort geflüchtet haben. Heute zählt die spartanische Gebetsstätte zu den sieben Wundern von Wales.

Insgesamt 50 Badebuchten säumen die 300 Kilometer lange zerklüftete Küste von Pembrokeshire. Besonders beliebt sind die feinen Sandstrände rund um Tenby. Hohe mittelalterliche Mauern umschließen das hübsche Städtchen mit seinen pastellfarbenen Häusern aus viktorianischer Zeit. Weit weniger bevölkert ist das einige Kilometer entfernte Manobier. Herrschaftliche Landhäuser und Parks geben dem Ort ein vornehmes Gepräge.

Manorbier Castle, eine gut erhaltene Festung oberhalb einer kleinen Meeresbucht, ist Geburtsstätte des bekannten Schriftstellers Gerald von Wales. Noch Jahrhunderte später ließen sich Literaten vom Charme des kleinen, feinen Ortes inspirieren. George Bernhard Shaw verbrachte dort mehrere Monate, auch die Schriftstellerin Virginia Woolf war ein regelmäßiger Sommergast. Begünstigt durch die milde Witterung herrscht eine entspannte, beinahe mediterrane Atmosphäre. Schmuddelwetter ist selten, in Pembrokeshire fällt weniger Regen als in Rom und die Sonne lacht an 1800 Stunden im Jahr.

Sturmtaucher lieben Skomer

In dem warmen Golfstromklima gedeihen rund 200 Blumenarten. Ab März schwelgt das Land in einem Meer von Farben mit Schneeglöckchen, Fingerhut, Glockenblumen und Orchideen. Wie ein gelbes Band säumt duftender Stechginster die kleinen Landstraßen und Viehweiden. Im Frühjahr fliegen auch hunderttausende Seevögel die Küste an. Vor allem die vorgelagerten Inseln bieten ein ideales Terrain für Brut und Aufzucht der Jungen. Auf Skomer findet sich mit rund 165 000 Paaren die weltweit größte Kolonie der scheuen Sturmtaucher. Im September kehren die letzten Seevögel der Insel den gefiederten Rücken zu. Doch die Ruhe währt nur kurz. Wenn im Oktober das Heidekraut blüht, fallen Zugvögel als Tagesgäste auf dem Weg gen Süden ein.

Steine für Stonehenge

Arm an Vegetation ist dagegen die Moorlandschaft der geheimnisvollen Preseli Berge. Hier im Norden des Nationalparks fällt doppelt soviel Regen wie in der Ebene, im Winter kann sogar der Schnee liegen bleiben. Vom 536 Meter hohen Gipfel des Foel Cwm Cerwyn schweift der Blick über ödes und menschenleeres Land. Einst siedelten hier die Kelten, heute streifen Schafe und wilde Ponys über die kargen Hügel.

Steinkreise, Grabkammern und Steinhügel sind stumme Zeugen einer längst vergangenen Epoche. Aus den Preseli Bergen stammen 80 Bluestones, die zum Bau des inneren Kreises von Stonehenge verwendet wurden. Wie die tonnenschweren Hinkelsteine 300 Kilometer weit nach Südengland gelangten, ist umstritten. Die kultische Bedeutung der Anlage in der Grafschaft Wiltshire gehört bis heute zu den größten Mysterien der Menschheit.

Von Ulrich Willenberg

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