Immer Grimms Nasen nach

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Das weiße „G“ führt über den Grimm-Steig: Die 77 Kilometer durch Söhre und Kaufunger Wald sind inzwischen durchgehend markiert. Die Wegweiser führen über lokale Wanderstrecken. Unser Bild entstand im Tiefenrod nahe Söhrewald-Wellerode.

Der wahrhaft märchenhafte Herbst lockt immer mehr Wanderer auf den Grimm-Steig im Kasseler Osten. Auf 77 Kilometern führt der jüngste Fernrundwanderweg im Kaufunger Wald und der Söhre mitten hinein in die noch farbenprächtigen Buchen- und Eichenbestände.

Thema des Wanderwegs sind Nordhessens bekannteste Botschafter: Die stilisierten, gleichwohl markanten Profile von Jacob und Wilhelm Grimm führen dorthin, wo ihre Volksmärchen spielen und entstanden sind, wo Frau Holle die Betten schüttelt und das Rumpelstilzchen über den Waldboden stampft.

 „Wir freuen uns über das starke Interesse am Grimm-Steig“, sagte Michael Steisel, Bürgermeister von Söhrewald, selbst ausgebildeter Wanderführer und Sprecher der touristischen Arbeitsgemeinschaft aus Söhrewald, Kaufungen, Hessisch Lichtenau, Helsa und Nieste, durch deren Natur die sorgsam ausgewählte Route auf fünf Tagesetappen führt.

Hier geht’s lang: Markante Wegweiser und große Informationstafeln helfen auch ortsunkundigen Wanderern bei der Orientierung.

Die Strecke ist so abwechslungsreich wie die Märchenwelt der Brüder Grimm und die zauberhafte Mittelgebirgslandschaft. Eben noch führt der Weg auf schmalen Pfaden durch lichte Buchenwälder, schon zweigt er ab quer durch dichten Fichtenforst. Ein paar Hundert Meter weiter stehen 500 Jahre alte, knorrige Eichen, fällt die Sonne auf eine grüne Lichtung oder spiegelt sich in verwunschenen Seen. Von den bis zu 750 Meter hohen Aussichtspunkten geht der Blick bei klarer Sicht bis zur Wartburg, ins Eichsfeld oder zum Vogelsberg.

Ausgezeichnet mit dem Weißen „G“ wurde die Strecke von den Wanderführern des Hessisch-Waldeckischen Gebirgs- und Heimatvereins (HWGHV). Seit diesem Sommer sind die 77 Kilometer und rund 43 Kilometer Zubringerwege durchgehend markiert. Noch ist das System nicht perfekt. „Wir wollen die Zubringerwege noch zusätzlich mit einem „Z“ kennzeichnen, damit jeder immer genau weiß, wo er sich befindet“, sagt Steisel.

Doch verloren gehen muss niemand. An allen Einstiegsstellen stehen großformatige Informationstafeln, auf denen auch Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten verzeichnet sind. Für jede Etappe gibt es in den Rathäusern ein Faltblatt mit genauem Streckenverlauf. Der Kaufunger Geo-Verlag hat eine sehr detaillierte Grimm-Steig-Karte aufgelegt.

Das Besondere des Grimm-Steigs: Jeder beliebige Ausgangspunkt ist mit dem ÖPNV erreichbar, viele mit der Lossebahn-Tram zwischen Kassel und Hessisch Lichtenau. Das Auto kann also getrost stehen bleiben, die Gastgeber besorgen bei Mehrtages-Wanderungen den Gepäcktransport. Ebenfalls besonders: Dank starkem ehrenamtlichen Engagements hielten sich die Kosten mit 25 000 Euro im Rahmen, die auch noch zu 60 Prozent gefördert wurden. Die Ausweisung anderer Fernwanderwege habe nicht selten ein Vielfaches gekostet, meint Steisel zufrieden.

Infos

Der 77 Kilometer lange Grimm-Steig verläuft auf einer Höhe zwischen 200 und 750 Meter. Er führt von der Söhre durch das Lossetal nach Hessisch Lichtenau, über den Hohen Meißner zum Bilstein und durch das Gläsnertal zurück ins Lossetal. Der Wanderweg schafft die Verbindung von Kassel zum europäischen Fernwanderweg E6 und in die Ferienregion Werratal. Die fünf Tagesetappen sind zwischen zwölf und 18 Kilometer lang. Kartenmaterial und Infos gibt es in den Rathäusern von Söhrewald (05608/4980), Hessisch Lichtenau (05602/807147), Helsa (05605/80080), Nieste (05605/944120) und Kaufungen 05605/8020). Den detaillierten Streckenverlauf findet man im Internet auf www.grimmsteig.de (tom)

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