Tauchgang im Schieferbergwerk

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Abenteuerlich: Ein Tauchgang im Schieferbergwerk ist nur etwas für geübte Taucher. Die Vorbereitung für eine Stunde Tauchen dauert einen halben Tag.

Die Arbeit der Bergleute im Willinger Schieferbergwerk (Kreis Waldeck-Frankenberg) war gefährlich und anstrengend. Das erfahren die Besucher bei den Führungen unter Tage.

 Eine Tür weiter neben dem Besucherbergwerk gibt es einen ganz anderen Zugang zu der faszinierenden Welt im Iberg, der aber nur wenigen vorbehalten ist: Hinter dieser Stahltür steigen Höhlentaucher in die Welt unter Tage ein.

Bis hinab in 45 Meter Tiefe können sie die Gänge erkunden, die die Bergleute in den Iberg getrieben hatten. Etwa 1700 Meter Stollen sind dort geflutet und stehen den Tauchern zur Verfügung. Auf zwei Sohlen können sie den Spuren der Bergleute nachforschen.

Alte Rohre, Stiefel, Notausgang-Schilder, Handschuhe und sogar Sprengstoffkisten erinnern an die Arbeit unter Tage. Vor etwa 30 Jahren hatten die Bergleute die Stollen der Grube Christine verlassen. Dort ziehen nun die Taucher ihre Bahn. Die Lichtkegel ihrer Lampen erfassen sogar noch Fußabdrücke, die die Bergleute damals im Boden hinterlassen hatten.

Acht Grad kalt ist das Wasser unter Tage, im Sommer wie im Winter. Im Winter ist sogar Hauptsaison im Taucher-Bergwerk, sagt Candy Small. Sie bietet mit ihrer Messinghäuser Tauchschule geführte Tauchgänge in der Grube Christine an. Im Sommer sind Höhlentaucher meist in anderen Gewässern unterwegs, weil es dann dort wärmer ist, ergänzt die Tauchlehrerin schmunzelnd.

Von der Temperatur merken die Taucher zunächst nur wenig. Sie tragen spezielle Unterwäsche. Und durch die Trockentauchanzüge dringt die Kälte nur ganz langsam. Doch nach einer Stunde unter Wasser wird es auch im Anzug kühl – es sei denn, der Taucher verwendet die beheizbare Anzugvariante.

Tauchen fasziniert Candy Small seit elf Jahren. Vor einigen Jahren sah sie einen Film über das Höhlentauchen – und war so fasziniert, dass sie selbst begann, in die Welt unter Tage einzutauchen. In den Willinger Gruben beeindruckt sie immer wieder das Millionen Jahre alte Gestein.

Offen für alle

Wochentags sind die Gruben in Willingen und Schwalefeld für Mitglieder des Tauchclubs Scapehander reserviert. An Wochenenden stehen sie interessierten Tauchern offen. Allerdings können höchstens zehn Personen pro Tag dort ins Wasser steigen, sagt Small. Sonst wird es zu voll. Für 80 Euro kann man in der Grube zum Schnuppertauchen starten. Reichlich Zeit sollte man für diesen ganzen Ausflug schon mitbringen. Für einen einstündigen Tauchgang rechnet Small mit einem halben Tag Vorbereitungszeit.

In der Taucherszene sind die beiden Gruben längst bekannt. Die Besucher kommen nicht nur aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Auch viele Gäste aus Skandinavien quartieren sich in Willingen ein, um diese Welt unter Tage und unter Wasser zu erleben. (ber)

Kontakt: www.scapehander.de, Tel. 0170-7390634

Hintergrund: Ausbildung nötig

Tauchlehrerin Candy Small

Die Sportler müssen sich im Wasser ganz ruhig bewegen, damit keine Ablagerungen aufgewirbelt werden – sonst wäre die Sicht vernebelt. Im Wasser des Willinger Bergwerks beträgt die Sichtweite etwa 30 Meter. Außerdem müssen Höhlentaucher ihre Tauchgänge sorgfältig planen. Sie können nicht wie im freien Wasser einfach aufsteigen. Dauert der Weg in die Höhle 30 Minuten, dauert auch der Rückweg so lange. Das muss berücksichtigt werden, damit die Taucher im Problemfall entsprechend reagieren können. Voraussetzung zum Höhlentauchen sind ein Anfänger-Schein sowie Erfahrung im Tauchen, am besten in europäischen Gewässern, sagt die Tauchlehrerin. Anschließend gibt es eine Zusatzausbildung zum technischen Tauchen, erklärt Candy Small. Diese Zusatzausbildung bietet sie in den Gruben in Willingen und in Schwalefeld an. (ber)

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