Dallas - 50 Jahre nach dem Kennedy-Attentat

Wo große Dinge passieren

Neben Big Business legt man in Dallas heute Wert auf Kultur, Ausgehen und Einkaufen.

Come on in“, dröhnt Bill Dewbre und breitet seine Arme aus, als wolle er alle Welt in seinem riesigen Western Store Wild Bill’s im historischen Viertel West End von Dallas willkommen heißen. Wild Bill, mit breitkrempigem Cowboyhut und schwarzer Kluft, ist ein kantiger Charakter wie J. R. Ewing, Held der Kult-TV-Serie Dallas. Mit dem Schauspieler Larry Hagman verband Bill eine lange Freundschaft. Als Hagman im vergangenen November starb, ging Bill Dewbre zu Beerdigung. „Wir haben 1979 sein erstes Outfit zusammengestellt“, erzählt der Geschäftsmann wehmütig, „der weiße Stetson-Hut und die Stiefel.“

Groß, am liebsten am Größten, das mögen die Menschen von Dallas. „Big things happen here“, wirbt die Stadt. Diese Attitüde bekam durch die Wirtschaftskrise in den 1980er- und 1990er-Jahren einen herben Dämpfer.

Immer mit Stetson: Wild Bill alias Bill Dewbre verkauft in seinem Western Store alles, was das Cowboyherz begehrt.

Mittlerweile aber boomt die Stadt des Öl-Geldes, der Versicherungsfirmenzentralen und Halbleiterindustrie wieder. Man sieht es an der glitzernden Skyline, der weißen Brückenkonstruktion des spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava über den Trinity-River und dem derzeit größten Art District der USA mit zahlreichen Museen, Bühnen und Veranstaltungsorten.

Wer nach intensivem Kunstgenuss einen Ort für Entspannung und Stärkung sucht, findet ihn nur zehn Fußminuten entfernt im 2012 eröffneten Klyde Warren Park. Im grellgelb und knallrot gestalteten Wagen von Crazy Fish verkauft Tenielle Powers dort frisch gemachte, preiswerte Sushirollen.

Die 36-jährige Australierin schwärmt von vielen kleinen Galerien, Cafés, Bars, und aufgeschlossenem Publikum, das in der „Fleischesserstadt Dallas exotische Kost wie Sushi schätzt“. Wenn sie nach ihrem 60- bis 80-Wochenstunden-Job noch Zeit hat, besucht sie das Szeneviertel Bishop Arts District, fünf Meilen westlich von Downtown, in Oak Cliff. In dem ehemaligen Lagerhaus-Viertel haben in den letzten Jahren Dutzende kleine Cafés, urige BBQ-Lokale, feine Restaurants sowie Mode- und Accessoire-Geschäfte eröffnet. Wenn sie Livemusik von Dixieland bis Hiphop hören möchte, besucht sie einen der Clubs im Downtown-Viertel Deep Ellum, zwischen Est Elm Street und Commerce.

Trauma 22. November 1963

Als Tenielle Powers vor vier Jahren in die Stadt kam, fuhr sie wie die meisten Besucher von Dallas an die Dealey Plaza. Dort, auf der Elm Street Richtung Osten fahrend, wurde vor 50 Jahren, am 22. November 1963, US-Präsident John F. Kennedy von tödlichen Schüssen getroffen. Zwei weiße Kreuze auf dem Asphalt markieren die Stellen, an denen die Projektile Kennedy in der offenen Limousine trafen.

Dallas - 50 Jahre nach dem Kennedy-Attentat

Noch immer steht an der Ecke Elm Street und Houston das Backsteingebäude des ehemaligen Lagers der Landesschulbibliotheken. Aus dem sechsten Stock soll der mutmaßliche Attentäter Lee Harvey Oswald geschossen haben. Heute befindet sich in den Räumen das Sixth Floor Museum, in dem mulitmedial und mit seltenen Exponaten über das Attentat informiert wird. Vor dem Museum starten Busse zur John-F.-Kennedy Memorial Tour. Einen Block neben dem Museum gedenken zahlreiche Menschen des ermordeten Präsidenten im Kubus von Philip Johnson an der Memorial Plaza.

„John F. Kennedys Ermordung ist ein Trauma für Dallas“, sagt Bill Dewbre. Er ist sicher, es war ein Einzeltäter und resümiert: „Die Menschen in Dallas halten den 35. Präsidenten der USA in ehrenvoller Erinnerung.“

Service

Anreise: American Airlines fliegt direkt nach Dallas von Frankfurt/Main, www.aa.com
Aktivitäten: Sixth Floor Museum at Dealey Plaza, 411 Elm Street, Mo, 12 – 18; Di – So, 10 – 18 Uhr; T 214-747 66 60, Eintritt 16 Dollar, www.jfk.org Wild Bill’s Western Store, 311 North Market Street, Mo – Do 10 – 21; Fr, 10 – 22; So, 12 – 18 Uhr, T 214-954 1050, www.wildbillswestern.com
Musik: The Free Man, 2626 Commerce Street, Deep Ellum, tägl. 11 – 2 Uhr, T 214-377 98 93, www.freemandallas.com
Essen: Crazy Fish und weitere Food-Trucks täglich ab 11 Uhr am Woodall Rodgers Access, nahe Dallas Art Museum, www.crazyfishusa.com Lockhard, im Bishop Arts District, 400 W Davis Street, tägl. 11 – 22 Uhr, T 214-944 55 21, uriges Smokehouse, www.lockhardssmokehouse.com
Informationen: www.traveltex.com

Von Franz Michael Rohm

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