Nordnorwegen: Trekking in der Finnmark

Handyfreie Zone

Ganz weit weg: Karge Landschaft, schroffe Felsen und eine spärliche – aber umso reizvollere – Vegetation prägen die Einsamkeit der Insel Sørøya. Fotos: Pieren

Handball-Profi Knut Arne Iversen stand lange im Scheinwerferlicht. Der 33-fache norwegische Handball-Nationalspieler spielte viele Jahre auch in der Handball-Bundesliga in Deutschland. Dann zog es ihn zurück in seine Heimat, nördlich des Polarkreises.

Hier oben in der Einsamkeit der Finnmark liegt seine Heimatstadt Hammerfest. Vom Hafen der nördlichsten Stadt Europas (70˚ 40´ N, 43˚ 41´ O) aus steuert er ein kleines Schiff hinaus aufs Meer zur Insel Sørøya. Wegen ihrer rauen Schönheit und der unendlichen Weite besuchen immer mehr Outdoor-Abenteurer die mit 812 Quadratmetern viertgrößte Insel Norwegens.

100 Einwohner verteilen sich auf fünf kleine Fischerdörfer. Sørøya ist die am weitesten von der Zivilisation entfernte und am wenigsten besiedelte Gemeinde in ganz Norwegen. Zweimal täglich legt die Fähre aus Hammerfest an. Auch Iversen vertäut sein Schiff am Anlegesteg von Akkarfjord.

Die Dorfschule ist das Basislager

Mit den vier Trekking-Touristen geht er direkt zur Dorfschule. Hier werden sie bei Christina übernachten. Die Dorfschullehrerin ist der Ruhe wegen vor über zehn Jahren aus Deutschland hierher gekommen.

Das Schulhaus ist Ausgangspunkt und Basisstation für eine Expedition in die Wildnis. Weil nur noch acht Schüler in dem mit 60 Einwohnern größten Ort der Insel im schulpflichtigen Alter sind, wurde die Hälfte der Dorfschule als Übernachtungsheim umgebaut. Für Christina und ihre Schüler gehört Gastfreundschaft deshalb zum Schulalltag.

„Auf Sørøya braucht man unbedingt alpine Erfahrung“, sagt Expeditionsführer Iversen. Die Wanderwege auf der baumlosen Insel seien zwar gut einsehbar, und auch die Pfade entlang der schroffen Felsküste sind gesichert. Doch der schnell aufziehende Nebel birgt immer wieder Gefahren.

Vom ersten Moment an fesselt die spröde Schönheit der Vegetation. Die schroffe und zerklüftete Küstenlandschaft zieht die Wanderer magisch in ihren Bann. Über die mit 695 Meter höchste Erhebung führen die Pfade anschließend hinab in Fjorde, Buchten und zu mit Muscheln übersäten Sandstränden.

Begleitet von Rentieren, Hasen und scheuen Schneehühnern und vorbei an kristallklaren Seen geht es über den 300 Meter hohen Vardberg in Richtung Kjøttvikvarden. An Birkengestrüpp in den Senken und Heidekraut auf den Anhöhen vorbei erreicht die Gruppe den Turm. Die zwölf Meter hohe Steinwarte wurde gebaut, damit die Fischer eine Landmarke haben.

Die größte Herausforderung an Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit ist der alte „Feuerwärterpfad“. Er schlängelt sich an der Bergseite steil den Abhang hinunter zu dem mit Treibgut übersäten Strand von Tarhalskaret. Ohne das Geländer wäre die Gefahr abzurutschen tatsächlich groß. In der verwaisten Hütte des einstigen Feuerturmwärters verbringt die Gruppe die Nacht am wärmenden Ofen, der mit Treibgut befeuert wird.

Wildes Meeresrauschen tost in den Ohren, und der Blick geht weit über den endlosen Ozean hinaus in die Barentssee. Bis nach Grönland ist hier nichts als Wasser. Aber außer dem Meeresrauschen und dem Wind stört nichts die Ruhe. Und das Handy kann man getrost zuhause lassen, es funktioniert meistens ohnehin nicht.

Von Matthias Pieren

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