Das Rock’n’Popmuseum in Gronau: In Udo Lindenbergs Heimatstadt dem Panikrocker auf der Spur

Heißer Sound in der Provinz

Die Soundmaschine streikt. Ausgerechnet vor Europas erstem und einzigen Rock’n’Popmuseum. „Keine Panik, Leute“, würde jetzt Udo Lindenberg sagen. Gut, dass Hanspeter Di-ckel nicht „Rudi Ratlos“ ist. Linke Taste, rechtes Knöpfchen: „Alles unter Kontrolle“, gibt der Guide das Zeichen zum Gedächtnis-Rundgang durch Lindenbergs westfälische Heimatstadt Gronau.

Mit einem Handwagen voller CDs, Fotoalben und einem XXL-Musikrekorder geht der Weg- und Musikgefährte aus Lindenbergs Jugendjahren voran. Zwei Dutzend Fans haben sich zum Stadtspaziergang nach Noten auf dem Udo-Lindenberg-Platz beim Museum versammelt.

Bis in die frühen 1970er-Jahre war das Städtchen Gronau an der niederländischen Grenze Westfalens Zentrum der Baumwollspinnerei. Seine Nähe zum holländischen Enschede, wo der Beat früher und lauter schlug als in Deutschland, ließ in den1960er-Jahren eine Jugendkultur nach Noten. In Kellern, Werkstätten und Kneipensälen tobte an Wochenenden die „Honky Tonk Show“, gaben sich lokale und holländische Beatbands die Klinke in die Hand.

Udo Lindenberg war damals 20 Jahre jung und Student an der Musikschule im benachbarten Münster. Als in Gro-nau die Fabriksirenen verstummten, hatte sich der berühmte Sohn der Stadt an der Dinkel längst zum bundesrepublikanischen Panikpräsidenten empor gerockt.

Doch Lindenberg blieb seiner Heimatstadt verbunden und initiierte das Rock’n’Popmuseum. Er machte Geld locker und ließ seine Verbindungen zur internationalen Rockszene spielen. Eine Dauerausstellung im Rock’n’Popmuseum nimmt die Besucher mit auf eine Magical History Tour durch die Musiksalons der goldenen Zwanziger Jahre, in die Ära des Rock’n’Roll und in die Zeiten des deutschen Schlagers.

Vor einer grauen Hausfassade zeigt der Stadtführer auf eine Wandtafel: „Am 15. 5. 1946 wurde die Rocklegende Udo Lindenberg in diesem Haus, Gartenstraße 3 in Gronau, geboren“, liest er vor. Hinten im Hühnerhof habe er mit Schlagstöcken seine ersten Takte geschlagen. „Hier wirst du auf die Dauer nur Schipper oder Bauer“, beklagt der Rockpoet in einem Song die Karrierechancen „hoch im Norden“. Stets „leckeren Boogie Woogie Mädchen“ auf der Spur, sah man ihn an der Ausfahrtstraße nach Münster mit dem „Daumen im Wind“. Nicht, dass Udo die Wahnsinnsfrauen vom Lande nicht zu schätzen wusste, räumt Dickel ein. Aber um ihnen näherzukommen, hätte er ihnen erst ein Haus bauen müssen.

Und damit hatte der Mann mit Hut nun wirklich nichts am Hut. Geschadet hat es seinem Ansehen nicht. Auch nicht, dass er bei diversen Auftritten vor honorigen Herren schon mal vorschlug: „So, jetzt gehen wir alle noch nackt baden.“ Wenn Herr Lindenberg heute nach Gronau kommt behält er Hut und Hose an, macht Musik oder will nur „mal ‘n bisschen gu-cken, n’ bisschen schnüffeln“.

Manfred Lädtke

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