Bei einem Urlaub rund um die Schäreninseln in Südschweden steht eines im Vordergrund: Ruhe

Hier kann man ganz für sich sein

Schwedische Idylle: Überall in Småland findet man Landschaften, die genauso aussehen, wie in den Pippi Langstrumpf-Geschichten beschrieben. Fotos: Plikat

Ruhe, Ruhe, nichts als Ruhe – wobei: Der Wind jault, die Wellen brechen laut am zerklüfteten Ufer aus Felsen, irgendwo schreien ein paar Möwen. Und trotzdem bin ich die Ruhe selbst. Vor mir die östliche Küste Smålands im Süden Schwedens. Am blauen Himmel jagen sich die grauen Regenwolken, hier und da lugt die Sonne durch.

Ich bin auf der kleinen Schäreninsel Idö zu Gast. Während der Rest der Gruppe die Insel erkundet, wollte ich einfach mal für mich sein. Und Durchatmen. Auf der Terrasse des einzigen Restaurants, das mit seiner tollen Architektur hoch über der Küste thront und trotzdem super in diese Natur passt, gelingt mir das ohne auch nur einen Hauch von Anstrengung. Ich stelle mir vor, ich sei ganz allein auf dieser Insel – okay, ein paar Stunden würden reichen.

Stadtflüchtlinge verwöhnen die Gäste auf der Insel

Drinnen wartet in der warmen, gemütlichen Gaststube nämlich zum Glück schon Helene Nilsson. Sie hat für uns leckere Kekse gebacken und einen großen Teller mit köstlichen Hefeschnecken auf den Tisch gestellt. Als nach und nach die anderen eintreffen, muss ich mich wirklich zügeln – die Dinger machen süchtig.

Helene betreibt zusammen mit ihrem Mann Lasse seit einigen Jahren das Restaurant, außerdem ein paar kleine, schnuckelige Gästehäuser. Die Nilssons gehören zu den vielen Schweden, die aus den Städten in die wunderschöne Natur Smålands und der Schäreninseln geflüchtet sind.

Apropos: Die Begriffe Sucht und Flucht passen hier gut zusammen – im positiven Sinne. Die Natur macht einfach süchtig und damit eine Flucht ziemlich einfach. Man muss halt die Ruhe mögen.

Abwechslung gibt’s in Kalmar und Västervik

Wer zur Abwechslung aber auch mal etwas Trubel möchte, der fährt nach Kalmar oder Västervik. Überall gibt es interessante Museen, Fußgängerzonen mit netten Geschäften und tollen Restaurants.

Und wer an der Küste Smålands mal die Nase voll hat vom Wasser, der besucht das Landesinnere. Da kann man schöne Radtouren machen, Kanu fahren oder einfach mal nichts tun.

Und: Hier ist die Chance auf Pippi-Langstrumpf-Idylle groß. Wer wie ich vorher noch nicht in Schweden war und immer bunte Holzhäuschen im Pippi-Style und weizenblonde Menschen mit Sommersprossen vor seinem geistigen Auge hatte, kommt hier (fast) auf seine Kosten. In der alten Kulturlandschaft Bråbygden nahe Oskarshamn ist die Chance größer, bei einer stundenlangen Wanderung auf eine Herde Rinder zu treffen, als auf einen Menschen. Die Wanderwege geben einen Einblick in die Welt der Bauern und den Reichtum der Anbaulandschaft, vorbei an Äckern, Mähwiesen und Weiden – alle umgeben von schönen Holzzäunen.

Bunte Häuschen wie bei Pippi Langstrumpf

Zurück in der Zivilisation erfreue ich mich dann auch endlich an bunten Holzhäuschen, umgeben vom satten Grün der gepflegten Gärten vor der Kulisse eines knallblauen Himmels. Unwillkürlich spielt in meinem Kopf Musik: „..zwei mal drei macht vier, wi di wi di wie und drei macht neune, ich mach mir die Welt, wi di wi di wie sie mir gefällt...“

Wenn ich ehrlich bin: Nach dieser Reise würde ich mir meine Welt, mit der ich doch ziemlich zufrieden bin, gern ein bisschen verschwedeln. Denn irgendwo in meinem Alltag müsste doch ein kleines Plätzchen für etwas mehr Ruhe sein.

Von Kathrin Plikat

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