Unterwegs im Heiligen Tal der Inkas in Peru: Begegnungen mit Schamanen und starken Frauen

Dem Himmel ganz nah

Markt in 3000 Metern Höhe: Die Übergänge zwischen Bergen und Himmel scheinen im heiligen Tal der Inka zu fließen. Fotos: Schiller

Rauch quillt aus einem Gefäß, das der Mann mit seiner rechten Hand vor meinem Gesicht schwenkt. Mit der anderen wedelt er mit der Feder eines Kondor, dem Symbolvogel der Anden. Rinaldo ist Schamane, ein Heiler. Für ihn bedeutet alles um uns herum Leben und Energie: Die Pflanzen, die Steine und der Urubamba-Fluss, an dessen Ufer wir seiner Zeremonie beiwohnen. Wie seine Vorfahren versucht Rinaldo eins zu werden mit den Elementen. Der Rauch, den er aufsteigen lässt, wird sich, so sagt er, in göttlichen Höhen mit unserem Atem verbinden.

Nach einer Stunde ist die Zeremonie beendet, die Sonne hat sich hinter die Berge verkrochen und es wird binnen weniger Minuten bitterkalt am Fluss.

Maisbier und gegrillte Meerschweinchen

Wir waren vor ein paar Tagen mit einem klapprigen Sammeltaxi, einem Collectivo, von Cusco, der Metropole der peruanischen Anden, nach Pisac gerumpelt. Das Städtchen markiert mit seiner Festung das östliche Tor zum Valle Sagrado de los Incas, dem Heiligen Tal der Inka. Unterwegs sahen wir Bauern, die auf schwerer Erde hinter einem Holzpflug herliefen. Frauen schleppten Säcke voller Gerste und Gras, dem Lieblingsfutter der Meerschweinchen, die hier – gebraten, gegrillt, mariniert – die traditionelle Fleischspeise liefern.

Die roten Fähnchen führen zum Chicha

Im knapp dreitausen Meter hoch gelegenen Tal Valle Sagrado haben schon die Inka Getreide und Kartoffeln angebaut. Noch immer werden alle Früchte der Region auf den farbenprächtigsten Sonntagsmärkten der Region angeboten. Und wo rote Fähnchen an den Häusern hängen, wird Chicha ausgeschenkt, das traditionelle Maisbier der Hochlandindianer.

Schon am zweiten Tag blieben wir in einem winzigen Straßendorf bei Mercedes hängen. Sie betreibt eine Chicheria, eine Kneipe, für die sich auch mancher Indio aus etwas entfernteren Dörfern auf den Weg macht. Weil es erst Mittag ist, entscheiden wir uns für eine Chicha Morada, die alkoholfreie Version des Maisbiers.

Mercedes kümmert sich im Hof um die Zubereitung einer Soße aus grünem Kraut und Baumtomaten, die nachher unser Mittagessen begleiten wird. Anderthalb Stunden und drei Chicha Morado später dampfen die Schulterstücke, das Feinste vom Meerschwein, auf dem Teller, und Mercedes erzählt beim Essen von ihrer Schwester, die in einer Frauen-Kooperative mit vielen talentierten Weberinnen arbeitet und die wir unbedingt besuchen müssten.

Ollaytaytambo, am westlichen Ende des Heiligen Tals, ist nicht nur geografisch der Gegenpol zu Pisac. Mit dem Mototaxi, dem typischen Dreirad-Gefährt der Region, ist die Stadt rasch erkundet. Dort kann man die Tage im südamerikanischen Rhythmus bei einem Milchkaffee oder einem Pisco Sour, dem Nationaldrink der Peruaner, vertrödeln.

Bunte Taschen und Umhänge zu fairen Preisen

Voll rustikalem Charme, empfängt uns Nilda, die Chefin der Webschule, in der die Schwester von Mercedes tätig ist. Vor über dreißig Jahren hat Nilda diesen Betrieb gegründet, eine Kooperative, in der Frauen nach alter Tradition an den Spindeln arbeiten und dabei nur die Wolle von Schafen und Alpakas verwenden. Verkauft werden ihre Umhänge, Taschen und Mützen an Läden in Cusco und sogar bis nach Lima, zu festen und fairen Preisen.

Noch einmal rumpeln wir über staubige Pisten durchs Hochland. Der Urubamba fließt jetzt tief unter uns, eingerahmt von den Schneegipfeln der Andenkette. Im Gras am Wegesrand hocken ein paar junge Indio-Mädchen. Über dem Heiligen Tal hängen dünne Rauchfähnchen. Vielleicht hat Rinaldo, der Schamane, sie in diese dramatisch schöne, überirdische Landschaft aufsteigen lassen.

Von Bernd Schiller

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