Von Mitte August bis Ende Oktober dreht sich im Alten Land alles um die Apfelernte

Wo der Himmel voller Äpfel hängt

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Baumfrisch: Bei der Vielfalt an Äpfeln im Alten Land findet sich für jeden Geschmack der Richtige. Wer das Besondere sucht, greift zu Motiväpfeln vom Obstbauer Lühs.

"Auf 16 Hektar bauen wir 20 verschiedene Apfelsorten an. Von saftig-süß bis herb-säuerlich“, berichtet Obstbauer Hein Lühs: „Dazu kommen noch zwei Hektar Kirsch- und einige Birnen- und Pflaumenbäume.“ Er ist einer von etwa eintausend Obstbauern im Alten Land vor den Toren Hamburgs.

Langsam tuckert ein betagter Traktor durch die Baumreihen und bringt neue Kisten für die 20 Erntehelfer, die bereits mit der Pflückung der Frühsorte Jamba begonnen haben. Ein paar Reihen weiter, sind flinke Hände damit beschäftigt, lichtundurchlässige Kunststoffschablonen auf Äpfel zu kleben.

Marktnische im Apfelland

Schon vor über 30 Jahren entdeckte Familie Lühs eine Marktnische: „Wir begannen damit, Motiväpfel zu entwickeln. Dort, wo aufgrund der Folie kein Licht an die Apfelschale kommt, bildet sich keine Farbe.“ Und so laden im Hofladen rotbackige Äpfel mit verschiedenen Mustern wie Herzen, Tannenbäumen, Sternschnuppen oder lachenden Gesichtern zum Anbeißen ein. „200 unterschiedliche Motive haben wir im Angebot. Wer rechtzeitig bestellt, kann auch sein Wunschmotiv am Baum wachsen lassen. Es hingen sogar schon zwei verschiedene Parteien an einem Zweig“, erzählt Lühs lachend.

Fachwerk mit Prunkpforten

Wer den Bestelltermin verpasst hat, dem kann trotzdem noch geholfen werden. Mit modernster Lasertechnik werden Farbpigmente aus der Schale des Apfels ausgeblichen, sodass Bilder und Schriftzüge entstehen. „Sogar Heiratsanträge in Apfelform gingen bereits über den Ladentisch.“

Das Alte Land erstreckt sich auf einer Länge von 30 Kilometern südlich der Elbe zwischen Stade, Buxtehude und Hamburg-Finkenwerder. Wer die Region erwandert, per Rad oder Auto erkundet, trifft in allen Orten auf rote Backsteinhäuser mit weiß gestrichenen Balken und Reetdächern. Viele tragen verzierte Giebel. Einige sind mit kunstvoll geschnitzten Brauttüren versehen. „Altländer Bauernhäuser sind Zeugnisse der Barockzeit. Die meisten entstanden zwischen 1645 und 1780“, erläutert Gästeführer Dieter Schilling. Zu einigen Höfen gelangte der Besucher durch hohe, weiße Prunkpforten. Etwa 20 dieser Tore gibt es heute noch.

Eine weitere Besonderheit sind die zehn markanten Fachwerkkirchen. Aufgrund des schweren Marschbodens steht der aus Holz errichtete Turm abgetrennt neben dem Kirchenschiff. Die St. Marien-Kirche aus dem 17. Jahrhundert in Grünendeich ist die älteste der zehn Kirchen.

Wer statt der Apfelernte lieber die Blütezeit erleben möchte, der hat im nächsten Frühjahr Gelegenheit dazu. Alle Jahre wieder – von Mitte April bis Ende Mai – hüllt sich das Alte Land in ein weiß-rosa Gewand. Zunächst sprießen die Kirsch-, wenig später die Apfel-, Birnen- und Zwetschgenblüten.

Sogar so früh im Jahr muss niemand auf den Biss in einen knackigen Apfel aus dem Alten Land verzichten. „Kistenweise lagern wir monatelang das Obst bei ein bis vier Grad Celsius in Kühlhäusern ein“, erzählt Hein Lühs. „Durch den niedrigen Sauerstoffgehalt im Raum verfallen die Äpfel in eine Art Winterschlaf. Dadurch bleiben ihre Inhaltsstoffe erhalten.“ Auch wenn im Frühjahr das Tannenbaummotiv ausverkauft sein dürfte, einen Altländer Herzapfel gibt es garantiert noch.

Informationen: Blüten im Frühling, Äpfel im Herbst

Anreise: Autobahn A7 Richtung Hamburg, Abfahrt Waltershof, Richtung Finkenwerder, Landesstraße über Cranz, Königreich nach Jork.

Veranstaltungen: Nach Anmeldung bieten verschiedene Betriebe ganzjährig Obsthofführungen mit Obstproben an.

10. und 11. September 2011: Altländer Apfeltage und Tag des offenen Hofes – in allen Orten Veranstaltungen mit Informationen rund um den Apfel, Kulinarischem und vielen Attraktionen für Kinder.

5. und 6. Mai 2012: Blütenfest in Jork, www.altlaender- bluetenfest.de

Adressen:

• Herzapfelhof Lühs, Osterjork 102, 21635 Jork T 0 41 62 / 2 54 82 00 www.herzapfelhof.de

• Touristikzentrale, Osterjork 12 , 21635 Jork T 0 41 62 / 91 47 55 www.tourismus- altesland.de

• Altländer Gästeführungen, Westerjork 49 (Museum Altes Land), 21635 Jork, T 0 41 62 / 13 33, www.altlaender- gaestefuehrungen.de

Öffnungszeiten des Museums Altes Land: April - Oktober: Di - So, 11 - 17 Uhr; November - März: Mi, Sa, So, 13 - 16 Uhr

Von Dagmar Krappe

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