Himmlisches Hvar

Historische Perle der Insel: Das altertümliche und geschichtsträchtige Stari Grad wurde bereits 384 v. Chr. gegründet. Fotos:  Amme

Die kroatische Insel bietet von allem etwas: Quirlige Städtchen, verschlafene Dörfer und viele zauberhafte Buchten

Himmlisches Hvar

Wenn Plätze reden könnten, würde dieser hier wahrscheinlich eine Menge erzählen. Er würde von römischen Legionären plaudern, die auf platten Sohlen über die weißen Marmorplatten geschlurft sind. Er würde damit prahlen, dass sich heutzutage Prominente aus aller Welt auf ihm tummeln, Brad Pitt und George Clooney, die Klitschkos und viele mehr, und wahrscheinlich würde er am Ende behaupten: „Ich bin der Schönste im ganzen Land!“

„Und? Ist er der Schönste?“, frage ich Elena, eine Fischersfrau in orange-braun geblümter Schürze. Schon den dritten Tag bin ich nun auf Hvar, auf jener Insel, die laut dem US-Magazin Forbes zu den Top Ten der schönsten Inseln der Welt gehört. Für Hvar-Stadt, kann ich das schon mal bestätigen. Die Hauptstadt der Insel habe drei Tage lang durchkämmt.

Ich habe das Franziskanerkloster auf der Landzunge erobert und Stunden auf den Marmorplatten des Hvarska Pjaca gesessen. „Aber wo genau ist es am schönsten?“, frage ich Elena, als sie gerade Meeräschen aus den Netzen ihres Mannes fingert. Elenas Mann Tomas, der Fischer, denkt kurz nach, dann kritzelt er mir ein paar Namen auf einen Zettel.

1200 Inseln schwimmen im Adriablau des Meeres

Kurze Zeit später fahre ich in einem alten Bus über die Insel, die 68 Kilometer lang und zwischen zwei und zehn Kilometern breit ist. Irgendwann taucht das Küstenstädtchen Stari Grad auf – mit seinem Labyrinth aus Renaissance- und Barockhäusern und engen Kopfsteinpflastergassen, aus schattigen Innenhöfen und üppig blühender lila Bougainvillae.

Richtung Osten läuft Hvar schmal aus. Eine einzige Straße schlängelt sich über das Eiland. In der Ferne sieht man die Silhouetten anderer Inseln, die hier vor der Küste im Adriablau schwimmen – insgesamt sollen es mehr als 1200 sein. Dann knickt ein schmaler Pfad ab und führt ans Meer, nach Pokrivenik. Diese Bucht, so hatte Tomas erzählt, sei wunderschön, vielleicht sogar die allerschönste weit und breit.

Hohe Felsen ragen in den Himmel, nur eine Handvoll grobsteinige Häuser duckt sich in deren Schatten. Ich lasse mich zwischen den wenigen Badegästen in den feinen Kieseln nieder, es duftet nach Salbei, Rosmarin und Thymian. Was für ein zauberhafter Platz, denke ich. Und diese Farben: indigo, aquamarin, kobaltblau.

Rau, still und einsam – auch so kann Hvar sein

Eine von vielen Traumbuchten: Srhov Dolac liegt im Süden der Insel, unterhalb des Dörfchens Gdinj.

Ganz im Osten liegt Sucuraj, ein 400-Seelen-Ort, den zu besuchen ich Tomas versprechen musste. Warum? „Weil du zum Leuchtturm wandern musst. Du musst das Meer auf dich wirken lassen und das gewaltige Küstengebirge gegenüber.“ Dort zeigt Hvar ein anderes Gesicht, ein einsames, stilles, raues, ein Gesicht, das die wenigsten Urlauber sehen, und die Prominenten schon gar nicht.

Weiter geht’s, die Straße zurück gen Westen, an Olivenplantagen und Schafherden vorbei nach Zarace, in die feinsandige Bucht, die auch die schönste der Insel sein könnte. Doch inzwischen weiß ich: Elena und Tomas hatten recht: Es gibt viele schöne Plätze auf Hvar. Auch die gegenüber von Hvar-Stadt liegenden Hölleninseln zählen dazu. Man kann sie mit einem führerscheinfreien Motorboot ansteuern, kann in der südlichen Bucht Vinogradisce festmachen und in einer Konoba gegrillen Fisch essen. Aber es zieht mich zurück ins Zentrum der Sonneninsel – auf den Platz aus reinstem Marmor.

„Eure Insel ist wunderschön“, sage ich zu Elena und Tomas, als ich sie wiedersehe, „am allerschönsten aber ist es hier – auf meinem Lieblingsplatz.“ Ich mache es mir auf den sonnenwarmen Steinen bequem, schnappe ein Wölkchen Lavendel auf, lasse die Urlauber an mir vorüberziehen, die allesamt verzückt lächeln. Und höre Elena wissend murmeln: „Schon wieder eine, die sich verliebt hat in unseren Hvarska Pjaca.“

Reisetipps: Gegrillter Fisch unter schattigen Olivenbäumen

• Anreise: TUIfly fliegt beispielsweise ab Hannover nach Split, Preis: ab 37 Euro plus Steuern und Versicherung ( www.tuifly.com). Von Split aus verkehren mehrmals täglich Fähren nach Stari Grad, Hvar-Stadt und Sucuraj ab 8 Euro pro Person und Fahrt).

• Übernachten: Zum Beispiel in einer Ferienwohnung. Die Wohnung „CDH13“ des Anbieters Novasol ist für vier Personen geeignet und verfügt über eine zauberhafte Terrasse mit Meerblick. Ab 554 Euro/Woche, buchbar in jedem Reisebüro, online unter www.novasol.de oder telefonisch, T 0 40 / 23 88 59 82

•Essen und Trinken: Die vierte Einbuchtung auf den Hölleninseln versteckt tief in ihrem Inneren die Konoba „Dionis“. Im Schatten der alten Olivenbäume isst man besonders gut gegrillten Fisch. Im Restaurant Conte oberhalb des kleinen Stadtstrandes von Hvar isst man gemütlich und gut, am besten Fleisch- und Fischgerichte. Auch einen Besuch wert ist das Dalmatino unweit des Hvarska Pjaca, des Hauptplatzes. Es ist bekannt für seine Steaks und Fischgerichte. www.dalmatino-hvar.com.

• Reiseführer: Rund 30 Seiten widmet der Reiseführer Mittel- und Süddalmatien aus dem Michael Müller Verlag der Insel Hvar und liefert darin viele Infos und Geheimtipps. Preis: 19,90 Euro.

Von Karen Amme

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