Alpirsbach, Maulbronn und Hirsau: Auf der Klosterroute durch den nördlichen Schwarzwald

Historie und Histörchen

Das Hirsauer Kloster: Einziges erhaltenes Sakralgebäude ist die spätgotische Marienkapelle. Die ursprüngliche Basilika St. Peter und Paul ist seit der Zerstörung im Jahr 1692 nur noch in Fragmenten erhalten. Schöne Details, wie den Wasserspeiher am Brunnen kann man im Klosterhof trotzdem entdecken. Fotos: Lothar Steimle

Wer eintauchen will in Geschichten und Geschichte, der muss sich drei, vier Tage Zeit nehmen, muss lauschen, forschen, Orte auf sich wirken lassen. Und weil die Klöster jeweils eine gute Autostunde auseinander liegen, muss auch Raum für das „Dazwischen“ bleiben, für die Städtchen, Dörfer, Berge, Wälder der Region zwischen Württemberg und Baden. Vieles, was den Nordschwarzwald bis heute prägt, wurzelt tief zurück in der Zeit der Mönche, welche die einst stillen Täler auf die Landkarten des Mittelalters brachten.

Einst Europas größtes Kloster

Die Gegend rund um Calw im Nagoldtal, in dessen Stadtteil Hirsau man die älteste der drei Abteien findet, liegt zentral und bietet sich als Fixpunkt auf der Route an. Die Geschichte des Hirsauer Klosterlebens lässt sich bis ins neunte Jahrhundert zurückverfolgen. St. Peter und Paul wurde im Jahr 1092 auf Geheiß von Papst Leo IX. geweiht und stieg rasch zu einem der größten Klöster Europas auf. Wie in Maulbronn und Alpirsbach sind die Mönche auch aus Hirsau längst verschwunden. Von aller Macht und Größe kann man kaum mehr was erahnen. Nur der alte Eulenturm, die Marienkapelle und einige Fachwerkhäuser stehen unbeschadet, der Rest wurde bereits 1692 von französischen Truppen zerstört. Doch auch Verfall erzählt Geschichten.

Ganz das Gegenteil von Hirsau ist Maulbronn. Statt romantischer Ruinen empfängt dort eine wahre Stadt im Städtchen die Besucher. Ob Mühle, Marstall, Kameralamt oder Schmiede: Kein anderes Kloster nördlich der Alpen blieb so komplett erhalten wie Maulbronn, das sich deshalb zum Unesco-Weltkulturerbe zählen darf. Ganz im Mittelpunkt der Anlage stehen freilich Kirche und Klausur, jener innere, einst nur den Mönchen reservierte Teil des Klosters. Auch wenn die mächtige Basilika, ganz im Sinn der strengen Ordensregeln, eher schlicht daherkommt, muss man sakrale Schätze in Maulbronn nicht mit der Lupe suchen: Gleich am Portal empfängt das sagenhafte „Paradies“ die Kirchengänger, eine lichtdurchflutete gotische Vorhalle als Pforte zwischen einer Welt der Stille und dem bunten Treiben auf dem Klosterhof.

Der Stein sieht wie Holz aus

Mittelpunkt des Kirchenschiffs ist das Altarkreuz aus dem Jahr 1473, das täglich um die Mittagsstunde von einem Sonnenstrahl beschienen wird. Es ist dem Steinmetz so perfekt gelungen, dass man das „Holz“ mit allen seinem Maserungen erst auf den zweiten Blick als den feinen Sandstein der Region entlarvt.

Lag Maulbronn genau genommen schon im Kraichgau, einer Hügellandschaft, die sich von Pforzheim bis nach Heidelberg erstreckt, so führt die Klosterroute auf dem Weg nach Alpirsbach wieder quer durchs Auf und Ab des Nordschwarzwalds.

Bestes Mönchsbier

Dass es in Alpirsbach ein Kloster geben muss, ist im Ländle zwischen Rhein und Neckar ziemlich jedem klar: Schon seit Jahrzehnten wird das Bier mit dem Mönch im Etikett beworben. Und tatsächlich wird gleich vis-à-vis der Klosterkirche nach allen Regeln deutscher Braukunst Gerstensaft erzeugt. Doch in der Kirche herrscht nach wie vor die klösterliche Stille. Wieder ist es so als tauchte man in ferne Zeiten ab. Man lauscht der Führung und den Es-war-einmal-Geschichten oder lässt die Steine und Balken selbst erzählen, die efeu-umrankten Spitzbögen des Kreuzgangs, die ausgetretenen Stiegen rauf ins gute Stübchen, wo vor ein paar Jahren ein Museum eingerichtet wurde.

Unterm Strich war die Reise kurzweilig, zu knapp vielleicht die Zeit für alles, was man sich so vorgenommen hatte. „Klosterhopping“ halt, Rosinenpicken wie beim Inselspringen auf der Kreuzfahrt. Doch wenn es gefallen hat kann man ja wiederkommen und nochmal richtig eintauchen. In Historie und Histörchen rund um die sagenhafte Welt des Nordschwarzwalds.

Von Lothar Steimle

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