Günstiger Familienurlaub in der Schweiz? Kein Widerspruch, sondern ein Geheimtipp

Hohe Berge, niedrige Preise

Auch der härteste Wanderer braucht mal eine Pause: Dem sechsjährigen Bastian hat der Urlaub in der Schweiz gut gefallen. Foto: Brümmer

Ich bin ja nicht so der große Wanderer“, meint der sechsjährige Bastian mit Blick auf die Berge der Ostschweiz. Urlaub in den Alpen mit einem Kind, das nicht gerne wandert, ist eine Herausforderung. Um es vorweg zu nehmen: Die Woche im Feriendorf Wildhaus hat Bastian dann doch ganz gut gefallen. Und den Eltern gefiel es auch, nicht nur, weil die gemeinnützige „Schweizer Reisekasse“ ein Geheimtipp für einen erschwinglichen Urlaub ist. Die gemeinnützige Genossenschaft REKA (Reisekasse) vermietet rund 1300 Ferienwohnungen im ganzen Land.

Im Feriendorf Wildhaus im Toggenburger Land gibt es 57 Wohnungen für zwei bis sieben Personen. Jedes Apartment hat Balkon oder Terrasse, Babybett, Kinderstuhl und reichlich Einbauschränke. In der modernen offenen Küche findet sich auch ein Hobbykoch gut zurecht. Der sechsjährige Bastian findet einen Spielplatz, ein Trampolin sowie eine Minigolfanlage vor dem Haus und schnell jede Menge neue Freunde. Mit denen kocht er dann beim wöchentlichen Kinderstammtisch um die Wette. Die älteren Kinder treffen sich anschließend noch zum Jugendabend und die Eltern am Grillplatz.

Jedes REKA-Feriendorf steht unter einem Motto. So verwandelt sich Wildhaus im Sommer in eine Zirkuswelt. Clown Rainer jongliert, musiziert und zaubert täglich mit den kleinen Künstlern. Bastian traut sich allerdings nicht, eine eigene Nummer einzuüben. Als seine neuen Freunde dann ihre Kunststückchen im Zirkuszelt vorführen, sitzt er aber ganz vorn und klatscht kräftig Beifall.

„Grüezi miteinand“

Beim Urlaub inmitten von Schweizern geht es sehr entspannt zu: Ohne ein „Grüezi miteinand“, kommt man in Wildhaus an keinem vorbei. Für eine familiäre Atmosphäre sorgen auch die Gastgeber, denn das deutsch-schweizerische Paar Anke Gröger und Peter Siegenthaler ist eine charmante Kombination aus Hoteliers und hilfsbereiten Herbergseltern. Trotz der vielen Kinder geht es im Feriendorf eher gemütlich zu. Da die meisten Familien tagsüber wandern, verteilt sich der Kinderlärm auf die Berge. Nach 22 Uhr herrscht erst Recht Ruhe im Dorf. Nur im gerade renovierten Hallenbad ist täglich 12 Stunden lang Stimmung, egal, bei welchem Wetter. Da mischt selbst Bastian mit, obwohl er noch gar nicht richtig schwimmen kann.

Die Region Toggenburg nahe der deutschen Grenze ist mit dem Gütesiegel „Familien willkommen“ ausgezeichnet. Wer hier nicht zum Wanderfreund wird, hat etwas versäumt. Ein Muss ist der Panoramarundweg auf dem 2262 Meter hohen Chäserrugg. Wegen der geringen Höhenunterschiede schaffen ihn auch die Kleinen leicht. Ein wenig länger als geplant dauert es dann meistens schon, denn die Zeitangaben auf den Wegweisern sind eher für sportliche Schweizer als für Stadtkinder gedacht. Auf dem Toggenburger Klangweg vergeht die Zeit hingegen wie im Flug. Wandermuffel Bastian probiert jede Installation aus, die er irgendwie bedienen kann. So entlockt er dem Alphorn, einem Schellenbaum sowie einer „Klangmühle“ ungewöhnliche Töne und vergisst dabei ganz, wie lange er schon gelaufen ist.

Am Ende des Urlaubs fragt Bastian, wann wir das nächste Mal wieder in „so ein tolles Dorf“ fahren. Zugleich fasst er einen festen Vorsatz: „Im nächsten Jahr will ich besser wandern können.“. Bastians bester Ausflug war wohl die Alp Gamplüt: Hinauf mit der Gondelbahn, oben ein Kuchen und hinab mit dem „Trottinett“, einem Tretroller mit Ballonreifen, Fahrradlenker und guten Bremsen.

Von Ulrich Brümmer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.