Holon: Vom Mauerblümchen zur Kulturoase

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Holon ist aus dem Dörnröschenschlaf erwacht: Es wird auch “Stadt der Kinder“ genannt.

Viele Jahre war Holon nicht mehr als der langweilige Nachbarort von Tel Aviv. Mittlerweile ist die “Stadt der Kinder“ aus dem Dornröschenschlaf erwacht: Sie hat sich zu einr Kulturoase gemausert.

Die Entwicklung Holons erinnert an das Märchen vom hässlichen Entlein: Es war einmal eine kleine Stadt, etwa sieben Kilometer vom aufregenden Tel Aviv entfernt. Doch im Gegensatz zu der glitzernden Metropole am Mittelmeer hatte sie so gar nichts zu bieten. Nur heruntergekommene Häuserblocks, Textilindustrie und viel Wüstensand. Mittlerweile dominieren moderne Hochhäuser, futuristische Museen und bunte Skulpturen das Stadtbild. Das hässliche Entlein ist nun ein schöner Schwan.

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Zu verdanken ist diese Metamorphose vor allem Bürgermeister Moti Sasson und seiner Stadtdirektorin Hana Hertsman. Sie haben Holon - seit mehr als 20 Jahren Partnerstadt von Hann. Münden (Niedersachsen) - aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Seit 1993 arbeiten sie am Image der Stadt, die heute etwa 185 000 Einwohner hat - fast halb so viele wie Tel Aviv. “Nichts, einfach gar nichts mehr sieht hier aus wie vor 17 Jahren. Holon ist lange nur irgendwas in der Nähe von Tel Aviv gewesen“, sagt Hertsman, eine resolut wirkende Frau mit dunkelbraunem Pagenschnitt. Sie ist eine, die nicht nur redet, sondern auch anpackt.

Gemeinsam mit Sasson hat sie ein Museum nach dem anderen eröffnet und zahlreiche Grünflächen gestaltet. Und vor allem viele kulturelle Angebote für Kinder und Jugendliche geschaffen. Diese liegen der Stadtverwaltung besonders am Herzen: Nicht umsonst wird Holon auch “Stadt der Kinder“ genannt. “Die jungen Menschen stehen im Zentrum, sie sind schließlich unsere Zukunft“, sagt Hertsman. Vor knapp drei Jahren wurde hier Israels erstes Museum für Karikaturen und Comics eröffnet.

Holon - Kulturoase mit Skulpturen 

Holon - Kulturoase mit Skulpturen 

Besonders stolz ist die 54-Jährige auf die 31 “Story Gardens“, die überall in der Stadt verteilt sind. Skulpturen erzählen dort israelische Kindergeschichten. Weitere dieser Kunstgärten sollen entstehen. Die Zusammenarbeit von Künstlern und Schriftstellern sei nicht immer leicht. “Der Bildhauer hat eigene Ideen, die er umsetzen möchte. Diese dürfen aber nicht die Aussage des Buches verfälschen“, so Hertsman. Bisher sei das immer gut gelungen. Schulklassen aus ganz Israel kämen nach Holon, um die Gärten und Museen zu erkunden.

Stadt der Kinder

In den Museen Holons ist Anfassen erlaubt, sogar ausdrücklich erwünscht. “Üblich sind Exponate in großen Glasboxen, bei uns sollen die Kinder aber fühlen, riechen, hören“, sagt Alon Sapan, Direktor der “Mediatheque“ und des Design Museums.

In der “Mediatheque“ der Stadt sind seit 2004 ein Theater, ein Kino und eine Bibliothek vereint. Letztere soll angeblich die beliebteste in ganz Israel sein. Sieben Tage die Woche habe sie geöffnet. “Sogar am Schabbat kann man herkommen und lesen. Der ist meistens sogar unser bester Tag“, sagt Sapan.

Direkt neben der “Mediatheque“ ist das Design Museum. Ein futuristisches Gebäude, das im Januar - rechtzeitig zum 70. Geburtstag der Stadt - eingeweiht worden ist. Der israelische Architekt Ron Arad hat den imposanten roten Bau mit den geschwungenen Wänden entworfen. Ein Bauwerk wie man es eher in Metropolen wie London oder Paris erwarten würde und nicht in einer eher kleinen Stadt wie Holon.

Das Design Museum ist zwar auch auf Kinder ausgerichtet, wird aber wohl in erster Linie erwachsene Besucher aus aller Welt nach Holon locken. “Wir wollen die neusten Design-Innovationen zeigen, die es überhaupt gibt“, sagt Sapan. Sein Museum setze der Kreativität des Künstlers keine Grenzen. “Wir wollen andere, neue Denkweisen unterstützen.“

Ricarda Twellmann, dpa

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