Ein Abenteuer für seefeste Urlauber auf Prince Edward Island

Hummerfischer für einen Tag

Vorsicht vor den Scheren: Die Urlauber helfen beim Messen und Sortieren der Hummer – und wer nicht aufpasst, macht Bekanntschaft mit den Schneidewerkzeugen der Tiere. Foto: Rümmer

Es ist noch dunkel, als das Hummerboot „Tranquility 2000“ im Hafen von Georgetown auf Prince Edward Island ablegt. An Bord: Zwei Profis und eine Handvoll Touristen, die für das Abenteuer, für einen Tag Hummerfischer zu sein, früh aufstehen mussten. Das Boot tuckert fünf Seemeilen weit auf den Atlantik hinaus. Der leichte Wind bewegt die Wellen ordentlich, und die Hobby-Hummerfischer lernen ihre erste Lektion: An Bord eines Hummerbootes muss man seefest sein und sollte nicht zuviel gefrühstückt haben.

Prince Edward Island ist die kleinste Provinz Kanadas. Sie liegt im Osten, vor der Küste von New Scotland (Nova Scotia) und New Brunswick. PEI, wie die Einheimischen ihr Eiland nennen, beliefert weite Teile von Nordamerika mit Hummern der besten Qualität.

Alles riecht nach Arbeit

Skipper Perry Gotell ist Hummerfischer in der dritten Generation. Vor 25 Jahren hat er das Geschäft von seinem Vater übernommen, und seit vier Jahren nimmt er Urlauber mit. Außer sonntags fährt er jeden Tag hinaus, morgens um Viertel vor vier. Gegen Mittag kommt er zurück.

Die „Tranquility 2000“ ist alles andere als ein Touristendampfer. Alles riecht hier nach Arbeit, nichts ist bequem. Perry steuert das Boot zu seinen festen Plätzen. Hier fischte schon sein Großvater. Perry besitzt dreihundert Hummerfallen, die er, mit Bojen markiert, auslegt. In jedem Käfig steckt ein Köder für die Hummer – Fischstücke. Schlüpft der Hummer durch einen kleinen Tunnel in Falle hinein, findet er danach nicht wieder heraus und verfängt sich in den Netzmaschen, die den Käfig umspannen.

Skipper Perry steckt die Touristen in Ölzeug, Handschuhe und Gummistiefel. Und dann wird es ernst für die Hobbyfischer: Immer sechs Fallen am Stück sind an einer Boje befestigt. Mit einem Bootshaken und mindestens vier starken Händen werden die schweren Käfige an Bord geholt. Mal hat sich nur ein einziger kleiner Hummer darin verirrt, manchmal sind sie randvoll.

Messen und sortieren

Weibliche Hummer mit Eiern gehen sofort wieder zurück. Zu kleine Hummer erhalten ebenfalls eine zweite Chance. Dann kommt wieder ein Stück gefrorener Fisch in den Käfig aus Holz und Netz – ein neuer Köder für die nächsten Hummer. Die Fallen gehen wieder außenbords, die nächsten werden ins Boot gehievt. Ein beschaulicher Bootstörn sieht anders aus.

Auf der Rückfahrt zum Hafen von Georgetown messen und sortieren die Urlauber alle Hummer nach Größe. Nochmals gehen einige Hummer über Bord. Die anderen bekommen ein Gummiband über die Scheren gezogen, weil sie sonst ihre Artgenossen, Händler und Köche verletzen würden.

Seefeste und abenteuerlustige Urlauber können auf der „Tranquilitiy 2000“ buchstäblich eigenhändige Erfahrungen mit den sehr lebendigen Krustentieren sammeln – und Respekt vor ihnen. Egal, ob man Hummer nun mag oder nicht. Terry verabschiedet seine zahlenden Hilfsarbeiter stets mit den Worten: „Jetzt könnt Ihr zu Hause ‘was Richtiges erzählen!“ Da hat er wohl Recht.

Von Ulrich Brümmer

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