Den Rhein zu durchschwimmen ist nicht jedermanns Sache – zum Glück bietet Basel genügend Alternativen

Impressionen vom Dreiländereck

F Die Mühe lohnt sich: Der steile Aufstieg wird in Basels Altstadt mit stimmungsvollen Bildern belohnt. Wer nicht nur durch Museen bummeln möchte, kann in der romantischen Altstadt und der Innenstadt übrigens auch sehr gut einkaufen. Foto: Raupach

Sie schweben über Kalenderblätter, im blauen Tutu mit goldenen Lichtpünktchen: Die Tänzerinnen des Edgar Degas bringen Ballettfans zum Träumen. Dem Maler aber, lag nichts ferner, als diesen Knochenjob zu verklären. So graziös die Bewegungen, so erschöpft die Mädchen, so traurig auch die Gesichter. Das Spätwerk Degas’ ist aktuell in Basel zu sehen, in der Fondation Beyeler in Rieden, bekannt für spektakuläre Sonderausstellungen – und nur wenige Tram-Stationen vom Badischen Bahnhof entfernt.

Überhaupt liegt alles nah beieinander in der drittgrößten Stadt der Schweiz: mehr als dreißig Museen, mittelalterliche Fachwerkhäuser und futuristische Neubauten, deutsche und französische Nachbarn – verbunden über drei Bahnhöfe, einen Flughafen und den Rhein. Wie jeder echte Basler sollte man dessen Brücken ignorieren und ein „Fäärikäärtli“ erwerben, sich übersetzen lassen zum Kleinbasel und von dort auf die verschachtelte Altstadt und den Münsterberg schauen oder die Wagemutigen bestaunen, die sich im Rhein treiben lassen. Zum Aufwärmen gibt’s Hypokras, einen Glühwein, dazu süß-würzige Läckerli.

Bei Johann Wanner ist das ganze Jahr Advent. Sein „Weihnachtsbaumschmuckausstattungsgeschäft“ beliefert sogar Hollywood und den Vatikan. Gute Chancen also für Wanner, in den „Walk of Fame“ direkt vor seiner Tür aufgenommen zu werden. Mit den ins Straßenpflaster eingelassenen Tafeln werden Basler geehrt, die ihre Stadt würdig vertreten.

Der Weg ins Mittelalter erfordert Kondition. Schon Hermann Hesses Steppenwolf lief sich in den „steilen, krummen Gassen der Altstadt“ die Hacken ab. Straßen wie das Pfeffergässli verweisen auf die Händler, die hier zuhause waren. Bürgerhäuser erinnern an wohlhabende Seidenfabrikanten. Zuvor sorgten Papierherstellung und Buchdruck für materiellen Reichtum. Den geistigen brachten der Humanist Erasmus, der Therapeut Paracelsus und der Maler Hans Holbein in die älteste Universitätsstadt der Schweiz.

„Viele so genannte Mehrbessere“, sagt Stadtführerin Annelis Bächle, „betätigten sich als Mäzene.“ So wie Christoph Merian, der seiner „sehr lieben Vaterstadt“ die Elisabethenkirche stiftete, heute eine offene Kirche mit vielfältiger Nutzung. Auch die Barfüßerkirche am „Barfi“, einem beliebten Platz, wurde zweckentfremdet und beherbergt das Historische Museum. Gleich nebenan, im Fasnachtsbrunnen, spucken derweil mechanische Wesen des Künstlers Tinguely Wasser in die Luft. Ist es kalt, erstarren die Fontänen zu bizarren Formen. Museen hin, Stararchitekten her: Die Kreativität der Natur ist unschlagbar.

Von Cornelia Raupach

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