Island

Unser Nachbar, der Vulkan

+
Die Isländer selbst aber haben sich längst arrangiert mit dem Feuer, Lava und Asche speienden Berg.

Der Gletschervulkan Eyjafjallajökull ist für manche ein Albtraum. Die Isländer selbst aber haben sich längst mit dem Feuer, Lava und Asche speienden Berg arrangiert, berichtet unser Autor Uwe Fajga.

Kein Zweifel: Der Vulkan ist nach den weltberühmten Springquellen und dem berauschend schönen Wasserfall Gullfoss Islands neue Touristenattraktion. „Der Ausbruch des Eyjafjallajökull war für viele Flugreisende in Europa ein Trauma – für unser Land ist er ein Traum“, sagt Arthur Bollason. Und das, obwohl der Vulkan auch ihn schon in enorme Schwierigkeiten gebracht hat. Bollason ist nämlich Deutschland-Repräsentant der isländischen Fluglinie Icelandair. Aber er sieht es positiv. „Die Vulkanausbrüche bringen uns in die Weltnachrichten. Jetzt weiß wenigstens jeder, wo Island liegt!“

Der Pferdehof von Gudmundur Vidarsson liegt am Fuße des Vulkans.

Menschen wie der Pferdebauer Gudmundur Vidarsson (46) leben auf Tuchfühlung mit dem Vulkan. Während eines Besuchs dort am 10. Mai werde auch ich Augenzeuge eines neuen Ausbruchs des Eyjafjallajökull. Nach einem sekundenlangen heftigen Grummeln tief im Erdinnern steigt hinter dem Bauernhof plötzlich eindrucksvoll eine grauschwarze Aschewolke aus dem Gletschervulkan in den Himmel. Die Wolke erreichte Mitteleuropa eine Woche später und sorgt dort erneut für ein Flugchaos.

Was für Reisende zum Albtraum wird, ist für andere der Traum ihres Lebens. Für die am Eyjafjallajökull tätigen Vulkanologen, Geologen und Geopyhsiker etwa. „Wann hat man schon mal Gelegenheit, einen Vulkanausbruch aus nächster Nähe mitzuerleben“, sagt der deutsche Geophysiker Dr. Martin Hensch. Seit einem Jahr untersucht er mit seinen Kollegen von der Universität Reykjavik die Aktivität des Gletschervulkans.

Vulkanausbruch auf Island

Doch nicht nur die Wissenschaftler zieht es derzeit in Scharen zum Eyjafjallajökull. Ein Besuch der neuen Attraktion Islands gehört mittlerweile zum festen Bestandteil aller isländischen Reiseveranstalter. „Gerade jetzt kommen viele Besucher zu uns, um Augenzeuge dieses immer wiederkehrenden beeindruckenden Schauspiels im Süden Islands zu werden“, sagt Tourismus-Ministerin Katrin Juliusdottir.

Ein Tross aus Sicherheitskräften, Zivilschutz und Bergwacht sorgt dafür, dass Touristen dabei nicht in Gefahr geraten. Die Zufahrten und Wanderwege in den Gefahrenbereich der aktiven Vulkanregion werden rund um die Uhr kontrolliert. „Die Sicherheit der Touristen ist für uns oberstes Gebot“, sagt Katrin Juliusdottir. Bei Aschewolken oder einer neuen Gletscherwasserflut sperrt die Polizei gefährdete Gebiete und Straßen sofort.

Wenn’s an den Zufahrtsstraßen wieder mal zu brenzlig wird, kommt Polizeichef Sveinn Runasson zum Einsatz und muss die Straßen sperren, die vom Gletscherwasser überschwemmt werden.

Es gibt aber genügend gesicherte Routen und Touren, die man per Bus oder Leihwagen oder auch zu Fuß in den zahlreichen Vulkanregionen Islands absolvieren kann (siehe Tipps). Aktuelle Informationen darüber erhält man beim Isländischen Fremdenverkehrsamt.

Besonders eindrucksvoll ist die Aktivität des Eyjafjällajökull aus etwa 15 bis 20 Kilometer Entfernung in den Ortschaften Torfajökull, Thorsmörk, Skogavoss oder Vik zu bewundern. Wie lange das imposante Schauspiel am Eyjafjällajökull noch andauernd wird, vermag derzeit niemand genau zu sagen. „Das kann Wochen, Monate oder auch mehr als ein Jahr lang so weitergehen“, sagt der Leiter des isländischen Meteorlogisches Instituts, Birkir Holm Gudnason.

Island

Rund 500 000 Touristen kommen jährlich auf das sich fast täglich verändernde Eiland im Norden Europas, das mit rund 103 000 Quadratkilometern so groß wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen ist. Zehn Prozent davon kommen aus Deutschland, und die Tendenz ist steigend. Peter-Mario Kubsch, Geschäftsführer des Münchner Reiseveranstalters Studiosus, rechnet mit einem Buchungsanstieg von etwa 30 Prozent – „wenn der Eyjafjällajökull weiterhin so aktiv bleibt.“

Island und seine magische Natur

Island-Natur-Wandern
Der Gullfoss, einer von Islands prächtigsten Wasserfällen. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
In den Straßen von Reykjavik ist der Meerblick inklusive. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Fischfang ist nach wie vor der wichtigste Wirtschaftszweig in Island. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Pippi Langstrumpf würde sich hier ihren isländischen Hotdog holen. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Bei Búllan am Hafen gibt's geniale Burger. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
"Hval" heißt Wal. Was mit diesen Schiffen wohl gefangen wird? © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Der Nordatlantik mal ganz zahm. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
An diesem See driften die eurasische und die amerikanische Erdplatte auseinander. Die Dampfsäulen im Hintergrund kommen aus Geothermal-Kraftwerk. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Lieblings-"Sport" der Isländer: Angeln. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Ins Hochland kommt man nur über staubige Pisten. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Keine Angst, sie sind nicht tot. Island-Pferde legen sich seelenruhig zum Schlafen auf die Seite. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Gleich kommt's... © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
...jetzt! © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Am Geysir, dem Namensgeber aller Wasserfontänen, warten die Touristen geduldig auf den nächsten Ausbruch... © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
... und werden alle paar Minuten mit einer imposanten Fontäne belohnt. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Isländer lieben Fast-Food und Skyr. Das ist eine Art cremiger Joghurt, der mit Blaubeeren am besten schmeckt. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Bei Sonnenschein strahlt der "Goldfall" am schönsten. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Stichwort Sonnenschein: Nur wenige Kilometer unterhalb des Polarkreises kann man tatsächlich T-Shirt-Wetter erleben. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Dann geht's mit dem Linienbus ins Hochland. Brücken? Gibt's nicht. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
In den bunten Bergen von Landmannalaugar... © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
...kann man eindrucksvolle Wanderungen machen. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Bauer Sigurdur bringt uns mit dem Allrad-Van ans Ende der Welt. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Ein Hauch von Karibik in der Mondlandschaft: Langisjor heißt dieser See. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Morgenstimmung über unserem Zeltlager am Sveinstindur. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Manchmal ist die Trekking-Route als Trampelpfad erkennbar. Manchmal ist man ohne GPS-Gerät verloren. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Trekker-Frühstück. Nur leichte Sachen kommen in den Rucksack. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Entspannung nach einer langen Wanderetappe. Direkt neben dieser heißen Quelle kann man sein Zelt aufschlagen. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Am Myrdalsjökull. Islands Gletscher bedecken riesige Landstriche. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Abstieg in die Vulkanspalte Edlgja. Vermutlich im Jahr 934 strömten hier neun Kubikkilometer Lava aus. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Gegen diese Schlucht verblasst sogar der Grand Canyon. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Der Zeltplatz bei der Emstrur-Hütte auf dem Fernwanderweg Laugavegur. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Hose runter! Flüsse müssen zu Fuß durchquert werden. Wassertemperatur: eisig! © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Die Wanderhütte Hvanngil. Sein Essen muss man selbst mitbringen. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Tatsächlich, es gibt auch schlechtes Wetter in Island. Dann wird die Landschaft richtig schön mystisch. © Dirk Wilhelm/genussberge.de
Island-Natur-Wandern
Vorne Wollgras, hinten Sandsturm. Idylle und Naturgewalt liegen nah beieinander. © Dirk Wilhelm/genussberge.de

DIE REISE-INFOS ZU ISLAND

Neuanfang auf der Vulkaninsel: Vor zwölf Jahren ist Helmut Grimm nach Island ausgewandert. Hier lesen Sie seine persönlichen Tipps

REISEZIEL Island ist mit rund 103 000 Quadratkilometern der flächenmäßig zweitgrößte Inselstaat Europas. Die im Nordatlantik liegende Hauptinsel ist die größte Vulkaninsel der Welt und befindet sich knapp südlich des nördlichen Polarkreises. Von den insgesamt 315 000 Einwohner wohnen rund 200 000 in der Hauptstadt Reykjavik.

ANREISE Icelandair fliegt ab dem 22. Juni bis zum 9. September zweimal wöchentlich (dienstags und donnerstags) direkt zwischen München und Island. Ab ca. 400 Euro (hin- und zurück). Infos im Reisebüro oder online unter www.icelandair.de.

SPECIALS Schnupperpaketpreise inklusive drei Übernachtungen im Hotel gibt es vom 16. September bis 19. Dezember 2010 und dann wieder vom Januar bis Mai 2011 mit Icelandair-Flug ab Frankfurt ab 299 Euro. Infos unter www.icelandair.de, Tel. 069/29 99 78.

VERANSTALTER Island-Reisen haben zahlreiche Veranstalter im Programm. Bei Studiosus Reisen kostet eine einwöchige Rundreise mit Flug, Zug zum Flug und Ü/HP in Drei-Sterne-Hotels ab 1695 Euro. Buchung unter www.studiosus.com oder Tel. 089/50 06 00.

GELD 100 ISK (Isländische Kronen) haben den Gegenwert von 0,597 Euro (Stand Mai 2010).

REISEZEIT/KLIMA Hauptsaison ist von Juni bis August mit langen Tagen und maximal 15 Grad Celsius. Wegen des schnell wechselnden Wetters sollte man in Island allerdings immer Regenzeug und im Hochland warme Kleidung im Gepäck haben.

REISETYP Eine Insel für Naturliebhaber, Vulkanfans, Wanderer und sonstige sportbegeisterte Menschen.

Island: Touristen heiß auf Vulkan

Länderinfos zu Island

Island unplugged: Die letzte große Wildnis Europas

VULKANTOUREN Touren durch vulkanische Regionen, z.B. Golden Circle-Tour mit Wasserfall Gullfoss und Geysir gibt es für 50 Euro, eine Lava-Tour auf Island-Ponys kostet ab 50 Euro, ein Thermalbad in der Blauen Lagune 20 Euro. Die Südküsten-Tour nach Vik und zu den schwarzen Stränden an der Reynisfjara mit Blick auf den Vulkan Eyjafjallajökull und Besuch der Wasserfälle Skogafoss und Seljalandsfoss wird ab 100 Euro angeboten.

Buchbar vor Ort bei Reykjavik bzw. Iceland Excursions. Geführte Tagesfahrten vom See Myvatn durch das Hochland zum Berg Herdubreid und zu dem Vulkangebiet Dyngjufjöll und Askja kann man unter www.askjatours.is/german buchen, eine Lava-Rundfahrt mit dem Quad in Grindavik über www.atv-adventures.com.

ESSEN/TRINKEN Die Restaurantpreise sind in Island mittlerweile stark gesunken.: 0,33 Liter Bier kosten im Schnitt 3,50 Euro, eine Flasche Wein ab 20 Euro. Unbedingt probieren: Diverse Fisch- und Lammmenüs in Spezialitätenrestaurants in Reykjavik oder im Hummerrestaurant Fjörubordid im Küstenort Stokkseyri (ab 16 Euro).

WEITERE INFOS über das Fremdenverkehrsamt von Island in Berlin, Tel. 030/50 50 42 00, im Internet: www.visiticeland.com.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.