Israel setzt auf schwule Touristen

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Die israelische Küstenmetropole Tel Aviv gilt als eine der internationalen Schwulenhochburgen.

Israels Küstenmetropole Tel Aviv gilt als eine der internationalen Schwulenhochburgen. Das israelische Tourismusministerium will jetzt mit einer Kampagne “rosa“ Touristen aus aller Welt anlocken.

Die Sonne scheint, der Himmel ist wolkenlos und das Meer strahlend blau. Am Strand stehen vier knackige Jungs, die sich in den Armen liegen. Sie sind nach Tel Aviv gekommen, um Spaß zu haben und zu flirten. Doch braun gebrannte Bikini-Schönheiten sind für sie keine Objekte der Begierde.

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Jerusalem des Nordens

Ihre Blicke bleiben eher an durchtrainierten Sixpacks hängen. Das ist eines der Bilder der Werbekampagne “Gay Vibe“, mit der Tel Aviv gemeinsam mit der Schwulen-Initiative “The Aguda“ Weltenbummler nach Israel locken will. Denn Homosexualität ist hier schon lange kein Problem mehr.

Die besten Gay Pride Festivals 2010

New York, 19. bis 27 Juni 2010: In Gedenken an die Stonewall-Unruhen im Jahr 1969 findet der Gay Pride-Marsch von der Christopher Street zum Central Park statt. In der Gay Pride Week sind unter anderem eine Rallye im Central Park und eine Parade auf der Fifth Avenue geplant. © dpa / Quelle: Cheapflug.de
San Francisco, 26./27. Juni: Das Motto in San Francisco lautet "Forty and Fabulous", denn auch hier fand 1970 das erste Gay Pride Festival statt. Im Civic Center gibt es 19 Bühnen und Veranstaltungsorte sowie 300 Aussteller. Die Parade am Sonntag beginnt um 10.30 Uhr und zieht die Market Street entlang. © dpa / Quelle: Cheapflug.de
São Paolo, 3. bis 7. Juni: Das Festival in São Paolo war mit 3,1 Millionen Besuchern 2009 das größte Festival. Dieses Jahr werden sogar vier Millionen Besucher erwartet. Neben dem Gay Day am 5. Juni und der Parade am 6. Juni gibt es viele bunte Veranstaltungen. © dpa / Quelle: Cheapflug.de
Berlin, 1. bis 20. Juni: Die deutsche Hauptstadt ist eines der tolerantesten Reiseziele für Homosexuelle. Das Berlin Pride Festival hat mit der Pride Week vom 12. bis zum 20. Juni seinen Höhepunkt. Am 12. und 13. Juni wird das 18. lesbisch-schwule Stadtfest am Nollendorfplatz gefeiert, eine Woche später, am 19. Juni, die CSD-Parade. © dpa / Quelle: Cheapflug.de
Frankfurt, 16. bis 18. Juni: Der CSD in Frankfurt findet auf der Konstablerwache und der Großen Friedberger Straße statt. Auf der Konsti gibt es eine Bühne mit abwechslungsreichem Programm. Der Basar der Vielfalt auf der Großen Friedberger Straße bietet Kunsthandwerk, Regenbogenartikel und Infos von Szene-Gruppen und Organisationen. Bei einer Tombola kann man für die AIDS-Hilfe Franfurt spenden.  © dpa / Quelle: Cheapflug.de
London, 19. Juni bis 3. Juli: Die Parade am letzten Tag zieht von der Baker Street über Oxford Street, Regent Street und Piccadilly zum Trafalgar Square. Die Straßen von Soho sind für den Verkehr gesperrt. Auf Trafalgar Square und Leicester Square gibt es ein breites Programm mit Reden und Musik. © dpa / Quelle: Cheapflug.de
Toronto, 25. Juni bis 4. Juli: Die Gay Pride Week ist eines der wichtigsten kulturellen Events in Kanada. Zu den Highlights zählen Straßenfeste, die Parade und das kostenlose Musikfestival am 3. Juli. Zu den Headlinern im Queen's Park gehört Cyndi Lauper. © dpa / Quelle: Cheapflug.de
Köln, 2. Juli bis 7. August: Nicht nur als Karnevalshochburg, sondern auch als Gay-Pride-Stadt bekannt ist Köln. Die CSD-Parade ist eine der größten in Europa. Das CSD-Straßenfest beginnt am 2. Juli, die Parade geht am 4. Juli um 12 Uhr los. Vom 31. Juli bis zum 7. August finden die Gay Games in Köln statt. Das Motto der Spiele: "Teilnehmen, mitmachen und persönliche Höchstleistungen erbringen". © dpa / Quelle: Cheapflug.de
Amsterdam, 5. bis 8. August: Das ganze Wochenende über finden Straßenpartys und Veranstaltungen in den Clubs statt. Die Parade am 7. August führt in Amsterdam nicht über die Straße, sondern über die Prinsengracht – hunderte Boote sorgen ab 14 Uhr für Stimmung auf dem Wasser und an Land. © dpa / Quelle: Cheapflug.de
Hamburg, 31. Juli bis 8. August: Die Eröffnungsgala der Hamburger Pride Week findet am 31. Juli statt, das Straßenfest vom 6. bis zum 8. August. Die Parade am 7. August wird bereits zum 30. Mal veranstaltet. © dpa / Quelle: Cheapflug.de

Das Heilige Land ist vielen europäischen Ländern einen Schritt voraus, was die Rechte von Homosexuellen angeht - den Protesten von Ultra-Religiösen zum Trotz. “Schmusende Männer und händchenhaltende Frauen sind hier keine Besonderheit“, sagt Adir Steiner, Koordinator der Homosexuellen-Events in Tel Aviv. Selbstverständlich sollten Schwule und Lesben nicht im jüdisch-orthodoxen Viertel in Jerusalem Zärtlichkeiten austauschen - aber das gelte auch für Heterosexuelle.

Vielen Menschen sei gar nicht bewusst, dass gleichgeschlechtliche Liebe in Israel kaum die Gemüter erhitze. Deshalb kämen sie gar nicht erst auf den Gedanken, Israel als Reiseziel zu wählen.

Schwulen-Szene erlebe zurzeit einen Boom

Genau das soll die “Gay Vibe“-Kampagne ändern, die die Stadt und das Tourismusministerium mit umgerechnet etwa 68 000 Euro unterstützen. “Wir werden den Etat wahrscheinlich noch weiter aufstocken, denn der Schwulen-Tourismus ist ein vielversprechender Markt“, sagt Pini Shani vom Ministerium.

Israel sei ein Reiseziel, das viel zu bieten habe. Das Land sei vielseitig. Ein perfekter Mix aus Kultur, Geschichte und fantastischem Wetter. Und noch viel wichtiger: Hier müsse niemand seine sexuelle Neigung verstecken.

Für Shai Doitch von “The Aguda“ ist die rosige Zukunft von Tel Aviv als Homo-Metropole besiegelt. Bestes Beispiel ist in seinen Augen die seit 1998 stattfindende “Gay Pride Parade“, an der immer mehr Homosexuelle, aber auch Heterosexuelle teilnehmen. Dieses Jahr waren es rund 120 000 Menschen. Darüber hinaus veranstaltet die Stadt an drei Wochenenden im Jahr sogenannte “Gay Weekends“.

"Sexy und aufregend"

Außerdem können homosexuelle Touristen bei einer speziell zugeschnittenen Stadtführung Wissenswertes über Tel Aviv und die Geschichte der Schwulen-Szene erfahren. Ein spezieller Reiseführer listet homofreundliche Hotels und angesagte Clubs auf. “Wenn man einen Stein von einem Hochhaus werfen würde, trifft man entweder einen Schauspieler, eine Katze oder eben einen Schwulen“, sagt Doitch. Die Schwulen-Szene erlebe zurzeit einen Boom.

Sexy und vor allem aufregend: Mit diesen Attributen beschreibt Steiner seine Stadt. “Die Menschen sehen in den Nachrichten oft nur israelische Soldaten, die Palästinenser töten. Warum sollten sie also nett zu Schwulen sein?“, sagt der Mann, der sich seit Jahren für die Rechte von Homosexuellen einsetzt. Die Kampagne zeige dagegen eine komplett andere Welt - die Realität eben, wie Steiner sagt.

2011 soll die Werbetrommel noch kräftiger gerührt werden. Dann wird “Gay Vibe“ auf Spanien, die USA und Südamerika ausgeweitet. Denn Steiner ist sich sicher: “Die Gays machen ein Urlaubsziel trendy und wenn es erstmal trendy ist, kommen auch alle anderen.“

Ricarda Twellmann, dpa

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