Durch die Elbtalauen nach Rühstädt, ins storchenreichste Dorf von Deutschland

Auf jedem Dach ein Storch

Das erste zarte Grün: In den teilweise noch überschwemmten Elbauen finden nicht nur Störche reichlich Nahrung. Fotos: Kummer

Kräftig in die Pedale treten, strampeln gegen den Wind, das gilt besonders im Frühjahr, wenn an der Elbe noch ein raues Lüftchen weht. Am nordwestlichsten Zipfel von Brandenburg, in der Prignitz, liegt inmitten des UNESCO Biosphärenreservat Elbtalauen das alte Industriestädtchen Wittenberge. Hier führt der Elberadweg vorbei bis ins zwanzig Kilometer entfernte Storchendorf Rühstädt. Man radelt hier immer am Fluss entlang, der sich in großen Kurven malerisch durch die Landschaft schlängelt. Die Wiesen sind schon voller zartem Grün, das den Gänsen besonders gut schmeckt. Es schnattert wie bei Nils Holgersson. Immer mehr Wildgänse kommen geflogen, landen auf dem saftigen Gras und fressen sich kugelrund.

Zugvögel machen Rast

Für Ornithologen und Naturfotografen sind die Elbtalauen im Frühling ein Paradies. Viele Zugvögel und Zwischengäste treffen sich jetzt auf den Wiesen und in den Auenwäldern. Zwerg- und Singschwäne, die ersten Kraniche aus Spanien, aber auch Seeadler und Rotmilane. Zugvögel wie der Kiebitz, Feldlerche, Nachtigal oder die Mauersegler kommen nun zurück. Es ist eine etwas raue, aber intakte Natur entlang des imposanten Flusses.

Die überschwemmten Frühlingswiesen bieten auch reichlich Nahrung für Meister Adebar: Frösche, Fische, Mäuse und Insekten. „Ende März erwarten wir bei uns die ersten Störche“, sagt Kathleen Awe, Leiterin der NABU-Ausstellung in Rühstädt. Das kleine Dorf, zwei Kilometer hinter dem Elbedeich, wurde 1996 zum Europäischen Storchendorf ernannt, es ist der storchenreichste Ort in Deutschland. Die extensive Landwirtschaft, weniger Düngemittel und Pestizide, haben die Population der Störche hier nach der Wende enorm vergrößert, berichtet die Biologin. Im vergangenen Jahr brüteten in Rühstädt 32 Storchenpaare, die 54 Jungstörche zeugten. Aber das sei noch lange kein Grund zum jubeln, betont die Fachfrau. Nur etwa ein Drittel der Jungvögel werde wieder brüten, gut die Hälfte von ihnen hat das erste Jahr nicht überlebt. Darum sei der Storchenschutz nach wie vor ein großes Thema.

Kamera am Nest

„Wenn unsere Störche hier landen“, sagt Kathleen Awe, „waren sie gut sieben Wochen unterwegs.“ Die Rühstädter Störche bevorzugen die Ostroute, sie fliegen von Afrika über Ägypten, Israel, den Bosporus und das Schwarze Meer an ihre Brutplätze. Im Juni werden alle Jungtiere von ehrenamtlichen Helfern beringt.

Im Storchendorf Rühstädt dreht sich mittlerweile alles um Meister Adebar. Es gibt einen Storchenclub, ein Storcheninformationszentrum mit Kamera am Nest, Storchenerlebnisführungen, ein Storchenfest, sowie jede Menge Storchensouvenirs.

Ab Mitte Mai gibt es in Rühstädt dann wieder die „Storchenfeierabende“. Das sind Führungen, die erst um 20 Uhr beginnen und zirka zwei Stunden dauern. „Es kann nämlich passieren“, meint Kathleen Awe, „dass die Leute am Tag hierher kommen und fast keinen Storch sehen.“ Denn tagsüber haben die Störche viel zu tun: Sind die Jungen erst einmal geschlüpft, heißt es für die Eltern, ständig auf Nahrungssuche gehen. Zwei bis drei Stunden sind sie manchmal auf den Wiesen und sammeln im Schnabel ihre Beute, ehe sie zurück ins Nest fliegen. Wer mehr wissen möchte über den Weißstorch, schaut sich am besten die Ausstellung „Weltenbummler Adebar“ des Storchenzentrums in Rühstädt an.

Von Dolores Kummer

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