Hops-ho-da-re-i-ri!

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Hermann Härtel reist für seine Jodelkurse zwar durch die ganze Alpenrepublik.

Ja, es hat einmal eine Zeit gegeben, in der wir ohne Handy überlebt haben. Damals, so erzählt man es sich in der Steiermark, hätten die Hirten und Sammler...

...die Waldarbeiter und die Köhler, selbst über weite Distanzen hinweg durch Schreie oder Juchzer kommuniziert. Später ist daraus Volksmusik geworden. Und heute ein Freizeitsport für Urlauber, die bei Hermann Härtel jodeln lernen. Aber vorher bitte das Handy ausschalten.

Mit seinem berühmten „Hollari du dödel di“ hat Loriot dem Jodeln ein filmisches Denkmal gesetzt. Lustig geht es auch bei Hermann Härtel zu. „Jeder kann jodeln“, sagt der Steirer. Emotion. Das ist das Geheimnis, erklärt Hermann Härtel gleich am Anfang. Zum Jodeln braucht es Emotionen. „Angst ist dabei die beste Voraussetzung“, sagt der 64-Jährige und schaut mit blitzenden Augen in die Runde.

Zwölf deutsche Touristen sitzen beim Kölblwirt im 150-Seelen-Ort Johnsbach mit einer Mischung aus Skepsis und Neugier. Hier in der Wirtsstube sollen sie gleich jodeln lernen. Einfach so, ohne große Vorbereitung.

Und dann legt Härtel auch schon los. „Hops-ho-da-re-i-ri“, ruft er in die Runde, die nur zögerlich einstimmt. „Im Keller und in der Badewanne singt man auch, fürs Jodeln braucht man keine musikalische Begabung“, ermuntert er die Gruppe. Jodeln habe mehr mit Schreien als mit Singen zu tun. Der Hinweis wirkt. Kräftig tönt plötzlich das „Hops- ho-da-re-i-ri“ durch das Zimmer, im Nebenraum schauen die Gasthausbesucher etwas irritiert. Doch die Gruppendynamik wirkt – der erste Jodler ist geschafft.

Härtel weiß eben, wie er die Menschen anpacken muss. „Es macht mir Spaß, sie aus der Reserve zu locken.“ Seit 20 Jahren gibt der gelernte Industrienähmaschinenmechaniker schon Jodelkurse, als Lehrbeauftragter ist er unter anderem an der Musikuniversität Wien und dem Mozarteum Salzburg tätig.

Emotion muss sein: Hermann Härtel bringt Urlaubern bei, wie sie sich mit eigener Stimmkraft und ohne Handy in freier Natur verständigen – mit Jodeln.

Doch am liebsten ist er in den Bergen, und nebenbei bringt er Einheimischen und Touristen das Jodeln bei. Dass diese Ausdrucksform gerne belächelt wird und bei vielen mit negativen Klischees besetzt ist, weiß er natürlich. Stören tut es ihn nicht. „Das hat mit den Medien zu tun.“ Und damit, dass man sich in den Dörfern seit ewigen Zeiten im Wirtshaus trifft und nach zwei, drei Stunden und einigem Alkoholkonsum „die Leute aus dem Wirtshaus brüllen wie die Hirschen“, so Härtel. „Aber auch ich jodel mit einem Achtele Wein besser.“ Spricht’s und bestellt beim Kölblwirt, der selber schon mal am Zapfhahn einen Jodler loslässt, eine Runde Schnaps für alle.

Damit geht’s gleich weiter. „Das muss den ganzen Menschen erfassen“, plärrt Härtel mit aufgerissenen Augen, tief durchatmen, und „hops-ho-da-re-i-ri“. Es folgt die tiefe Zweitstimme, die hohe Drittstimme für die Frauen, plötzlich ist es ein Kanon. Dass nicht jeder den selben Tonfall drauf hat, ist völlig egal, die Touristen singen sich plötzlich wie in einen Rausch. „Hops-ho-da-re-i-ri“ schreien Bernd aus Hannover und Hanna aus Darmstadt inbrünstig, Härtel dirigiert dazu mit dem Finger. „Fürs erste Mal super, ihr habt‘s des im Blut“, feuert er an. Weiter geht’s mit dem kuriosen „Gockel gockel gockel di, gockel di, gockel di“, der vor allem Kindern „a irrsinnige Freid“ macht, und dem kräftigen „Tri-ä-ho-e-ho-e-ho“.

Die Stimme entdecken und sich auf das Spiel der Töne einzulassen war das Ziel. Das hat Härtel geschafft. Und der eine oder andere Tourist ertappt sich noch Tage später in stillen Momenten bei einem „hops- ho-da-re-i-ri“.

Boris Forstner

Härtels Jodelkurse

Hermann Härtel reist für seine Jodelkurse zwar durch die ganze Alpenrepublik. Ein Klassiker aber ist der Jodelkurs in den Bergen beim Kölbwirt im Nationalpark Gesäuse in der Steiermark. Während des Kurses (9.30 bis 18 Uhr) gibt es zwischendurch einen Abstecher auf die Alm, gejodelt wird möglichst in freier Natur. Nächste Kurse sind am 21. April und 6. Oktober. Kosten: 59 Euro.

­Infos unter Tel. 0043/664-2411307 und im Internet unter www.citoller.at.

Die ­Härtels haben auch ein Jodel-Lehrbuch herausgebracht, mit Beispiel-CD zum selber üben. 25 Euro plus Versand, ISBN 978-3-200-01811-2.

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